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Brandspuren: Theresia und Peter Krecu vor dem ausgebrannten Südteil des Engelhofs. Das Loch in der Wand wurde damals von der Feuerwehr geschlagen.

Rudersau 

Brandruine: Abriss einzige Alternative

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Vor zwei Jahren brannte in Rudersau ein denkmalgeschützter Hof aus. Seitdem ist die Brandruine unbewohnt. Jetzt gehen die Besitzer schweren Herzens einen extremen Schritt: Sie wollen das über 570 Jahre alte Anwesen abreißen. Eine Sanierung sei nicht machbar. Der Rottenbucher Gemeinderat hat zugestimmt, nun prüft das Landratsamt.

Rottenbuch – Diesen Samstagabend am 22. November 2015 werden Theresia und Peter Krecu nie vergessen. Kurz nach 23 Uhr rückte die Feuerwehr vor ihrem brennenden Bauernhof in Rudersau an. Das Feuer wurde gelöscht, der Hof aber war nicht zu retten. Theresia Krecu hatte ihr Hab und Gut verloren, seitdem lebt die 52-Jährige mit ihrem Sohn in Rottenbuch in einer Ferienwohnung. Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollte heran. Es gab ein Benefizkonzert für die musikbegeisterte Familie, auch die Schongauer Nachrichten halfen bei ihrer jährlichen Spendenaktion mit der Metzgerei Boneberger.

Aber der Brand war nicht nur menschlich eine Katastrophe, sondern auch wegen der Historie. Der Engelhof gilt als eines der ältesten Häuser in Bayern in Privatbesitz. Die Ost- und Südwand ist ein L-förmiger Block aus Holzstämmen, der sich vom Erdgeschoss in den 1. Stock zieht – nach letzten Untersuchungen datiert bis ins Jahr 1438. Darüber ziert ein hölzerner Giebel das Dachgeschoss, er stammt aus der Zeit zwischen 1780 und 1790. Der Nordteil des Hofs wurde um 1980 errichtet. Das gesamte Haus steht unter Denkmalschutz, und das ist das Problem. Mittlerweile liegen den Krecus drei Gutachten vor: mit widersprüchlichen Aussagen, die einen Wiederaufbau bis heute verzögert haben. „Wir haben monatelang gutachterliche Stellungnahmen ausgestanden“, seufzt Peter Krecu. Die erste Expertenmeinung erhielten sie im Dezember 2015: Der alte Holzblock im südlichen Bereich sei ein Totalschaden, der Nordteil könne bedingt saniert werden. Im März 2016 folgte ein Ergänzungsgutachten, das ebenfalls die Versicherung in Auftrag gab: Der Holzblock sei unter bestimmten Bedingungen doch bedingt sanierungsfähig, auch der Nordteil sei wieder herrichtbar.

Planer Stefan Häußrer zeigt die verkohlten Stämme des alten Holzblocks in der Südwestecke des Hauses (Bild links). Entscheidend ist für ihn aber, dass die Sanierung bauphysikalisch überhaupt nicht machbar ist.

Doch eine weitere Nutzung des Gebäudes lehnen die Besitzer ab. Peter Krecu spricht von einer „extrem hohen Rauchgaskonzentration“ im Inneren. „In einem sanierten Bau wird es immer Geruch haben.“ Noch heute riecht es nach Feuer, sogar im Obergeschoss sind die Waschbecken mit einer dicken schwarzen Schicht überzogen. Peter Krecu: „Die Ausdünstungen kriegst du nie wieder raus.“ Die Familie strengte in Absprache mit der Versicherung, die wieder die Kosten trägt, ein drittes Gutachten an. Die Antwort gab es im Februar 2017: Der Nordteil sei bedingt sanierungsfähig, aber der Südteil mit dem Holzblock ein Totalschaden. Der Rottenbucher Planer Stefan Häußrer unterstützt die Familie: „Eine Sanierung ist bei dieser Schadstoffbelastung schwierig. Es kann nicht sichergestellt werden, dass danach die Belastung komplett raus ist.“ Das betrifft die Bauchemie, sagt Häußrer – aber entscheidend sei, dass die Sanierung bauphysikalisch überhaupt nicht machbar ist.

Am 30. Juni „war das Finale“, so Peter Krecu: Der Denkmalschutz erkannte die neue Expertise nicht an. Mitte November gab es endlich einen Gesprächstermin mit Landratsamt, Denkmalschutz und Gutachtern in Weilheim. Die Kreisbehörde verlangte von den Hofbesitzern einen formalen Antrag zum Abriss. Diesen hat nun der Gemeinderat abgesegnet (siehe Kasten), jetzt liegt er im Landratsamt. Im Januar will Peter Krecu eine gutachterliche Stellungnahme nachreichen. Abgerissen werden soll das komplette Wohnhaus, ohne den einstigen Stall. „Wir wollen es genauso wieder aufbauen, wie es ist“, sagt Peter Krecu – inklusive des geschützten Ziergiebels, der den Brand unbeschädigt überstand.

Am vergangenen Donnerstag traf sich Theresia Krecu mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß, um ihr Anliegen noch mal darzustellen. Zur Unterstützung hatte sie Max Bertl, Bayerns oberster Trachtler und ehemaliger Zimmereiinhaber aus Wildsteig, dabei. Für die 52-jährige Hofbesitzerin ist der Abriss keine leichte Sache. 1929 hatte ihr Großvater den Engelhof erworben, 1998 bis 2000 sanierten die Krecus ihn mit viel Zeit und Geld – immer in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz. Theresia Krecu macht aber klar: „Ich werde in dieses Haus nicht mehr einziehen, wenn der Holzblock bleibt.“ Sollte der Abriss des Hofs abgelehnt werden, weiß sie: „Dann bleibt er als Ruine stehen.“ Peter Krecu rechnet bis Mitte 2018 mit einer Entscheidung des Landratsamts.

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