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Sanierungsbedürftig: Die ehemaligen Wohnräume im ersten Stock sind bis auf die Grundmauern entkernt.
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Die große Gewölbehalle im Südflügel: Deutlich zu erkennen sind die begonnenen Ertüchtigungsmaßnahmen.
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Den Einsturz des Mittelbaus 1980 hat Klaus Rohleder vom Küchenfenster aus hautnah miterlebt. Hier sollte nach den Plänen der Gemeinde eine neue Turnhalle entstehen.
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Viel Platz bietet der Raum über den früheren Stallungen. Der Dachstuhl wurde im Rahmen der Teilsanierung komplett erneuert. Fotos (5): Peters
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Zeitreise: Das ehemalige WC im Erdgeschoss des Südflügels ist bei den Sanierungsarbeiten außen vor geblieben.
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Die mächtige Vierflügelanlage aus der Vogelperspektive: Der östliche Südflügel (links) ist der älteste Teil. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der übrige Gebäudekomplex geht auf die Neugestaltung des Klosters im 18. Jahrhundert zurück. 1965 wurde der Nordflügel an die Don Bosco Schwestern verkauft, teilabgerissen und durch Neubauten ersetzt. Der Westflügel (oben) wird heute von einem Autohaus genutzt. 

Supersuche

Rottenbucher Fohlenhof: Ein Denkmal im Winterschlaf

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Seit Jahrhunderten prägt der Fohlenhof in Rottenbuch das Ortsbild des Klosterdorfs. Doch die einst herrschaftliche Anlage hat schon bessere Tage gesehen. Schon lange träumen die Rottenbucher deshalb von einer Wiederbelebung des brachliegenden Areals – bislang vergebens. Eine Spurensuche.

Rottenbuch – Es ist bitterkalt an diesem Wintertag, als Klaus Rohleder die schwere Holztür aufsperrt, die ins Innere des Südflügels führt. „Nicht erschrecken“, warnt der Rottenbucher die kleine Besuchergruppe vor. „Das ist alles mehr oder weniger Rohbau.“ Tatsächlich lässt sich im Inneren nur erahnen, dass dieser Trakt des Fohlenhofs noch bis Mitte der 1990er Jahre bewohnt war. Nicht nur die Rohleders lebten einst hier, sondern auch die von Heerens – ein Name, der untrennbar mit dem Fohlenhof verbunden ist.

Denn 1886 hatte die Familie von Heeren die Vierflügelanlage erworben, deren ältester Teil aus dem 15. Jahrhundert stammt und erst vom Augustiner-Chorherrenstift als Meierhof und nach der Säkularisation als Remontenhof genutzt worden war. Von letzterem rührt auch der heute gebräuchliche Name der Anlage. Noch bis 1956 wurde der landwirtschaftliche Betrieb aufrechterhalten. Heute stehen die denkmalgeschützten Gebäude bis auf den westlichen Teil an der Bundesstraße, der von einem Autohaus genutzt wird, leer.

Fohlenhof in Rottenbuch: Immer wieder Versuche, Anlage mit neuem Leben zu füllen

Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Versuche gegeben, die dorfprägende Anlage mit neuem Leben zu füllen. In den 1990er Jahren sei mit der Sanierung begonnen worden, doch wegen Problemen mit dem Denkmalschutz hätten die Arbeiten damals eingestellt werden müssen, sagt Rohleder. Zum Glück, wie nicht nur er, sondern auch Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer beim Rundgang durch das Gebäude heute finden. Denn sonst wäre wohl noch mehr der historischen Bausubstanz unrettbar verloren gegangen.

Die Spuren, die die Handwerker hinterlassen haben, sie sind nicht zu übersehen. Die einstigen Wohnungen wurden bis auf die Grundmauern komplett entkernt, nur ein kleines Badezimmer mit Blümchentapeten ist verschont geblieben. Während die Räume im Erdgeschoss zumindest teilweise hergerichtet und in den vergangenen Jahren für Kunstausstellungen genutzt wurden, türmt sich im ersten Stock der Schutt in den Zimmern.

Direkt an die früheren Wohnräume schließt sich im Erdgeschoss eine große Halle an, in der einst die Stallungen der Pferde und später die Fahrzeuge eines Fuhrunternehmens Platz fanden. Sofort fallen die geziegelten Stützpfeiler auf, welche die beeindruckenden Rundbögen stützen und wie die rote Ziegelwände und die Betonfundamente so gar nicht zum historischen Bestand passen wollen. Aus Statikgründen seien die originalen Sandsäulen bei der Sanierung ersetzt worden, erklärt Rohleder. Diese lagern immerhin eine Halle weiter, sind nicht verloren, wie Schmidbauer später erleichtert feststellt.

