Im Baugebiet „Klosterblick“ soll das Mehrfamilienhaus entstehen. Das Grundstück ist rot markiert.
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Im Baugebiet „Klosterblick“ soll das Mehrfamilienhaus entstehen. Das Grundstück ist rot markiert.

Am Klosterblick

Familie will in Rottenbuch bauen, doch Gemeinde nutzt Fläche selbst: Vater verärgert

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Familie Braun möchte in Rottenbuch ein Haus bauen. Doch sie bekam kein Grundstück am Klosterblick – dort baut die Gemeinde stattdessen selbst. Zum Ärger des Familienvaters.

Rottenbuch – Als Patrick Braun im vergangenen Jahr die Anzeige im Mitteilungsblatt der Gemeinde Rottenbuch las, war er gleich angetan: Da wurde ein Käufer für einen Bauplatz für eine Doppelhaushälfte gesucht. Der 38-Jährige, der mit Frau und Kindern seit Mitte 2020 im Ort lebt, meldete sich dafür. Wie ein paar andere auch. Keiner von ihnen wird das Grundstück am Klosterblick bebauen. Die Gemeinde entschied sich für einen anderen Weg: Sie will auf jenem und dem benachbarten Grundstück selbst ein Mehrfamilienhaus mit vier bis sechs Wohnungen errichten.

Braun hat das aus der Zeitung erfahren. Und ist mächtig verärgert. Nicht nur, weil ihm ein Bauplatz verwehrt geblieben ist, sondern auch, weil sich obendrein das Baukindergeld erledigt hat – das konnte nur bis März dieses Jahres beantragt werden. „Wir haben extra dazu geschrieben, dass wir das gern in Anspruch nehmen würden und eine zeitnahe Entscheidung brauchen“, sagt der Berufssoldat, der mit seiner Familie zuletzt sechs Jahre in den USA gelebt hat. „Aber wir wurden immer vertröstet und abgeblockt.“

Bauplatz verwehrt: Rottenbucher ärgert sich über einen bestimmten Satz

Dabei will sich Braun unbedingt in der Gemeinde fest niederlassen. Für ihn ist die Region beruflich von Vorteil: „Die Dichte an Kasernen ist sehr gut.“ Und auch privat hat die Familie Fuß gefasst. Eines seiner Kinder besucht den Kindergarten, ein anderes die Grundschule, das Kleinste ist noch ein Baby. Sie alle fühlen sich wohl. „Es ist eine schöne Gegend, wir sind hier gut angekommen.“

Da frag ich mich, wenn wir, ich als Bundesbeamter mit drei kleinen Kindern, nicht die ,richtigen Bewerber‘ sind, wer erfüllt diese Kriterien dann?

Patrick Braun, wollte in Rottenbuch bauen

Umso mehr stieß Braun ein Satz im Artikel „Rottenbuch baut Mehrfamilienhaus“, der Ende März in der Heimatzeitung erschien, auf: Bürgermeister Markus Bader wurde mit den Worten zitiert, es habe nicht die „richtigen Bewerber“ für den Bauplatz gegeben. „Da frag ich mich, wenn wir, ich als Bundesbeamter mit drei kleinen Kindern, nicht die ,richtigen Bewerber‘ sind, wer erfüllt diese Kriterien dann?“, fragt Braun.

Bader ist überzeugt, gegenüber der Presse nicht von den „richtigen Bewerbern“ gesprochen zu haben. Grundsätzlich aber stimme es, dass es Interessenten gegeben habe und keiner den Zuschlag bekam. „Es waren keine Sozialfälle darunter“, sagt der Rathauschef. Also niemand, der in Wohnungsnot war und in den Augen des Gemeinderats den Platz dringend benötigt hätte.

Gemeinde will Bauplätze selbst bebauen

Als dann derjenige, der den Zuschlag für die benachbarte Doppelhaushälfte erhalten hatte, doch nicht dort baute, standen wieder zwei benachbarte Flächen zur Verfügung. Und der Gemeinderat wägte ab, ob er die Bauplätze nicht doch für den geplanten kommunalen Wohnungsbau nutzen sollte. „Wir haben keine Häusernot, sondern eine Wohnungsnot“, sagt der Rathauschef. Deshalb wurde beschlossen, dass die Flächen nicht als Bauplätze an Familien oder Paare vergeben werden, sondern selbst bebaut werden. „Das war eine Grundsatzentscheidung“, sagt Bader. Nicht gegen die Bewerber – sondern für den kommunalen Wohnungsbau.

Wir haben keine Häusernot, sondern eine Wohnungsnot.

Markus Bader, Bürgermeister von Rottenbuch

Ob Braun einen Anspruch nach dem Punktesystem für Einheimischenmodelle in Bayern gehabt hätte, ist unklar. „Wir sind nie in ein Vergabeverfahren eingestiegen“, betont Bader – weil die Gemeinde sich die Möglichkeit für einen eigenen Neubau offen ließ. Denn im Ort fehle es an kleinen Wohnungen, einige Suchende hätten sich an die Gemeinde gewandt. „Wir müssen den sozialen Aspekt berücksichtigen“, sagt Bader. Mit dem Mehrfamilienhaus „kann die Gemeinde viel mehr Feuer löschen und Gutes tun“ als mit zwei Doppelhaushälften oder einem Einfamilienhaus.

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