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Noch steht sie an ihrem angestammten Platz, aber schon bald wird die Rottenbucher Freiwieß-Orgel in ihre Einzelteile zerlegt und nach Bonn gebracht. Dort soll sie in der Werkstatt der Firma Orgelbau Klais restauriert werden.

Orgelsanierung in Rottenbuch

In Einzelteilen nach Bonn

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Die Sanierung der historisch bedeutenden Orgel in der Stiftskirche in Rottenbuch ist ein Mammutprojekt. Seit Jahren laufen die Vorbereitungen, heuer sollen die Arbeiten beginnen. Damit betraut wird jene Firma, die bereits die Elbphilharmonie zum Klingen gebracht hat.

Rottenbuch – Die Orgel in der Rottenbucher Stiftskirche ist nicht irgendeine Orgel, sondern eine ganz besondere. Das Instrument, in den Jahren um 1780 von Balthasar Freiwieß gebaut, gilt als absolute Rarität. Einzig im Kloster Irsee gibt es ein ähnliches Exemplar. Doch der Zahn der Zeit, er hat an der Rottenbucher Orgel seine Spuren hinterlassen. Schon 1960 hatte man versucht, sie wieder in den Originalzustand zurückzuversetzen – allerdings mehr schlecht als recht.

Das soll diesmal besser klappen, weshalb man bei der Auswahl der Fachfirma ganz genau hingeschaut hat. „Wir haben vom Ordinariat vier bekannte Namen genannt bekommen, denen wir dann Anfang Dezember die Ausschreibungsunterlagen zukommen haben lassen“, sagt Kirchenpfleger Josef Lorenz. Nach einer ersten Runde kamen zwei Firmen in die engere Auswahl. Vertreter von Ordinariat, Kirchenverwaltung, Gemeinde und Denkmalamt hatten schließlich Mitte Januar die Qual der Wahl. „Beide Kandidaten waren sehr gut“, berichtet Lorenz. Das Rennen machte letztlich die Bonner Firma Orgelbau Klais. „Das ist eine der renommiertesten Orgelbaufirmen, die wir in Deutschland haben“, schwärmt der Kirchenpfleger.

Die in vierter Generation geführte Werkstatt zeichnete etwa für die Orgel in der Elbphilharmonie verantwortlich und hat bereits viele historische Instrumente wieder instand gesetzt. Und für sie ist Rottenbuch kein Neuland. Schon vor fünf Jahren hatte die Firma die Freiwieß-Orgel bei der letzten Befunduntersuchung genau unter die Lupe genommen.

Damals schätzten die Fachleute, dass die Sanierung rund 680 000 Euro kosten würde. Tatsächlich kalkuliere man aktuell mit knapp 700 000 Euro, sagt Lorenz. Die Kosten sollen über Zuschüsse sowie Eigenmittel und Spenden gestemmt werden. Fest zugesagt sind 300 000 Euro, die der Bund über das „Programm zur Sanierung und Modernisierung national bedeutsamer Orgeln“ übernimmt. Kulturministerin Monika Grütters hatte sich Mitte vergangenen Jahres gemeinsam mit dem damaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt persönlich über die Sanierung informiert (wir berichteten). Weitere Mittel in Höhe von insgesamt 150 000 Euro erhofft sich Lorenz vom Landesamt für Denkmalpflege, der bayerischen Landesstiftung für Denkmalfpflege sowie der Regierung von Oberbayern. „Wir haben mittlerweile überall einen Zuschussantrag gestellt.“ Auch das Ordinariat habe 70 000 Euro in Aussicht gestellt, sobald der Auftrag vergeben sei. Das kann allerdings erst geschehen, wenn die denkmalschutzrechtliche Genehmigung vorliegt. „Das müsste aber in den nächsten Tagen der Fall sein. Sie liegt schon unterschrieben beim Landratsamt“, weiß Lorenz.

Erst dann wird sich auch herausstellen, wann genau die Fachleute mit dem Abbau des historischen Instruments beginnen werden. Denn die Orgel wird für die Sanierung sorgsam in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend nach Bonn in die Werkstatt der Firma gebracht. „Wir rechnen damit, dass sie bis Ende 2019 wieder zurück an ihrem angestammten Platz ist“, so Lorenz. In der Zwischenzeit soll das vorhandene Harmonium genutzt werden, um die Gottesdienste musikalisch zu umrahmen. Auch die Rottenbucher Musiker haben ihre Unterstützung zugesagt, freut sich der Kirchenpfleger.

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