Fassungslos: Achim Gerbig, Gesamtleiter von Regens Wagner in Rottenbuch (re.), und Stiftungsratsvorsitzender Rainer Remmele vor dem stark beschädigten Schulgebäude.

Nach dem Großbrand in Rottenbuch

„Vom Bauchgefühl ist es ein Totalschaden“

  • schließen

Fassungslosigkeit und Entsetzen herrscht in Rottenbuch am Tag nach dem Brand des historischen Bräuhauses. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch nicht absehbar.

Rottenbuch – Die Sonne scheint vom blauen Himmel. Es ist ein Tag wie gemacht für das Postkartenidyll Rottenbuch. Doch an diesem Mittwoch wird der sonst so malerische Anblick des Klosterdorfs getrübt durch schwarzen Rauch, der über die Dächer zieht und langsam gen Himmel steigt. Wer am alten Fohlenhof vorbei Richtung Ortsmitte fährt, dem bietet sich ein Bild der Zerstörung. Schwarz verkohlt ragen die Überreste der Balken empor, die bis vor kurzem noch den Dachstuhl des früheren Bräuhauses des Klosters bildeten.

Am Dienstagabend war das Feuer im Kloster Rottenbuch ausgebrochen, der Kampf gegen die Flammen dauerte bis in die Morgenstunden. Der Großteil der 300 Einsatzkräfte, die bis aus dem Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen angerückt waren, hat sich zu dieser Zeit bereits wieder auf den Heimweg gemacht. Feuerwehrleute der Rottenbucher Wehr eilen umher, die müden Gesichter lassen die Anstrengungen der vergangenen Nacht erahnen. Viele haben sich – wenn überhaupt – nur kurz schlafen gelegt.

Überall am Straßenrand stehen Menschen. Alle blicken fassungslos auf den zerstörten Dachstuhl oder das, was die Flammen von ihm übrig gelassen haben. Inmitten des Geschehens steht Achim Gerbig. Der Gesamtleiter von Regens Wagner in Rottenbuch versucht Haltung zu bewahren, es gelingt ihm nur schwer. „Es ist eine Katastrophe. Fürchterlich für unsere Einrichtung, fürchterlich für den Ort und die Region“, sagt Gerbig. Gleich nachdem ihn ein Mitarbeiter über das Feuer informiert hatte, war der Leiter am Abend an den Ort des Unglücks geeilt. Bis in die Morgenstunden verfolgte er die Löscharbeiten, musste aus nächster Nähe tatenlos mitansehen, wie die Arbeit von zwei Jahren buchstäblich in Flammen aufging.

Das ehemalige Bräuhaus des Klosters liegt in der Ortsmitte von Rottenbuch. Gut zu erkennen ist der völlig zerstörte Dachstuhl.

Mitte 2016 hatte Regens Wagner mit dem Umbau und der Sanierung des historischen Gebäudes begonnen, das die Stiftung 2010 von den Don-Bosco-Schwestern übernommen hatte. Nach mehr als fünf Jahrzehnten Schulbetrieb entsprach das Haus nicht mehr den Anforderungen und sollte deshalb grundlegend modernisiert werden. Der Aufwand war enorm, das Gebäude musste komplett entkernt werden. Im Erdgeschoss entstanden in den vergangenen Monaten eine Hauskapelle, Sanitärräume und Zimmer für die Verwaltung. In den oberen Stockwerken wurden neue Lehr- und Fachräume für die Fachakademie für Sozialpädagogik und die Berufsfachschule für Kinderpflege geschaffen.

Zwölf Millionen Euro gehen in Flammen auf

Auch eine Großküche für die Versorgung des gesamten Zentrums war Teil des Zwölf-Millionen-Euro-Projekts. Im Dachgeschoss sollten Kunst- und Werkräume für die Schüler entstehen, die dank des offenen Dachstuhls Ateliercharme versprühen. Die Arbeiten waren fast abgeschlossen. „Innen ist alles geweißelt, die Bodenleger sind so gut wie fertig gewesen“, sagt Gerbig. Im November schon sollten die ersten beiden Klassen die neuen Räumlichkeiten beziehen. „Am 7. Januar wollten wir den Vollbetrieb starten.“

Daran ist nun nicht mehr zu denken. Gerbig blickt auf das zerstörte Dachgeschoss. Ein großer Kran ist mittlerweile aufgestellt worden, Zimmerer sind dabei, die Fenster und Dachgauben zu entfernen, damit die letzten Glutnester gelöscht werden können. Statiker untersuchen derweil, wie es um die Standsicherheit des Gebäudes bestellt ist. Auch die Brandermittler der Kriminalpolizei sind vor Ort, um herauszufinden, was das Feuer ausgelöst hat. Aufgrund der „Komplexität des Brandortes“ werde die Untersuchung allerdings voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, teilt ein Polizeisprecher mit.

