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Gartenidylle mit Schönheitsfleck: Theresia und Peter Krecu vor dem ausgebrannten Wohnbereich des Englhofs, den sie abreißen wollen. Das Gebäude steht aber unter Denkmalschutz. Den aus der Zeit zwischen 1780 und 1790 stammende Ziergiebel unterm Dach, der das Feuer von 2015 überstanden hatte, wollen sie bei einem Neubau erhalten.  

Denkmalgeschützter Bauernhof

Nach Brand des Englhofs in Rudersau: Abriss wird wohl erlaubt

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Im Rottenbucher Ortsteil Rudersau möchten die Besitzer einen denkmalgeschützten Bauernhof abreißen. Ein Feuer hatte das Wohnhaus verwüstet. Jetzt hat sich das Landratsamt wegen des Antrags gemeldet. Positiv, wie Peter und Theresia Krecu sagen. Doch so einfach ist es mit der Abrissgenehmigung nicht.

Rottenbuch – Seit dem 22. November 2015 steht der alte Englhof in Rudersau unbewohnt da. An jenem Samstagabend war in dem Anwesen aus technischen Gründen ein Brand ausgebrochen. Der Wohnteil war nicht mehr zu retten (wir berichteten). Theresia Krecu (53), ihr Großvater hatte den Hof 1929 erworben, und Peter Krecu (54) sind seitdem auf einer Odyssee durch vier unterschiedliche Gutachten und Stellungnahmen. Denn sie wollen den Wohnbereich abreißen und durch einen Neubau ersetzen. 

Problem: Der Englhof steht als eines der ältesten Häuser in Privatbesitz in Bayern unter Denkmalschutz. Die Ost- und Südwand des Wohnteils ist ein L-förmiger Block aus Holzstämmen, der bis in den 1. Stock reicht – letzte Untersuchungen hatten diesen bis ins Jahr 1438 datiert. Eine Sanierung sei aber nicht mehr möglich, so die Krecus. Sie argumentieren mit der Schadstoffbelastung durch den Rauch, vor allem sei dies bauphysikalisch nicht machbar. Deshalb reichten sie im Dezember 2017 im Rottenbucher Gemeinderat einen Abrissantrag ein. Diesen formalen Schritt wollte das Landratsamt für das weitere Vorgehen. Der Antrag ging einstimmig durch und zur Prüfung an die Kreisbehörde.

Von dort erhielten Peter und Theresia Krecu am 11. Juni eine Antwort. Er spricht von einer positiven Nachricht und einem „großen Fortschritt“, sie ist „hocherfreut“. Denn: „Die Untere Denkmalschutzschutzbehörde hat einem Abbruch zugestimmt“, steht in dem zweiseitigen Schreiben zu lesen. Grundlage war eine Stellungnahme des Münchner Instituts für Schadensverhütung und Schadensforschung (IFS), dass die Krecus zuletzt angestrengt hatten, und das am 24. April an das Landratsamt ging. Die Fachleute bestätigen die Betroffenen: In der Brandruine muss nach einer Sanierung „das Verbleiben unangenehmer Gerüche ... als Hauptproblematik angesehen werden.“ Auf Grundlage der Informationen und des Bildmaterials empfiehlt das Institut im Hinblick auf eine künftige Wohnnutzung, die betroffenen Holzbauteile „weitgehend zurückzubauen“.

Eine Genehmigung für den Abriss halten die Krecus jedoch damit nicht in den Händen. Denn das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verlangt vor einem Erlass eine Dokumentation des historischen Bestands – weil es sich „um ein sehr hochwertiges Baudenkmal“ handele, wie das Landratsamt schrieb. Laut Amtssprecher Hans Rehbehn ist dies aber Sache des Eigentümers. Peter Krecu droht auf einem Teil der Kosten sitzen zu bleiben, weil die Bayerische Landesbrandversicherung in einem Schreiben am 23. Juni „im Wege der Kulanz“ in Aussicht stellt, nur maximal 50 Prozent der Kosten für die Dokumentation zu ersetzen. Denn diese diene nur den Interessen des Denkmalschutzes und nicht der Wiederherstellung des Gebäudes. „Uns als Geschädigten die Kosten aufzubrummen“, werde man als nicht zumutbar und rechtlich fragwürdig ansehen, schrieb er der Kreisbehörde in einer Mail. Wenigstens habe die Versicherung die bisherigen Gutachten bezahlt, die letzte Stellungnahme habe das Landratsamt übernommen.

Trotzdem sind die Krecus nur noch froh, dass sich endlich was bewegt. „Es hat wirklich sehr lang gedauert“, sagt der 54-jährige. „Das zerrt an den Nerven.“ Bei ihm hat der Schriftverkehr mehrere Ordner gefüllt. Theresia Krecu, sie verlor Hab und Gut und ist seit dem Brand mit ihrem Sohn in einer Rottenbucher Ferienwohnung untergekommen, spricht von einer großen Belastung.

„Weil der Ausgang so lange nicht klar war.“ Peter Krecu hat mittlerweile die Dokumentation angeleiert, er erwartet bis Anfang September ein Gesamtergebnis – samt Abriss-Entscheidung des Landratsamts. Ein Neubau des Wohnhauses sei wohl angesichts der ausgelasteten Firmen erst Mitte 2019 möglich. Eines wollen sie in Rudersau aber sicher: „Es wieder so aufbauen, wie es war“, sagt Theresia Krecu.

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