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Glühender Fan des Märchenkönigs: Auf die König-Ludwig-Suite im Hotel ist Hans Gruber sehr stolz. Vor dem Haus hat er auch ein Beton-Modell von Schloss Neuschwanstein errichten lassen.

Hans Gruber verkauft die Moosbeck-Alm 

Hans Gruber verkauft die Moosbeck-Alm:  „Vertreibung aus dem Paradies“

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1,7 Millionen Euro möchte Hans Gruber für die Moosbeck-Alm haben. Der 72-Jährige trennt sich schweren Herzens von seinem Wellness-Hotel im Rottenbucher Ortsteil Moos. In dem idyllisch gelegenen Haus und im Garten hat der Hotelier sein Verständnis von Freiheit verwirklicht. Jetzt verlieren vor allem Männer einen lieb gewordenen Rückzugsort im Pfaffenwinkel. Auch der Hotelchef ist traurig.

Rottenbuch Ärger und Streit mit der Gemeinde haben dem 72-Jährigen schwer zugesetzt. Es ging um Genehmigungen und Bauüberschreitungen. Jahrelang kämpfte Gruber um sein Recht. Seiner Gesundheit hat er damit keinen Gefallen getan, er kann von Glück reden, dass er noch lebt: Einem Bandscheibenvorfall folgten mehrere Herzinfarkte, die Ärzte legten dem 72-Jährigen drei Bypässe. Es ist allerhöchste Zeit für Gruber, die Arbeit hinter sich zu lassen. Auch, wenn es ihm unendlich schwerfällt, sein Traumhaus in Moos aufzugeben.

Stattliches Anwesen: 21 Komfortzimmer hat die Moosbeck-Alm, das Grundstück ist 16 000 Quadratmeter groß.

Es ist nicht viel los an diesem Freitagvormittag in der Moosbeck-Alm. Das Frühstücksgeschirr der Geschäftsreisenden, die letzte Nacht zu Gast waren, steht noch auf den Tischen im Wintergarten. Gruber holt zwei Fotobücher vom Tisch am Eingang und zeigt sie stolz. Zu sehen sind darin Silvesterpartys der vergangenen Jahre: Ausschließlich Männer feiern auf den Bildern ausgelassen den Jahreswechsel und wirken sehr glücklich dabei. „Das Haus ist für Silvester immer schon ein halbes Jahr vorher ausgebucht“, freut sich der Hotel-Chef.

Der Wahl-Rottenbuchener kommt aus der bekannten Hoteliers-Familie Gruber, die das Traditions-Gasthaus Dragoner in Peiting betreibt. Auch der junge Hans hatte damals nach der Schule eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. Doch sein Weg führte weg von Peiting.

Lange bevor er sich 1979 den Traum vom eigenen Hotel mit Wellness-Oase im Keller und FKK-Bereich im Garten erfüllte, war Gruber um die halbe Welt gereist. In Peiting fuhr er mit dem VW-Bus los und kam glatt bis nach Indien. In dem Land war es Anfang der 1970er Jahre alles andere als sicher, es herrschte Ausnahmezustand. Bei Unruhen kamen deutsche Touristen ums Leben, berichteten damals die Medien. Und weil lange kein Lebenszeichen von Gruber nach Peiting vordrang, rechneten alle damit, dass auch er tot war. „Die haben vielleicht geschaut, als ich wieder von den Toten auferstanden bin“, erinnert sich der 72-Jährige und lacht.

Ins Schwärmen gerät Gruber regelrecht, wenn er von seiner Zeit auf Mykonos erzählt. Die griechische Insel ist im Wellnessbereich der Moosbeck-Alm noch heute allgegenwärtig: Ein Wandgemälde zeigt Gruber, wie er nackt auf einem Felsen sitzt und verträumt ans Ufer blickt. „Ich bin verzaubert, dafür kann ich nichts“, sagt der 72-Jährige. Er meint damit, dass ihm Männer näherstehen als Frauen. In Griechenland berichtete damals ein Freund von der Schönheit des König-Ludwig-Wegs, der an Rottenbuch vorbeiführt. Gruber schaute sich die Gegend an und war entzückt. Er entdeckte die Moosbeck-Alm. Sie stand zum Verkauf, er schlug sofort zu.

