In Quarantäne müssen die beiden Welpen aus Rumänien noch eine Weile bleiben, bevor sie sozialisiert werden.
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In Quarantäne müssen die beiden Welpen aus Rumänien noch eine Weile bleiben, bevor sie sozialisiert werden.

Tierheim in Rottenbuch

Sonnenhof: Die Auffangstation für gerettete Welpen ist fertig

  • VonTheresa Kuchler
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Von Anfang an war sie mit eingeplant, nun steht sie da: Die Welpen-Auffangstation am Sonnenhof in Rottenbuch. Jetzt gibt es ausreichend Platz für die Tiere aus dem illegalen Welpenhandel, die später in ein liebevolles Zuhause vermittelt werden sollen.

Rottenbuch – Bevor Nicole Brühl den Raum mit den beiden Welpen betreten darf, muss sie sich sterile Kleidung anziehen. Aus Sicherheitsgründen: Die acht Wochen alten Hunde, die aus Rumänien nach Westeuropa verkauft werden sollten, befinden sich nämlich noch in Quarantäne. Der Sonnenhof in Rottenbuch hat sie aus den Fängen des illegalen Welpenhandels gerettet. Erst seit Kurzem hat das Tierheim, das mit seinem Seniorendorf bislang vor allem ein Zuhause für alte Hunde bot, überhaupt die Kapazitäten für solche Maßnahmen: in einer eigens errichteten Welpen-Auffangstation.

Brühl, die Vorsitzende des Tierschutz-Vereins am Sonnenhof, führt bei einem Rundgang um die neuen Gebäude. „Es ist nicht alles zu 100 Prozent fertig“, kommentiert sie die Teilbaustelle. Obwohl noch einige kleine Arbeiten anstehen – der „Feinschliff“ – konnte das Tierheim bereits den ersten Wurf bei sich aufnehmen. „Vier Welpen haben wir bis jetzt vermittelt“, sagt Brühl. „Richtig losgehen“ soll es dann im Oktober. Insgesamt haben drei Würfe à fünf Welpen in der neuen Auffangstation Platz. Die beiden schwarzen Junghunde, die Brühl für ein Foto kurz auf den Arm nimmt, sind momentan die einzigen Bewohner.

Erst geht es in die Quarantäne, dann werden die Welpen sozialisiert

„Zuerst kommen die Welpen in die Quarantäne“, erklärt Brühl den Ablauf. Für diese Phase, die im Extremfall – etwa bei der Anordnung einer Tollwut-Quarantäne – bis zu sechs Monate andauern kann, gibt es einen eigenen Gebäudeteil, der ganz neu errichtet wurde. Mit integriert ist ein voll ausgestattetes Arztzimmer. Die Tierärztin, die künftig auch die Leitung des Heims übernimmt, wird darin die häufig misshandelten und kranken Tiere versorgen.

Nicole Brühl freut sich über die ersten Bewohner der neuen Welpen-Auffangstation.

Sobald die Welpen aus der Quarantäne entlassen werden, ziehen sie in die gegenüberliegenden Häuschen ein: in die sogenannten Vermittlungshütten. „Dort erfahren die Hunde Sozialisierung. Damit sie später auch klarkommen in dieser Welt.“ Dem Team am Sonnenhof ist es wichtig, ihre Tiere ausreichend auf ihr weiteres Leben vorzubereiten.

Nicole Brühl warnt vor Welpen-Kauf im Internet

Wie Brühl findet, ist das auch das einzig Sinnvolle – und viel nachhaltiger, als sie direkt an einen neuen Besitzer zu übergeben. „Wenn sie nicht genügend sozialisiert sind, landen die Hunde am Ende wieder im Tierheim“, sagt die Vorsitzende. Schließlich sind viele der Tiere traumatisiert und verängstigt, wenn sie aus den Händen der illegalen Händler befreit werden. Familien, die mit einem Hund aus dem Tierheim eigentlich etwas Gutes tun wollen, fühlen sich mit den Verhaltensstörungen oft überfordert und geben das Tier wieder ab. „Das wollen wir verhindern.“

Am Sonnenhof erhalten die Welpen die Chance, später einmal in einem liebevollen Zuhause zu leben – trotz ihrer Herkunft. Eigentlich sollte es dieses Problem gar nicht geben, findet Nicole Brühl. Ihr ist es eine Herzensangelegenheit, auf die große Problematik des illegalen Welpenhandels aufmerksam machen. Die Vereins-Vorsitzende appelliert: „Bitte kauft keine Welpen aus dem Internet!“ Damit unterstütze man aktiv das System und mache sich mitschuldig. „Man muss da auch an die Muttertiere denken“, holt Brühl weiter aus. „Die sehen in ihrem Leben nie so etwas wie eine Wiese und dienen nur als Gebährmaschinen.“

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