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In vollem Tempo führten Franz Reßle junior und seine Frau Antonia Stute und Fohlen durch den Ring.

Kaltblutfohlenmarkt in Rottenbuch

2300 Euro für den Dunkelfuchs

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Er ist ein Stück gelebten Brauchtums und zieht jedes Jahr Besucher aus ganz Deutschland an: der Fohlenmarkt in Rottenbuch. Am Freitag kamen wieder rund 100 junge Kaltblüter unter den Hammer. Tausende Zuschauer verfolgten das Spektakel.

Rottenbuch – Es ist kurz nach 9 Uhr, als das erste Fohlen nervös den abgesteckten Ring auf der Wiese vor dem Rottenbucher Fohlenhof betritt. Brav trottet es hinter seiner Mutterstute her, die von ihrem Besitzer geführt wird. Noch ist die Zahl der Zuschauer, die sich um das große Rund versammelt haben, überschaubar. Über den Platz schallt die Stimme von Hans Schiller, 2. Vorsitzender des ausrichtenden Pferdezuchtverbands Oberbayern. Der Moderator stimmt die Besucher auf die kommenden Stunden ein. Immer wieder richtet sich manch Blick sorgenvoll nach oben, wo dunkle Wolken den Himmel bedecken. Erinnerungen an die Veranstaltung vor einem Jahr werden wach, als der Fohlenmarkt förmlich im Regen versank. „Seitdem erschüttert mich nichts mehr“, sagt Florian Schelle und lacht. Der Vorsitzende des Pferdezuchtverbands verfolgt gut gelaunt, wie das erste Fohlen den Ring verlässt. Rund hundert weitere werden in den nächsten drei Stunden auf die Showbühne geführt. Eines nach dem anderen muss sich vor der Jury beweisen.

Entscheidendes Geschäft für die Besitzer

Was für die Zuschauer amüsant aussieht, wenn die jungen Kaltblüter durch den Ring toben und dabei schon einmal die Orientierung verlieren, ist für ihre Besitzer entscheidend fürs Geschäft. Nur wer bei der Präsentation eine gute Figur macht, bekommt das höchste Prädikat Rosette verliehen und hat damit die besten Chancen, bei der Auktion einen guten Preis zu erzielen. Viele Züchter, die heute ihre Fohlen feilbieten, kommen aus der Region. Man kennt sich untereinander, die meisten sind jedes Jahr in Rottenbuch vertreten. Zu ihnen gehört die Familie Reßle aus Schongau. Seit 1980 widmet sie sich der Aufzucht von Kaltblütern, intensiv betreibe man die Zucht seit 20 Jahren, sagt Franz Reßle junior. Er, seine Frau Antonia und sein Vater Franz sind dieses Jahr gleich mit drei Hengstfohlen vertreten, viel Aufwand, der sich lohnen soll. „Ein bisschen angespannt bin ich schon“, verrät Reßle, ehe es mit dem ersten Fohlen in den Ring geht.

Im Laufschritt führt der Schongauer die Stute im Kreis an den Juroren vorbei, seine Frau treibt das Fohlen von hinten an. Dann ist es geschafft. Die Wertung: Rosette. Reßle ist zufrieden. Auch sein nächstes Fohlen bekommt die begehrte Auszeichnung, für das dritte reicht es hingegen nur zu Wertungsklasse I. Ob sich die guten Noten auch später bei der Versteigerung auszahlen, wird sich zeigen. Natürlich habe man einen Preis im Kopf, erklärt der Schongauer.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten in Rottenbuch die Präsentation der Kaltblutfohlen. Auch von den Besitzern - hier Corinna Niggl - war voller Einsatz gefragt.

Auch Corinna Niggl hat sich ein Ziel gesetzt. 1000 Euro will die Premerin für jedes ihrer beiden Fohlen, ein Hengst- und ein Stutfohlen, bekommen. „Am wichtigsten aber ist mir, dass sie in gute Hände kommen.“ Zum ersten Mal seit 15 Jahren nehmen die Niggls wieder an der Auktion teil. Mit zwei Fohlen lohne sich der Aufwand, sagt Niggl. Verkaufen will sie heute auf alle Fälle – auch wenn der Preis nicht den Erwartungen entspricht.

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Auktionator Michael Walser in seinem Element.

Das sieht freilich nicht jeder so. Georg Mayr aus Rottenbuch nimmt heuer zum ersten Mal teil und hat eine feste Vorstellung für sein Rappstutfohlen. „Der Preis muss passen und der Platz, wo es hingeht.“ Stimme beides nicht, nehme er das Tier lieber wieder mit, sagt er. Doch soweit kommt es nicht. Um kurz nach 12 Uhr ergreift Auktionator Michael Walser das Mikrofon und eröffnet die Versteigerung. Nachdem sich zwischenzeitlich sogar die Sonne gezeigt hatte, regnet es jetzt in Strömen. Doch Walser lässt sich davon nicht beirren. In gewohnt halsbrecherischem Tempo treibt er den Preis nach oben und bringt Fohlen um Fohlen an den Mann oder die Frau. Mayrs Rappstutfohlen wechselt für 1860 Euro den Besitzer, was Walser doppelt freut. „ Ich bin halt a 60er“. Mayr erzielt damit fast den Bestpreis. Nach drei Stunden Auktion erlöst nur das Rappstutfohlen des Halblechers Georg Lang mehr (1900 Euro). Bei den Hengstfohlen macht der Dunkelfuchs mit hellem Langhaar von Martin Mair aus Sindelsdorf das Rennen. Für ihn werden 2300 Euro bezahlt. Im Schnitt erlösen die 31 verkauften Stutfohlen 1200 Euro, die 60 Hengstfohlen 1019 Euro.

Schelle ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich wünsche mir, dass auch in 50 Jahren die Leute noch zum Fohlenmarkt nach Rottenbuch kommen.“ Dem hat Bürgermeister Markus Bader nichts hinzuzufügen. Er richtet stattdessen seinen Dank an alle, die die Veranstaltung möglich gemacht haben. Was Musik- und Trachtenverein hier leisten, sei eine „wunderbare Geschichte.“

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