Auch Schülerinnen der Fachakademie sind am Mittwoch trotz schulfreiem Tag nach Rottenbuch gekommen. Es sei ein Schock, das Gebäude so zu sehen, sagt eine Auszubildende, die mit ihrer Mutter aus Peiting ins Klosterdorf gefahren ist. Nach zwei Jahren im Kellergeschoss eines benachbarten Gebäudes habe sich ihre Klasse so auf den Umzug gefreut, erzählt sie. Dass dies jetzt nicht klappe, sei sehr schade. Die Nachricht vom Brand habe sich am Abend wie ein Lauffeuer unter den Schülern verbreitet.

Gemeinde Rottenbuch sagt Unterstützung zu

Der Schock, er sitzt auch bei der Gemeinde tief. „Es ist schrecklich, wenn man sieht, wie ein Stück Geschichte Rottenbuchs brennt“, sagt 2. Bürgermeisterin Gabriele Eirenschmalz, die selbst in unmittelbare Nähe des Brandorts wohnt. Die Regens Wagner-Stiftung könne auf die Unterstützung der Gemeinde zählen, verspricht sie.

Wie hoch der Schaden ist, werde sich erst genau beziffern lassen, wenn die Sachverständigen ihre Arbeit getan haben, sagt Rainer Remmele. Der Stiftungsratsvorsitzende von Regens Wagner befürchtet das Schlimmste. „Vom Bauchgefühl her, ist es ein Totalschaden.“ Denn nicht nur hat das Feuer das Dachgeschoss zerstört. Durch die großen Mengen an Löschwasser sind auch alle anderen Stockwerke stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Böden, Estrich, da muss alles wieder raus“, gibt sich auch Gerbig keinen Illusionen hin. Doch es gibt auch gute Nachrichten. „Wir sind heilfroh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Das ist ein großer Trost“, sagt der Leiter.

Auch im Dorf ist man erleichtert, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. „Wäre der Wind anders gestanden, hätte es wohl unser Haus mit erwischt“, sagt Albrecht Bögle, der direkt angrenzend an das Bräuhaus einen kleinen Supermarkt betreibt. Bei Bögle weckte das Feuer Erinnerungen. 1963 habe es an gleicher Stelle schon einmal gebrannt, auch damals sei das Gebäude gerade renoviert worden. Bögle hat seinen Laden am Mittwoch ganz normal aufgesperrt. „Man muss zur Normalität übergehen, es hilft ja nichts.“ Das gilt auch für die Schüler der Regens Wagner-Einrichtungen. Am Donnerstag wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen – in den Übergangsquartieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hausexplosion: Vater und Tochter (7) sterben - Nun steht fest, wieso es zur Tragödie kam
In einem Wohnhaus in Rettenbach hat es am Sonntag eine verheerende Explosion gegeben. Zwei Menschen kamen ums Leben. Nun steht die Ursache der Tragödie fest.
Hausexplosion: Vater und Tochter (7) sterben - Nun steht fest, wieso es zur Tragödie kam
Hochwasser in Weilheim: Lage entspannt sich -Pegel sinken
Erleichterung im Landkreis Weilheim-Schongau. Die Hochwasserlage entspannt sich. Der Krisenstab meldet: Die Pegel sinken.
Hochwasser in Weilheim: Lage entspannt sich -Pegel sinken
Mausefallenautos und kartesische Taucher
Fünftklässler experimentieren in der Forscherklasse der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau. Die Schüler sollen neugierig werden auf Fächer aus der MINT-Gruppe.
Mausefallenautos und kartesische Taucher
Zweites Nostalgie-Spektakel am Auerberg
Oldtimer-Fans sollten sich den Termin schon einmal fett im Kalender markieren: Vom 13. bis 15. September erwartet Bernbeuren die zweite Auflage von „Auerberg Klassik“. …
Zweites Nostalgie-Spektakel am Auerberg

Kommentare