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Fohlenmarkt Rottenbuch: 4800 Euro für ein Kaltblut-Hengstfohlen

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Von: Elena Siegl

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Nach der Präsentation des Hengstfohlens im Ring, ist Emma Neuschwander froh, dass alles gut geklappt hat.
Nach der Präsentation des Hengstfohlens im Ring, ist Emma Neuschwander froh, dass alles gut geklappt hat. © Siegl

Der größte Kaltblutfohlenmarkt Deutschlands hat auch heuer wieder mehrere tausend Besucher nach Rottenbuch gelockt. Rund 100 junge Pferde wurden versteigert. Die Züchter waren zufrieden.

Rottenbuch – Trotz wolkenverhangenem Himmel strömen am Freitagmorgen immer mehr Menschen auf die große Festwiese mitten in Rottenbuch und versammeln sich um den Ring, in den gleich zahlreiche Kaltblutfohlen geführt werden sollen.

Davor werden die Fohlen sowie die Stuten von ihren Besitzern aber noch einmal herausgeputzt. Das Fell wird gestriegelt, die Mähne und der Schweif gebürstet, zum Teil geflochten. Die Pferde sollen sich von ihrer besten Seite zeigen, um eine gute Bewertung von den drei Jurymitgliedern zu bekommen – und später zu einem guten Preis verkauft zu werden.

Fohlenmarkt Rottenbuch: Jury bewertet die Pferde

Die Qualität der angebotenen Fohlen hat in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen, sagt Karl Neumeier von der Bewertungskomission. „Sie liegen meist nahe beieinander, da muss man schon kritisch bewerten.“ Zusammen mit Hermann Huber und Walter Herz steht er in der Mitte und hat diese Aufgabe übernommen.

Bei der Präsentation sind auch die Züchter gefragt. Zusammen mit den kräftigen Tieren rennen sie Runde um Runde im eingezäunten Gelände, nahe am Publikum vorbei, bis sich die Jury ein Bild gemacht hat. Der ein oder andere Besitzer verliert bei dem rasanten Tempo der Pferde schon mal seinen Hut.

„Bewegungstechnisch ist heuer einiges geboten“, sagt Jurymitglied Neumeier. Die Bewertungskommission schaut sich Schritttempo und Trab ganz genau an. Am Ende zählt der Gesamteindruck. Eingeteilt werden die Pferde in drei Klassen: Rosetten-Fohlen sind am wertvollsten, dann Wertklasse I und II.

Die Fohlen bewegten sich heuer sehr gut, lobte die Jury nach der Präsentation.
Die Fohlen bewegten sich heuer sehr gut, lobte die Jury nach der Präsentation. © Siegl

Fohlenmarkt Rottenbuch: Verkäufer haben klare Preisvorstellungen

Dann beginnt auch schon die Versteigerung. In 20-Euro-Schritten geht es schnell nach oben. Das erste Fohlen, das versteigert werden soll, ist ein Dunkelfuchs von Günther Sprenzel aus Burggen. Während im Publikum fleißig für das Fohlen geboten wird, trabt es brav noch einmal ein paar Runden. 1020 Euro werden schließlich geboten – zu wenig, findet der Besitzer, der gleich abwinkt. Er behält den Hengst.

Deutlich mehr, nämlich den höchsten Preis heuer, erhält Klemens Weingand aus Eschenlohe für sein schwarzbraunes Hengstfohlen: 4800 Euro blättert der neue Besitzer hin. Zum Vergleich: der Höchstpreis im vergangenen Jahr lag bei 2300 Euro. „Wir waren alle überrascht“, sagt Florian Schelle, Vorsitzender des Pferdezuchtverbands Oberbayern.

Klare Preisvorstellungen hat auch Emma Neuschwander, die zusammen mit Josef Schilcher aus Peiting einen schwarzbraunen Hengst durch die Runde führt: „1000 Euro sollten es schon sein.“ Ganz so viel wurden es am Ende nicht: Für 840 Euro wechselte Hengst Gustavo den Besitzer.

Neuschwander ist aber vor allem froh, dass bei der Präsentation alles gut gegangen ist. Im vergangenen Jahr hat sie zum ersten Mal die Pferde durch die Runde geführt. „Das ist schon anstrengend“, erzählt sie.

Fohlenmarkt Rottenbuch: Züchter sind zufrieden

Zufrieden ist auch Familie Gschmeißner aus Steingaden. Ihr kleiner Hengst hat zwar nur die Wertklasse I erreicht. Wichtig ist Anna Gschmeißner bei der Versteigerung aber vor allem, dass das Fohlen einen guten Platz bekommt.. „Hauptsache, er ist gut aufgehoben.“ Für 1700 Euro geht der Hengst an einen neuen Besitzer.

Auch Familie Gschmeißner aus Steingaden bot ein Hengstfohlen in Rottenbuch an. Damit sich Jury und Käufer ein Bild von dem Tier machen konnten, wurde es zusammen mit der Stute durch den Ring geführt.
Auch Familie Gschmeißner aus Steingaden bot ein Hengstfohlen in Rottenbuch an. Damit sich Jury und Käufer ein Bild von dem Tier machen konnten, wurde es zusammen mit der Stute durch den Ring geführt. © Siegl

Vollkommen zufrieden mit der Bewertung ihres Fohlens sind Johann und Simon Schweiger aus Rottenbuch. Hengst „Dominikus“ wurde mit der gefragten Rosette ausgezeichnet. Er wurde für 1650 Euro versteigert.

Fohlenmarkt Rottenbuch: Viele Besucher trotz wolkenverhangenem Himmel

Über den gesamten Nachmittag hinweg zieht sich die Versteigerung. Auch wenn die Wiese immer matschiger wird – das Wetter hält. Trotzdem ist sich Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader sicher, „der Klimawandel hat Rottenbuch anscheinend seit drei Jahren fest im Griff“. Auch in den vergangenen beiden Jahren war es eher regnerisch. Deshalb hatten einige Firanten des zugehörigen Kramermarktes ihre Stände heuer auch außerhalb der Festwiese aufgebaut.

Bader ist stolz darauf, was die Rottenbucher, vor allem die Musikkapelle und der Trachtenverein, jedes Jahr auf die Beine stellen. „Und wenn’s mal regnet, gibt es ja immer noch das Festzelt“, sagt Bader. Auch Florian Schelle vom Pferdezuchtverband freut sich, dass so viele Leute zum Fohlenmarkt gekommen sind. „Das ist schon ein imposantes Bild.“

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