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Gabe unter dem Christbaum: Thomas Pfeiffer mit der Radio-Phonokombination vom „Braun PK-G5“. 

Erlös für Explosions-Opfer

Radio-Rarität hat neue Besitzer

Eine Rottenbucher Familie hat sich mit einer Rarität selbst beschenkt. Es handelt sich um das Radio, das vom Peitinger Techniker Thomas Pfeiffer wieder auf Vordermann gebracht wurde. Den Erlös bekommen die Opfer der Gas-Explosion von Rettenbach.

Peiting/Rottenbuch – Der Bericht in den Schongauer Nachrichten über die Reparatur einer Radio-Phono Kombination durch den Peitinger Fachmann Thomas Pfeiffer hat Früchte getragen: Ein Ehepaar aus Rottenbuch, das namentlich nicht genannt werden möchte, war sich sofort einig, diese Rarität zu erwerben. Zum Einen sind die beiden musikbegeistert. Zum Anderen aber hatte ihr Entschluss ganz besondere Gründe. „Wir haben an den ruhigen Weihnachtstagen immer wieder an die Mutter und ihre beiden Söhne in Rettenbach denken müssen“, so der Ehemann. Seine Frau bekräftigte diesen Entschluss gerührt mit einem Kopfnicken.

Die Rottenbucher hatten im Vorfeld alle Berichte über die Herkunft dieses Radios gelesen. In den 60er Jahren hatte der berühmte Sänger und Dirigent Peter Schreier aus Dresden dieses Gerät auf Wunsch seines Nachbarn im „Westen“ erworben. Problemlos über die Grenze gebracht, übergab er es dem Professor an der Technischen Hochschule, der ebenfalls begeisterter Hörer klassischer Musik war. Unzählige Langspielplatten wurden abgespielt. Nach der Wende wanderte das Gerät nach Bayern, wo es auf einem Dachboden landete. Nach der Rettenbacher Gasexplosion hatte dann eine junge Frau der Familie die Idee, diese einstige Nobelmarke der Radiogeneration über die Fundgrube im „Münchner Merkur“ zu verkaufen. Den Erlös sollten die Opfer des Unglücks erhalten.

Wie es der Mutter und ihren zwei Söhnen heute geht...

Die Angebote für das Gerät mit dem beschriebenen „leichten Defekt“ waren weniger als dürftig. Keiner erkannte den wahren Wert dieses Radios. „Als Laie in Sachen Technik hätte ich auch die Finger davon gelassen“, erinnert sich Thomas Pfeiffer. Also hat er sich damals gemeldet und angeboten, das Gerät wieder in einen Neuzustand zu verwandeln. Einzige Bedingung: das Radio zu Gunsten der Rettenbacher zu verkaufen. Pfeiffer bekam die Zusage und begab sich auf einen Kreuzweg in Sachen Technik: Der Altmeister zerlegte das Stück komplett, erneuerte viele Kondensatoren und Lötstellen, setzte den Skalenantrieb neu in Gang und wechselte sogar das magische Auge aus. Von der Grundreinigung in alle Ecken ganz zu schweigen. Auch ein abgebrochenes Holzstück des Furniers ließ er von einem Schreiner ersetzen. Selbst das System des Tonabnehmers am Plattenspieler konnte nach einem Zeitungsaufruf von Pfeiffer wieder eingebaut werden. 20 Stunden war er am werkeln. Am 1. Weihnachtstag dann der große Moment: Im Wohnzimmer wird eine Weihnachtsplatte von Peter Schreier aufgelegt. Pfeiffer setzt den Plattenspieler in Gang. Ein bewegender Moment, als das „Oh du fröhliche“ erklingt. In einem besonderen Klangvolumen, das jede CD übertrumpft. Als ob es der große Sänger in Dresden noch mitbekommen hätte.

Die traurige Nachricht dann nach den Feiertagen in allen Medien: Peter Schreier ist am 2. Weihnachtstag gestorben. „Wir wollten das Gerät jetzt unbedingt haben“, unterstreicht es der jetzige Käufer aus Rottenbuch. Noch am Vormittag versuchte das Ehepaar, sich beim Verkäufer zu melden. Fehlanzeige. Erst in den Nachtstunden klappte es. Als das Rottenbucher Ehepaar dann auch noch 1000 Euro als Spendensumme nannte, war Pfeiffer geplättet. Er ist es dann auch, der in Rottenbuch die Weihnachtsplatte von Schreier auflegt und das Gerät in allen Klangstärken vorführt. Der Rottenbucher Käufer und Spender, selbst Handwerker, weiß zu schätzen, was 20 Meisterstunden bedeuten. Vor allem, weil Pfeiffers Ehefrau in dieser Zeit auf ihren Gatten verzichten musste. Und so lädt der neue Radiobesitzer die beiden Pfeiffers zu einem Festessen ein. Eine noble Geste.

Hans-Helmut Herold

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