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Er war schon bei der Einweihung dabei: Karl Echtler (96) ließ Marsch für die Echelsbacher Brücke komponieren

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Die Noten für den „Rottenbucher Brückenmarsch“ zeigt Karl Echtler. Er hatte die Idee für das Stück.
Die Noten für den „Rottenbucher Brückenmarsch“ zeigt Karl Echtler. Er hatte die Idee für das Stück. © Hans-Helmut Herold

Als die Echelsbacher Brücke 1930 eingeweiht wurde, war Karl Echtler als fünfjähriger Bub dabei. Heuer ließ der Rottenbucher einen Marsch komponieren - zur Wiedereröffnung.

Rottenbuch – Es war ein Anblick, der Karl Echtler noch immer zum Lächeln bringt. Vor Kurzem stattete die Musikkapelle Rottenbuch ihrem Ehrendirigenten einen Besuch ab. Am Abend stellte sie sich vor seinem Haus auf, die Feuerwehr spendete das nötige Licht. Dann spielten die Musiker drei Märsche am Stück. Echtler genoss den Auftritt vom Fenster aus. „Das war ein super Schauspiel“, sagt der 96-Jährige. „Es war herrlich.“ Und etwas ganz Besonderes. Denn die Männer und Frauen hatten einen guten Grund, Echtler einen dieser Märsche exklusiv vorzuspielen: Der Ehrendirigent hat ihn komponieren lassen, den „Rottenbucher Brückenmarsch“ – anlässlich der Sanierung der Echelsbacher Brücke.

Die ist für den Rottenbucher schon immer ein ganz besonderes Bauwerk gewesen. „Das war eine Leistung der Bauarbeiter damals“, sagt er. Die Einweihung 1930 erlebte er als Fünfjähriger mit. Sein Großvater, Karl Berger, war zu dieser Zeit Rottenbuchs Bürgermeister. Tausende Menschen lauschten damals dessen Worten. Den Zylinder, den Berger an diesem Tag trug, hält Echtler noch immer in Ehren.

Treffpunkt Echelsbacher Brücke: Eine Kugel Eis für einen Fünfer

Als Bub verbrachte er viel Zeit an der beeindruckenden Brücke. Sie wurde zum Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, nicht nur aus Rottenbuch. „Da kamen auch die Wildsteiger Buam und Madl.“ Kein Wunder: „In dem Kiosk dort gab es selbst gemachtes Eis, für ’nen Fünfer gab’s eine Kugel“, sagt Echtler.

Er hat viele Erinnerungen an die Brücke, wohnte zeitlebens ja auch nicht weit weg. Sein Elternhaus steht am südlichen Ortseingang Rottenbuchs, rund zwei Kilometer von dem Bauwerk entfernt. Echtler errichtete dort vor 50 Jahren einen Campingplatz. Und machte sich später um den Ort ebenso verdient wie einst sein Großvater: Er war von 1984 bis 1996 Rottenbucher Bürgermeister und rund 20 Jahre lang Dirigent der Musikkapelle, darf sich mittlerweile Ehrenbürger und Ehrendirigent nennen. Die Faszination für die Brücke ist ihm in all’ den Jahrzehnten geblieben, er hat sie sogar weitergegeben – einer seiner beiden Söhne gibt Führungen an der Brücke.

Kindheitserinnerung: Karl Echtler als Bub mit seinem Großvater Karl Berger.
Kindheitserinnerung: Karl Echtler als Bub mit seinem Großvater Karl Berger. © privat

Für Echtler war völlig klar, dass es auch für die Wiedereröffnung der Straße etwas Besonderes braucht. So kam er auf die Idee, einen Konzertmarsch komponieren zu lassen. Seine Gedanken für das Stück stellte der 96-Jährige dem Dirigenten Michael Luther und dem Vorsitzenden der Musikkapelle, Tobias Schmid, vor. Sie gaben diese an den Komponisten Thomas G. Greiner aus Rieden (Antdorf) weiter. „Das musste ja jemand in Noten setzen“, sagt Echtler. Sechs Wochen dauerte es, dann war das Stück aufs Papier gebracht.

Konzertmarsch symbolisiert die Brückeneröffnung

Genau so, wie Echtler es wollte – der Marsch symbolisiert musikalisch eine Brückeneröffnung. Mit einer festlichen Fanfare zum Beginn. Darauf folgt ein ruhiges Marschtempo. Das soll den Moment beschreiben, wenn „die Ehrengäste über die Brücke laufen“. Dann wird’s hektischer: Mit Pferdegetrappel, Fahrradklingeln und Hupen wird die Eröffnung für die Öffentlichkeit dargestellt. Es folgen ein Bass-Solo, das den Brückenbogen symbolisiert, sowie ein Part, in dem dem „Herrgott gedankt wird, dass es keine großen Unfälle bei der Sanierung gab“. Darauf folge ein „grandioser Abschluss“, wie Echtler lächelnd sagt.

Die Musikkapelle hat den Marsch wochenlang geprobt, ihn Echtler vorgespielt – und ihn damit begeistert. Die Musiker „haben das schön gemacht“. Das Werk ist für alle Instrumente der Kapelle gedacht, jeder kann mitspielen.

Doch mit der großen, öffentlichen Uraufführung wird es vorerst nichts. Denn das Bürgerfest zur Wiedereröffnung der Brücke fällt Corona-bedingt aus – womöglich wird es im Spätsommer 2022 nachgeholt. Ob der Marsch dann dort oder vorher bei einer anderen Veranstaltung vorgestellt wird, weiß Echtler nicht. Das weiß noch niemand.

Neben Karl Echtler hatten sich übrigens noch andere Rottenbucher Gedanken zur Wiedereröffnung der Echelsbacher Brücke gemacht: Zwei von ihnen restaurierten ein Modell, das genauso alt wie die Brücke ist.

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