An dem nötigen Geld mangelte es Gruber damals wie heute nicht. Aber der Hotelier hielt es zusammen: „Ich habe nie Schulden gemacht und jeden verdienten Euro investiert.“ Mit den Investitionen hatte Gruber zuletzt jedoch seine liebe Mühe. Über Jahre stritt sich der 72-Jährige mit der Gemeinde Rottenbuch um diverse Hotel-Erweiterungen. Erbittert ging es vor allem 2010 beim Bau eines Appartementhauses zur Sache: Das Gebäude fiel etwas größer aus als geplant. Der Gemeinderat war sauer und sorgte dafür, dass der Bau eingestellt wurde. Der lange Streit schien ein Fall fürs Verwaltungsgericht. Doch bevor es soweit kam, genehmigte das Landratsamt 2012 das Haus und ersetzte das gemeindliche Einvernehmen. Gruber musste im Gegenzug den Aufwand tragen: 11 000 Euro. „Der Ärger und die Kosten waren unnötig“, sagte er schon damals den Schongauer Nachrichten. „Das Geld hätte ich lieber für soziale Zwecke gegeben.“

Frieden wollte nicht einkehren

Frieden kehrte auch nach der Baugenehmigung nicht ein. Im Gegenteil: Gruber stritt sich weiter mit dem Nachbarn, und im Ort wurden geschmacklose Witze gerissen. Dass Gays in dem Hotel ein- und ausgehen, damit kamen im Ort offenbar nicht alle klar. Nachts rissen sogar Chaoten die Hinweisschilder zum Hotel an der Straße samt der Beleuchtung um.

Selbstporträt: Das Wandgemälde im Wellness-Bereich zeigt Hans Gruber in jungen Jahren auf der Insel Mykonos.

Einschüchtern ließ sich Gruber aber nie. Es ist ihm wichtig, dass sich in der Moosbeck-Alm niemand wegen seiner Neigungen verstecken muss. „Wir sind ein Gay-freundliches Haus, ich bin ein Freiheitskämpfer für diese Leute“, macht er klar. Und den Widerstand im Ort will Gruber ohnehin nicht nur an den Gays festmachen: „Es kam auch der Neid dazu“, meint er.

Die Lust und vor allem die Kraft, weiter zu bauen, war dem 72-Jährigen dennoch abhandengekommen. Das Appartementhaus steht noch so da wie vor fünf Jahren: im Rohbau. Und auch im Dachgeschoss des Hotels warten noch Gästezimmer auf ihren Ausbau. Gruber wird das nicht mehr machen: „Ich suche einen Käufer, der ein kleines Paradies sucht“, preist er sein Reich an und fügt traurig hinzu: „Für mich ist es eine Vertreibung aus dem Paradies.“ Am liebsten wäre es ihm, ein Investor käme und ließe Gruber ein Appartement im Haus; als Zweitwohnsitz. Seinen Lebensmittelpunkt will der 72-Jährige nach dem Verkauf nach Tirol in Österreich verlegen.

Die Moosbeck-Alm ist kein reines Gay-Hotel. Hans Gruber begrüßt auch Familien, die Urlaub im Pfaffenwinkel machen oder auf der Durchreise sind. Zur Verfügung stehen insgesamt21 Komfortzimmer, davon drei Suiten: Die König-Ludwig- und die Sisi-Suite sowie die Luitpold-Suite. Im Erdgeschoss des Hauses erwarten die Gäste zwei Restaurants mit insgesamt 70 Plätzen sowie ein neu gebauter toskanischer Wintergarten mit weiteren 70 Plätzen. Hinzu kommt auch noch eine Gartenterrasse davor. Ein beheizbares Außenschwimmbecken, eine nicht einsehbare Liegewiese und ein Blockhaus sind weitere Attraktionen. Keine Wünsche offen lassen nach Meinung des Anbieters auch derWellnessbereich mit Sauna, Dampfsauna sowie Solarium und Fitnessgeräte. Hübsch anzusehen ist überdies ein Nachbau von Schloss Neuschwanstein, den Gruber im Außenbereich errichtet hat. Das noch nicht fertiggestellte Appartement-Haus ist nicht im Preis von 1,7 Millionen Euro inbegriffen, es kann aber zusätzlich gekauft werden. Die Gesamtfläche des Grundstücks wird mit 16 000 Quadratmeter beziffert.

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