Abt Barnabas Bögle, hier kürzlich bei einem Gottesdienst zur 900-Jahrfeier in Wildsteig.

Bestürzung und Trauer nach Bögle-Rücktritt

Rottenbuch - Die Reaktionen auf den Rücktritt des Ettaler Benediktinerpaters Barnabas Bögle in seiner Heimatgemeinde Rottenbuch reichen von Bestürzung bis Unverständnis. Sein Bruder Albrecht Bögle spricht gar von einem „Leuchtturm, der hier zerlegt wurde“.

Albrecht Bögle: Der Bruder des Abts erfährt viel Trost in der Gemeinde.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom Rücktritt des Thomas Bögle – so der bürgerliche Name – in seiner Heimatgemeinde Rottenbuch. Und die Bürger stärken ihm dabei demonstrativ den Rücken. Sein Bruder Albrecht Bögle sagte im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass der Begriff „Bauernopfer“ die Situation „äußerst treffend“ beschreibe. „Meinem Bruder ist weder moralisch noch sonst in irgendeiner Weise etwas zur Last zu legen.“ Vielmehr habe er sofort nach Bekanntwerden des Vorfalls von 2005 Lehrer, Schüler und Elternbeirat informiert. Entsprechend viel Rückendeckung habe er dann auch in der Elternschaft erfahren, „die klar zu ihm steht“.

Aber auch viele Rottenbucher hätten ihm gegenüber ihr Bedauern über den Abtritt seines Bruders geäußert, wobei den meisten eine große Traurigkeit anzumerken gewesen sei. Noch einmal Bögle: „Die Kirche hat hier ein Exempel statuiert. Und dabei musste es eine Leitfigur treffen. Ein einfacher Kaplan hätte dafür nicht gereicht.“

Gerhard Gumpinger: Der Ortsgeistliche ist von seiner Kirche enttäuscht.

Rückendeckung erhält Albrecht Bögle auch vom örtlichen Pfarrer Gerhard Gumpinger. „Ich glaube, man sucht jetzt ein Bauernopfer“, äußerte er auf Nachfragen und fügte noch hinzu: „Ich denke, das war eine äußerst schwache Leistung des Ordinariats, die jeder Diskussionsgrundlage entbehrt. Ich habe dies auch in einem Brief an den Generalvikar niedergelegt“, erklärt der Ortsgeistliche, der „enttäuscht von meiner Kirche“ ist und bedauert, „dass hier ein sehr fähiger Mann geopfert wurde“.

Andreas Keller: Rottenbuchs Gemeindechef will lückenlose Aufklärung.

Unverständnis auch bei Bürgermeister Andreas Keller, den die Nachricht per SMS in Südtirol erreichte, wo er bis gestern zu einem Kurzurlaub weilte. „Zunächst war ich irritiert, dass so ein harter Schritt vollzogen wurde.“ Da er jedoch die Hintergründe nicht so genau kenne, könne er sich auch nicht detailliert zur Sache äußern. Fakt sei indes, dass es genügend Vorgänger von Abt Barnabas gegeben habe, die sich bereits in der Vergangenheit hätten äußern und zu den Missbrauchsfällen Stellung beziehen können. „Geschehen ist aber nichts“, ärgert sich Keller. Ihm sei zwar klar gewesen, dass ein Kopf habe rollen müssen, doch habe man mit Abt Barnabas den absolut Falschen gewählt. Wichtig sei jetzt in erster Linie, die ganze Angelegenheit lückenlos aufzuklären, „damit der gute Ruf des Internats Ettals wieder voll und schnell hergestellt wird“.

Tief sitzt die Enttäuschung auch bei Gabriele Eirenschmalz, Vize-Bürgermeisterin Rottenbuchs und damit Nachfolgerin von Albrecht Bögle in diesem Amt. „Ich finde es total überzogen, dass er jetzt gehen musste, zumal er ja intern wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt und Schüler, Lehrer und Eltern informiert hat.“ Der Druck auf die Kirche sei aber „wohl so groß gewesen, dass dafür jemand büßen musste“.

Gabriele Eirenschmalz, die zugleich Nachbarin von Bruder Albrecht Bögle und der Mutter des zurückgetretenen Barnabas Bögle ist, schätzt diesen als „liebenswerten Menschen, der sein Amt stets mit Herzblut ausgeübt und immer ein offenes Ohr für die Anliegen junger Menschen gehabt hat“.

Stephan Penning

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