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Nach fast fünf Jahren Bauzeit: Verkehr rollt wieder über Echelsbacher Brücke

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Es ist geschafft: Seit Sonntag rollt der Verkehr wieder über die teilerneuerte Echelsbacher Brücke.
Es ist geschafft: Seit Sonntag rollt der Verkehr wieder über die teilerneuerte Echelsbacher Brücke. © Hans-Helmut Herold

Viereinhalb Jahre nach dem Spatenstich ist die Teilerneuerung der Echelsbacher Brücke geschafft. Seit Sonntag rollt wieder der Verkehr über das mächtige Bauwerk. Zuvor gab’s – Corona-bedingt im kleinen Rahmen – ein paar Reden, den kirchlichen Segen und einen einmaligen Spaziergang.

Echelsbach – Josef Maier konnte es kaum erwarten. Unter ihm ratterte das Moped, eine Vicky aus dem Jahr 1953. Und er wartete auf ein Zeichen. „Kann ich?“, rief er, jemand antwortete „Ja“ – und der Bayersoier düste los. Aber nur ein paar Meter, Frühstart. Alle lachten, ein Kameramann war noch nicht bereit, den besonderen Moment einzufangen. Denn Maier durfte als Erster am Sonntagmittag über die frisch erneuerte Echelsbacher Brücke fahren. Einen Moment später ratterte der Bayersoier aber los, ehe auch der restliche Verkehr wieder auf das Bauwerk geleitet wurde. Einige der ersten Autofahrer blickten irritiert nach rechts und links, von wo aus sie gegrüßt wurden – manchen war der Zauber des Moments nicht klar.

Das Band ist zerschnitten, die Echelsbacher Brücke eröffnet
Das Band ist zerschnitten, die Brücke eröffnet: Von links sind zu sehen Stefan Scheckinger (Leiter Staatliches Bauamt Weilheim), Gerhard Pahl (Planer von Dr. Schütz Ingenieure), Gerald Greunz (Firma Strabag), Alexander Dobrindt, die Landräte Andrea Jochner-Weiß und Anton Speer, Bayersoiens Bürgermeisterin Gisela Kieweg und Christoph Prause (Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim). © Hans-Helmut Herold

Den Fußgängern schon. Das Staatliche Bauamt Weilheim hatte Vertreter der Baufirmen und Gemeinden sowie Ehrengäste eingeladen, um die Brücke, mit der die Bundesstraße 23 die Ammerschlucht überwindet, nach viereinhalb Jahren Bauzeit zu eröffnen. Etwa 40 Menschen begrüßte Stefan Scheckinger, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, in einem abgesperrten Bereich, für den es eine 2G-Beschränkung gab.

Zeitzeuge erinnert sich an Eröffnung der Brücke vor über 90 Jahren

Darunter auch Josef Achmüller aus Wildsteig. Der 96-Jährige war ein begehrter Gesprächspartner an diesem kalten Vormittag. Immerhin hat er bereits die Eröffnung der Brücke 1930 erlebt. „Ich kann mich noch gut daran erinnern“, sagte er und lächelte. „Wildsteig hatte einen Festwagen, ich saß vorne drauf.“ Innerhalb eines Jahres, von 1928 bis 1929, sei das Bauwerk damals entstanden. Und immer wieder ausgebessert worden – dabei packte Achmüller selbst mit an, als Mitarbeiter eines Straßenbauunternehmens. Dass er das letzte Mal etwas an der Brücke reparierte, „ist bestimmt 40 Jahre her“. Die Bauarbeiten in den vergangenen Jahren verfolgte er mit großem Interesse – wie viele andere auch. Rund 3900 Menschen nahmen an den Baustellen-Führungen teil, die von April 2019 bis Oktober 2021 von fünf Freiwilligen angeboten wurden.

