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Blick auf die Winter-Baustelle: Das Notdach schützt das historische Bräuhaus mittlerweile vor dem Eindringen von weiterer Feuchtigkeit. Bis Ende des Jahres soll der endgültige Dachstuhl errichtet werden. 

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Brand im Kloster Rottenbuch:  Schuldiger nicht zu ermitteln

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Fünf Monate sind seit dem verheerenden Brand im Kloster Rottenbuch vergangen. Obwohl die Staatsanwaltschaft nach den Ermittlungen der Polizei von fahrlässiger Brandstiftung ausgeht, ist das Verfahren jetzt eingestellt worden. Die Sanierungsarbeiten im stark beschädigten historischen Bräuhaus gehen derweil weiter.

Rottenbuch– An diese Nacht wird man sich in Rottenbuch noch lange erinnern. Am Abend des 18. September 2018 lodern plötzlich meterhohe Flammen aus dem Dach des historischen Bräuhauses mitten im Ort. Über 300 Einsatzkräfte kämpfen die ganze Nacht gegen das Feuer. Zwar schaffen sie es, den Brand zu löschen, doch der Schaden ist immens. Vom Dachstuhl bleibt nur ein verkohltes Gerippe, in den darunter liegenden Stockwerke hat das Löschwasser ganze Arbeit geleistet. Für die Verantwortlichen von Regens Wagner ist es ein bitterer Rückschlag, denn die Räume waren gerade erst für viel Geld saniert worden. Erste Schätzungen gehen damals von einem Schaden im zweistelligen Millionenbereich aus. Im November sollten die ersten beiden Klassen der Fachakademie für Sozialpädagogik und der Berufsfachschule für Kinderpflege das fertige Domizil beziehen, Anfang dieses Jahr wollte man in den Vollbetrieb starten.

Davon ist man derzeit weit entfernt. Statt der Schüler geben sich im historischen Bräuhaus Handwerker und Bausachverständige die Klinke in die Hand. Über die vergangenen Monate ist ein Notdach errichtet worden, innen rückten Arbeiter mit schwerem Gerät an. Bis auf die Grundmauern sei alles entkernt worden, sagt Regens-Wagner-Gesamtleiter Achim Gerbig. Estriche, die ganze Elektroinstallation, alles musste wieder heraus. Selbst die Wasserleitungen werden derzeit ausgetauscht, da sie durch das Löschwasser angefangen haben zu rosten. Weil die Gefahr auch für die verbauten Stahlträger besteht, würden diese ebenfalls freigelegt und untersucht, sagt Gerbig.

Probleme bereitet auch die stark durchfeuchtete, massive Brandmauer, die das Gebäude seit dem Bau im 18. Jahrhundert in zwei Abschnitte teilt. Experten sind laut Gerbig gerade dabei zu untersuchen, wie der historische Mörtel am besten getrocknet werden könne. Dazu wurden Bohrproben genommen, um das Trocknungsverhalten unter verschiedenen Bedingungen zu testen. Das sei insofern wichtig, da ohne den bindenden Mörtel die Statik des Gebäudes gefährdet wäre, erklärt der Gesamtleiter. Noch immer stehen im ganzen Haus verteilt große Trocknungsgeräte.

Bis die Feuchtigkeit so weit aus dem Gebäude verschwunden ist, dass mit dem Innenausbau begonnen werden kann, wird es noch dauern. Wie lange, lasse sich nur schwer sagen, so Gerbig. Drei Monate oder ein halbes Jahr? So richtet sich der Blick derzeit vor allem nach oben. Das Notdach soll so schnell wie möglich einem richtigen Dach weichen. Demnächst soll der nötige Bauantrag eingereicht werden. „Wir hoffen, dass wir noch im Frühjahr mit den Ausschreibungen beginnen können. Unser Ziel ist es, dass wir bis zum nächsten Winter wieder ein richtiges Dach haben.“ Erst dann kann schließlich auch mit dem Wiederaufbau des obersten Geschosses begonnen werden, wo Kunst- und Werkräume den Flammen zum Opfer gefallen sind.

Über all dem schwebt seit dem Brand die Frage nach der Ursache des Feuers. Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd nun auf Nachfrage der SN mitteilt, seien die Ermittlungen der Brandfahnder mittlerweile abgeschlossen, der Fall liege bei der Staatsanwaltschaft in München. Deren Aussage klingt ernüchternd. Zwar gehe man von fahrlässiger Brandstiftung aus, teilt eine Sprecherin mit. Doch weil viele Spuren durch das Feuer vernichtet worden seien, ließe sich nicht mehr genau feststellen, wer den Brand auf der Baustelle letztlich verursacht habe. Man habe das Verfahren deshalb einstellen müssen.

„Diese Nachricht ist neu für uns“, sagt Gerbig überrascht, erst Anfang der Woche habe man mit der Brandversicherung gesprochen, die selbst noch auf das Ergebnis der Ermittlungen warte. Der Gesamtleiter hofft, dass nun bald Klarheit herrscht, was die Übernahme der Kosten angeht. Denn eine Deckungszusage gebe es bislang noch nicht. Und selbst wenn die Versicherung wie erwartet einspringt, rechnet Gerbig damit, dass seine Einrichtung „beachtliche Kosten“ am Ende selbst tragen muss. „Die Versicherung zahlt nur für die Brandschäden, aber nicht für die Folgekosten, die wir etwa im Bereich der Infrastruktur und des Schulbetriebs haben.“

Helfer gesucht

Nach dem plötzlichen Auszug aus dem brandgeschädigten Bräuhaus sind viele Kisten und Möbel noch nicht an der richtigen Stelle. In den Faschingsferien will man bei Regens Wagner nun Ordnung ins Chaos bringen. Dafür werden noch freiwillige Helfer gesucht. Wer Interesse hat, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 08867/ 91120 zu melden. Für eine Brotzeit während der Arbeit ist gesorgt.

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