Fohlenhof in Rottenbuch: Heimatpfleger sieht unglaubliches Potential

Rohleder zeigt auf die beiden alten Holztore, die die Halle mit dem Innenhof verbinden. Groß genug für Bauhoffahrzeuge, ja vielleicht sogar für die Feuerwehr, meint er und erntet zustimmendes Nicken von Armin Heigl und Michael Krisam. Solche Visionen sind Wasser auf den Mühlen der beiden Rottenbucher, die sich an diesem Tag der Besuchergruppe angeschlossen haben. Wie Rohleder haben sie die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass sich die Gemeinde des brach liegenden Fohlenhofs annimmt, ihn mit neuem Leben füllt, statt auf der grünen Wiese am ehemaligen Gärtnerei-Gelände einen Supermarkt sowie neue Domizile für Feuerwehr und Bauhof zu bauen. „Da wären nicht nur wir, sondern viele Rottenbucher sehr glücklich drüber“, betont Heigl. Auch Helmut Schmidbauer sieht in dem historischen Anwesen „unglaubliches Potenzial“ für die Gemeinde.

Das will Bürgermeister Markus Bader gar nicht abstreiten. Der Fohlenhof liege jedem Rottenbucher am Herzen, betont er. Nicht umsonst habe sich die Gemeinde lange um den Kauf bemüht. Auch erste Überlegungen für die Nutzung gab es laut Bader bereits, wenngleich nicht für Bauhof und Feuerwehr. „Das funktioniert im historischen Bestand einfach nicht.“ Anstelle des 1980 eingestürzten Mittelbaus wäre Platz gewesen für den Bau einer neuen Turnhalle. „Die Grundidee war, dass wir einen Drittel als Gemeinde nutzen und für den Rest einen Investor suchen.“ Auch so wäre der finanzielle Aufwand trotz der zu erwartenden Fördergelder enorm gewesen, hätte die Gemeinde auf Jahre hinaus stark belastet, betont Bader. „Aber wir wären dazu bereit gewesen.“ Nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen mit dem in Spanien lebenden Besitzer sei der Erwerb jedoch Ende 2016 an den unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Seitdem habe es in dieser Sache auch keinen Kontakt mehr gegeben, erklärt Bader den aktuellen Stand. Das bestätigt auf Nachfrage auch der Sohn des Eigentümers, Franz von Heeren. Wie weit Angebot und Preisvorstellung am Ende auseinanderlagen, wollen beide Parteien nicht verraten. Die immer wieder kolportierte Summe von 800 000 Euro bezieht sich laut dem Rathauschef allein auf einen angenommenen durchschnittlichen Wert der 2100 Quadratmeter bebauten und rund 6700 Quadratmeter unbebauten Fläche. Streit habe es aber keinen gegeben, betonen beide. Man sei nach wie vor für Gespräche mit der Gemeinde offen, so von Heeren.

Dass man allerdings bald wieder gemeinsam an einem Tisch sitzt, ist unwahrscheinlich. Mit dem Erwerb des Gärtnereigeländes habe die Gemeinde nach dem gescheiterten Fohlenhof-Kauf einen anderen Weg eingeschlagen, den man jetzt verfolge, sagt Bader. Ein Ende des Winterschlafs, er ist für den alten Gutshof vorerst nicht in Sicht. 

Hotel, Lehrstuhl, Wohnungen und der Traum von einer Brauerei: Die bisherigen Pläne für den Fohlenhof in Rottenbuch

Ideen für eine Wiederbelebung des Fohlenhofs gab es schon vor den Kaufabsichten der Gemeinde. Im Gespräch sei etwa die Nutzung als Hotel gewesen, erinnert sich Klaus Rohleder. Doch die Steigenberger-Gruppe, die damals Interesse bekundet hatte, habe sich dann doch dagegen entschieden.

Die Technische Universität München hatte Anfang der 2000er Jahre ebenfalls ihre Fühler nach dem Fohlenhof ausgestreckt, um dort laut Bader einen Lehrstuhl für Ernährungswissenschaften zu verwirklichen. „Das wäre super gewesen, aber ist wegen der Staatsreform leider nicht zustande gekommen.“Auch Konzepte für den Umbau zu Wohnungen habe es gegeben, weiß der Bürgermeister. „Aber das ist eine Frage des Preises.“ Gerade ein kleinteiliger Umbau der großen Flächen sei sehr teuer.

Deutlich geeigneter wären die Räume seiner Meinung nach beispielsweise für eine Brauerei, wie sie schon einmal im Gespräch war. „Mit Biergarten zum Maibaum, das wäre eine super Geschichte.“ Sollte sich ein Investor finden, werde die Gemeinde ihn nach Kräften unterstützen.

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