Zeitzeuge: Josef Achmüller aus Wildsteig war bereits bei der Eröffnung 1930 als Bub dabei.
Zeitzeuge: Josef Achmüller aus Wildsteig war bereits bei der Eröffnung 1930 als Bub dabei. © Hans-Helmut Herold

Immer wieder vor Ort war auch Alexander Dobrindt. Er war 2017 als Bundesverkehrsminister beim Spatenstich dabei und ließ sich die Verkehrsfreigabe nicht entgehen. Mit der Brücke seien eine Reihe „an Superlativen“ verknüpft, sagte der Peißenberger, der für die CSU im Bundestag sitzt: 183 Meter lang, 76 Meter hoch, 17,6 Meter breit. Auch zur Behelfsbrücke hatte Dobrindt eine Zahl parat: „15 000 Schrauben halten sie zusammen.“

Behelfsbrücke wird im Frühjahr abgebaut

Ein Jahr lang war diese errichtet worden, damit der Verkehr auf der B23 auch während der Bauzeit fließen konnte. „Wir sind sehr dankbar, dass die Behelfsbrücke ihre Aufgabe erfüllt hat“, sagte Christoph Prause, Abteilungsleiter „Brücken- und Ingenieurbau“ am Staatlichen Bauamt Weilheim. Bereits am Montag sollen erste Arbeiten für den Rückbau beginnen, nach einer Winterpause gehe es dann im Februar weiter. Ist die Behelfsbrücke abgebaut, beginnen Renaturierungsarbeiten – sofern alles nach Plan läuft.

Dass das nicht immer so ist, zeigte sich bei der Echelsbacher Brücke. Ein schneereicher Winter 2018/19 sowie die Corona-Pandemie machten den Verantwortlichen das Leben schwer. „Das war für die Baufirma eine Mammutaufgabe“, sagte Prause – denn wegen Einreisebestimmungen konnten Arbeiter aus Österreich und Polen nicht anreisen, zudem verlängerten sich bei Bauteilen die Lieferfristen. Das alles gemeistert zu haben, „war eine hervorragende Leistung“. Laut Prause blieb die Sanierung mit Kosten von rund 36 Millionen Euro und einer Verlängerung der Bauzeit um zehn Wochen im Rahmen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“

Rathauschefs aus Rottenbuch und Wildsteig blieben der Eröffnung fern

Von dem konnten sich im Anschluss die Gäste überzeugen. Unter ihnen waren die Landräte Andrea Jochner-Weiß (Weilheim-Schongau) und Anton Speer (Garmisch-Partenkirchen) sowie Gisela Kieweg, Bayersoiens Bürgermeisterin – warum die Rathauschefs Josef Taffertshofer (Wildsteig) und Markus Bader (Rottenbuch) fehlten, war nicht zu erfahren. Stattdessen hatten sich etwa 35 Zaungäste eingefunden, die das Geschehen mit Abstand verfolgten, später aber ebenfalls über die noch unbefahrene Brücke schlendern durften.

Bereit zum losfahren: Der Bayersoier Josef Maier durfte als Erster über die Brücke fahren.
Bereit zum losfahren: Der Bayersoier Josef Maier durfte als Erster über die Brücke fahren. © Hans-Helmut Herold

Zuvor gaben Pfarrer Josef Fegg und Pfarrerin Bettina Mogk den kirchlichen Segen – damit nach unfallfreier Bauzeit auch künftig nichts auf der Brücke passiert. Beide projizierten die verbindende Rolle einer Brücke auf die Gesellschaft. „Wir brauchen gebaute Brücken“, sagte Mogk. „Aber auch Brücken zwischen den Menschen, zwischen Christen und Muslimen, zwischen Geimpften und Ungeimpften.“

Nach der Segnung spazierten die Anwesenden über die Straße. Zur großen Freude einiger Kinder, die lachend umher sausten und Schneebälle warfen. Als alle Fußgänger wieder am Kreisverkehr waren, machten sie die Straße frei. Maier startete sein Moped, die Sperrschilder wurden beiseite gestellt. Der Verkehr hatte die Echelsbacher Brücke zurück.

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