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Mit Volldampf führte Simon Sprenzel aus Bernbeuren Stute und Fohlen durch den Ring.

Kaltblutfohlenmarkt in Rottenbuch

Fohlenschau bei strömendem Regen

Der traditionelle Rottenbucher Fohlenmarkt war heuer eine feuchte Angelegenheit. Doch rund 2000 Besucher ließen sich ihre Laune durch den Regen nicht vermiesen.

Rottenbuch – Tanja ist aufgeregt. Unruhig tänzelt die Stute auf der Stelle, wirft den Kopf hin und her. August Schwaller versucht, das große Kaltblut und sein rund vier Monate altes Stutfohlen zu beruhigen. Der Regen rinnt in Strömen von seinem Hut, das Wetter will an diesem Freitag so gar nicht zu Rottenbuchs „höchstem Feiertag“, wie Bürgermeister Bader den traditionellen Kaltblutfohlenmarkt stolz nennt, passen. Es gießt aus vollen Kübeln, die Besucher suchen ihr Heil unter einer bunten Armada aus Regenschirmen.

Die nasse Witterung allerdings ist nicht der Grund für Tanjas Nervosität. „Den Pferden macht das Wetter nichts“, weiß Schwaller. „Sie ist deshalb so aufgeregt, weil sie zurück zu den Ihren will.“ Denn der Böbinger und seine Frau Anne-Kathrin haben noch zwei weitere Stuten samt Nachwuchs dabei, den sie beim größten Kaltblutfohlenmarkt Deutschlands meistbietend verkaufen wollen.

Die Veranstaltung Anfang September im Klosterdorf hat längst ihren festen Platz im Kalender der Pferde-Kenner. Viele Käufer kommen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland angereist, weiß Florian Schelle, Vorsitzender des ausrichtenden Pferdezuchtverbands Oberbayern. Das große Interesse an den süddeutschen Kaltblütern erklärt er mit den guten Eigenschaften, die die Tiere mitbrächten. „Es sind Pferde für alle Fälle, die ihre Besitzer nie hängen lassen.“

Dann wird es das erste Mal ernst für Schwallers Fohlen und dessen Mutter. Hinein geht es in den abgesteckten Ring, der als Showbühne dient. Die junge Fuchs-Dame muss sich vor der dreiköpfigen Jury beweisen. Rund 100 Kaltblutfohlen werden an diesem Vormittag nacheinander begutachtet und in drei Wertklassen für die anschließende Auktion eingeteilt. Schwaller führt die Stute im Laufschritt im Kreis herum, das Jungtier springt brav hinterher. Erscheinungsbild, Wuchs, Größe, Kopfausdruck, Beine und Gang: Die Bewertungskriterien sind vielfältig. Wer in allen vor den Augen der Wertungsrichter besteht, wird mit dem höchsten Prädikat Rosette ausgezeichnet. Für Schwallers erstes Stutfohlen reicht es an diesem Tag mit Wertklasse I für einen mittlere Wertung. „Sie hat leider ihren guten Schritt nicht gezeigt“, bedauert ihr Besitzer. Besser läuft es später für Schwallers zweites Stutfohlen: Es erhält die begehrte Rosette.

Damit schmücken darf sich auch die junge Pferdedame mit der Nummer 30. „Sie hat sich gut präsentiert“, freut sich ihr Besitzer Johann Sprenzel, nachdem sein Sohn Simon und seine Tochter Carolin Fohlen und Stute durchs Rund geführt haben. Wie Schwaller ist auch der Bernbeurer ein alter Hase im Zuchtgeschäft und regelmäßig in Rottenbuch mit von der Partie. 1983 bei seiner Premiere habe er auf Anhieb den Tagesbestpreis für sein Fohlen erzielt, erinnert er sich – bei ähnlich bescheidenem Wetter. Ein gutes Omen auch diesmal? Zwischen 1200 und 1500 Euro hat sich Sprenzel als Minimalziel gesetzt. „Ab da lohnt es sich als Züchter.“

Der Höhepunkt des Tages für die rund 2000 Besucher und Pferdebesitzer beginnt um kurz nach 12 Uhr. Der langjährige Auktionator Michael Walser ergreift das Mikrofon und startet mit der ersten Versteigerung des Tages. In 20 Euro-Schritten treibt er den Preis in atemberaubendem Tempo nach oben, bis ein Höchstbietender gefunden ist. Nach rund drei Stunden steht fest, wer in diesem Jahr den Bestpreis verbuchen kann: Es ist der Dießener Josef Steinle. Satte 3200 Euro ist sein Dunkelfuchs-Hengstfohlen mit hellem Langhaar dem Käufer wert. Bei den Stutfohlen erzielt Josef Eurisch aus Bernbeuren das höchste Ergebnis (2100 Euro). Im Schnitt werden für die 35 versteigerten Stutfohlen 1097 Euro bezahlt, für die 49 Hengstfohlen 1111 Euro.

„Wir haben heute wieder hervorragende Qualität gesehen“, zieht Schelle ein zufriedenes Fazit. „Wenn ich außerdem sehe, wie viele junge Leute mitgelaufen sind, ist mir um die Zukunft der Pferdezucht nicht bang.“ Am Ende spielte auch das schlechte Wetter keine Rolle mehr: Im Festzelt, in dem die Rottenbucher Musikkappelle aufspielte, fand jeder Besucher ein trockenes Plätzchen.

VonChristoph Peters

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