Es wächst: Im Baugebiet „Klosterblick“ entsteht ein Haus nach dem anderen. Auf der grünen Fläche in der Mitte soll das Mehrfamilienhaus stehen.
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Es wächst: Im Baugebiet „Klosterblick“ entsteht ein Haus nach dem anderen. Auf der grünen Fläche in der Mitte soll das Mehrfamilienhaus stehen.

Baugebiet Klosterblick

Den Bürgermeister schüttelt es: Die Gemeinde will Wohnraum schaffen, aber ein Nachbar fürchtet „Gaffer“

  • Katrin Kleinschmidt
    vonKatrin Kleinschmidt
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Das geplante Mehrfamilienhaus der Gemeinde Rottenbuch kommt bei einigen Nachbarn im „Klosterblick“ gar nicht gut an. Doch ihre Einwände brachten ihnen nichts – außer Widerworte des Gemeinderats. Der kann die Aufregung nicht verstehen.

Rottenbuch – Markus Bader übte sich in Diplomatie. Er könne ja einige Einwände und Nachfragen verstehen, versicherte der Rottenbucher Bürgermeister. Einmal aber, da war’s vorbei mit der Zurückhaltung. „Unterirdisch, da schüttelt’s mich“, sagte er und zuckte zusammen.

Kurz zuvor wurde in der Gemeinderatssitzung eine der Stellungnahmen vorgelesen, die zum Vorhaben im Wohngebiet „Klosterblick“ eingegangen waren. Dort soll statt zwei Doppelhaushälften nun ein Mehrfamilienhaus entstehen. Die Gemeinde will es bauen und Mietwohnungen anbieten. Einer der Anlieger befürchtet in einem Schreiben an die Gemeinde ein „Gaffen von so vielen Nachbarn auf unser Haus und Garten“. Worte, die nicht nur Bader aus der Fassung brachten.

Auch einige Gemeinderatsmitglieder schüttelten mit dem Kopf. Vize-Rathauschef Vitus Gansler motivierte das dazu, seine Nachbarn durchzuzählen. „Ich habe mir noch nie Gedanken gemacht, dass mir einer aufs Grundstück schaut“, sagte der Schönberger. „Nun habe ich mal geschaut. 20 Wohneinheiten können mir zuschauen, wenn ich etwas rund ums Haus mache.“ Für Gaffer hält er die Nachbarn trotzdem nicht.

Stimmung im „Klosterblick“ ist aufgeheizt

Doch nicht nur diese, auch andere vorgetragene Stellungnahmen zeigten, dass die Stimmung im „Klosterblick“ aufgeheizt ist. In dem Neubaugebiet wurden im Rahmen eines Einheimischenmodells Bauplätze für Einzelhäuser und Doppelhaushälften vergeben. Einige der Käufer sind besorgt angesichts der Ankündigung, dass es nun zwei Doppelhaushälften weniger als geplant, dafür aber das Haus mit Mietwohnungen, geben soll.

15 Zuhörer in der Gemeinderatssitzung

Fünf Anwohner schickten Stellungnahmen zum Vorhaben an die Verwaltung, in die Gemeinderatssitzung kamen rund 15 Zuschauer. „Wir würden uns freuen, wenn es öfter so viel Zuspruch gibt“, sagte Bader zur Begrüßung. Bevor er und Geschäftsstellenleiter Stefan Vogt die eingegangenen Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplanes vorlasen, stellte er einige Punkte zum geplanten Mehrfamilienhaus klar.

Es geht um sozialen Wohnungsbau

Zum einen habe sich herumgesprochen, dass es um sozialen Wohnungsbau gehe. „Was wir machen, ist kommunaler Wohnungsbau“, erklärte Bader. Die Gemeinde schaffe also Mietwohnungen, die erschwinglich sein sollen. „Es gibt Leute, die sich ein Haus nicht leisten können. Ganz normale Leute. Eine Friseurin oder ein Pfleger zum Beispiel, ein junges Paar oder Senioren“, erklärte Bader. „Um sie geht’s, um unsere Einheimischen, weil es Wohnungen am freien Markt einfach nicht gibt.“

Abstandsflächen und Höhenvorgaben werden eingehalten

Auch werde der Bebauungsplan für das Mehrfamilienhaus nicht groß geändert. Denn ein solches ist laut den bestehenden Vorgaben möglich – es sei im Plan nämlich von „Einzelhäusern“ die Rede, also von Gebäuden, die frei stehen. Das können sowohl Ein- als auch Mehrfamilienhäuser sein. Obendrein soll sich der anvisierte Bau von der Größe und Form zweier Doppelhaushälften kaum unterscheiden. Abstandsflächen und Höhenvorgaben würden eingehalten, genügend Stellplätze auf dem Grund geschaffen. Da links und rechts bereits die Häuser stehen, werde sich daran orientiert, auch bei der Lage. Eine Zeichnung konnte Bader noch nicht präsentieren – ein Planer wird erst beauftragt.

Gemeinderat möchte fünf bis sechs Wohnungen schaffen

Dass der Gemeinderat den Bebauungsplan ändern muss, habe nur einen Grund: die Anzahl der möglichen Wohnungen. Pro Doppelhaushälfte sind aktuell zwei genehmigt, auf der gewählten Fläche wären also ohnehin vier möglich. Der Gemeinderat möchte aber fünf bis sechs Wohnungen schaffen – je nachdem, was machbar ist. Damit steigt die baurechtlich zulässige Anzahl von Wohneinheiten im „Klosterblick“ von 57 auf 59. Dass deshalb der Verkehr – wie von Anwohnern befürchtet – Überhand nimmt, wies der Gemeinderat ab. Zudem unterliege die Verkehrssituation in Wohngebieten ohnehin einer ständigen Änderung – zum Beispiel dann, wenn in ein paar Jahren die heutigen Kinder der Siedlung selbst den Führerschein machen.

Bei Abstimmung nur eine Gegenstimme

Für das Vorhaben stimmte letztlich fast der ganze Gemeinderat. Einzig Christoph Donderer nicht. Der CSU-Mann befürwortet zwar den kommunalen Wohnungsbau, allerdings nicht auf den letzten verfügbaren Grundstücken eines Einheimischenmodells. Stattdessen brachte er ein Gebäude im Fohlenhof ins Gespräch. Dort allerdings ist aufgrund der zentralen Lage vor allem Wohnraum für Senioren angedacht. Zudem sollen eine Begegnungs- oder Pilgerstätte entstehen. „Da müssen noch ganz viele Ideen abgewogen werden“, sagte Bader. „Da werden viele Jahre ins Land gehen. Wir wollen jetzt Erfolge.“ Und schnell Wohnraum schaffen. „Das ist das erste Projekt. Nicht das letzte.“

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