Sie durften als Erste testen: Der 94-jährige Sebastian Speer (l.) und Ulrich Strauß (85) im neuen Fahrstuhl des Rottenbucher Rathauses.
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Sie durften als Erste testen: Der 94-jährige Sebastian Speer (l.) und Ulrich Strauß (85) im neuen Fahrstuhl des Rottenbucher Rathauses.

Gläserner Anbau verbindet die drei Stockwerke – Kosten belaufen sich auf rund 75 000 Euro

Fahrstuhl im Rottenbucher Rathaus eingeweiht

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Das Rottenbucher Rathaus strotzt nur so vor Geschichte. Im Gebäude am Klosterhof wurde der Charme des Vergangenen bewahrt. Das zu den schützenswerten Mauern durchaus auch moderne Züge passen, zeigt die neueste Veränderung: Das Rathaus hat einen gläsernen Anbau bekommen: In diesem bringt nun ein Fahrstuhl Besucher in alle drei Etagen. Zur Einweihung lud Bürgermeister Markus Bader zwei Ehrengäste ein, die gleich mal Probefahren durften:

Rottenbuch - Ulrich Strauß (85) und Sebastian Speer (94).

Ihr Urteil war eindeutig: „Sehr gut“, fand Speer den Ausflug ins obere Stockwerk, in dem er auch gleich die Ausstellung des Veteranenvereins besuchen konnte. Der Einbau „war ein guter Einfall“, bestätigte auch Strauß.

Bevor die beiden einsteigen durften, hatte Pfarrer Josef Fegg den Neubau geweiht – es war das erste Mal, dass er das bei einem Fahrstuhl tat. Zudem sprach Bürgermeister Markus Bader in der kleinen Runde – wegen der Corona-Pandemie wurden nur einzelne Vertreter der Baufirmen und kaum Ehrengäste eingeladen – über die Hintergründe. Und er hob jenen Mann hervor, dem alles zu verdanken sei: Vize-Bürgermeister Vitus Gansler (Schönberger Wählergemeinschaft). „Er ist der wichtigste Mann“, sagte Bader. „Er hat den Einbau angeregt und umgesetzt.“

Die Idee habe es zwar schon seit dem Rathaus-Umbau Anfang der 2000er Jahre gegeben, „doch damals war die Technik noch nicht so weit“, sagte Bader – das alte Gebäude hätte zu stark umgebaut werden müssen. Damit geriet das Ganze in Vergessenheit. Bis Gansler 2018 erneut anregte, das Gebäude barrierefrei zu gestalten. 2019 stellte die Gemeinde den Antrag auf Förderung, im April 2020 folgte der Bauantrag, im November startete der Anbau. Dabei wurde versucht, möglichst wenig der bestehenden Struktur zu verändern. Die heutigen Fahrstuhltüren waren zuvor Fenster. Die historischen Stürze wurden erhalten, die Wände an das restliche Gebäude angepasst. „Damit es so aussieht, als wäre es schon immer so gewesen, dafür braucht es gute Handwerker“, sagte Bader beim Blick zum Fahrstuhl. „Wie akkurat es sich jetzt einfügt, das ist eine Schau.“

Der Anbau ans Gebäude hat freilich auch seinen Preis. Ursprünglich wurde mit Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro gerechnet. Noch ist die Abrechnung nicht abgeschlossen. Sicher ist bereits, dass der Lift mit rund 50 000 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommen die Einbauarbeiten, die rund 25 000 Euro betragen. Damit ist der Fahrstuhl deutlich günstiger als gedacht.

Allein muss die Gemeinde die Kosten nicht stemmen. 60 Prozent Förderung wurden gewährt – für einen Umbau im Rathaus eine Besonderheit. Der wird normalerweise nicht von anderer Stelle unterstützt. Da im oberen Stockwerk aber neben Gemeinderatssitzungen auch Veranstaltungen stattfinden und die Ausstellung der Veteranen zu sehen ist, gab’s dann doch die Zusage. „Ohne Förderung hätten wir den Einbau auch nicht gemacht“, gab Bader zu.

Der erzählte zum Abschluss noch so manche Geschichte von der Vor-Fahrstuhl-Zeit. Eine Traurige, vom Opa, der die Hochzeit seines Enkelkindes im Auto verpasste, weil er die Treppen im Rathaus nicht schaffte – und niemand vor der Trauung Bescheid gab.

Und von den gewieften jungen Leuten, die einst ein Holzbrett samt Schulterriemen mitbrachten, auf denen sie einen Hochzeitsgast die Stufen hochhievten. „Die hatten Pfiffigkeit und Schmalz“, erzählte Bader schmunzelnd. Künftig braucht’s das nicht mehr, um im Rathaus das Stockwerk zu wechseln. Ein Knopfdruck reicht.  

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