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Rottenbuch bekommt ein „Entdeckerdorf“ für Großstadt-Kinder

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Von: Andreas Baar

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Hier soll das „Entdeckerdorf“ entstehen: Die Fläche auf dem Rottenbucher Sportgelände sollte eigentlich mit Tennisplätzen bebaut werden – errichtet wurden letztendlich nur zwei Plätze (rechts hinten). © Baar

Die Gemeinde Rottenbuch soll Heimat für ein „Entdeckerdorf“ werden. Ein Münchner Verein will noch heuer Kindern aus der Stadt das Landleben näher bringen. Der Gemeinderat machte den Weg frei. Doch es gab auch Kritik.

Rottenbuch – In Königsdorf (Bad Tölz-Wolfratshausen) nahm im Juli 2016 ein bayernweit beachtetes Ferienprojekt für Kinder den Betrieb auf: Der Münchner Verein „Muck“ eröffnete sein „Entdeckerdorf“, in einem Naturschutzgebiet wurde eine kleine Siedlung aus hölzernen Schäferwagen aufgebaut. Doch mittlerweile ist man heimatlos und auf der Suche nach einem Standort. Heuer soll es in den Landkreis Weilheim-Schongau gehen. Das Ziel ist Rottenbuch. Der Gemeinderat gab dem Bauantrag seinen Segen.

Mit großer Mehrheit erteilte der Rat die baurechtliche Zustimmung für das Vorhaben. Dies war nötig, weil die Holzwagen auf einer Wiese neben dem Sportgelände aufgestellt werden sollen und dafür eine befristete Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans nötig ist. In Bürgermeister Markus Bader (Freie Wählergemeinschaft) hatte der Antragsteller um Vorsitzende Pia Novak einen gewichtigen Fürsprecher. „Das ist ein sehr engagierter Verein“, betonte der Rathauschef. Der gemeinnützige Verein „Muck“ ist Träger und Organisator des Projekts. Mit dem „Entdeckerdorf“ schließe man eine „eine Angebotslücke in der Großstadt“, heißt es – Ziel sei es, Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, die Natur und Gemeinschaft zu erleben.

Angesprochen werden nach eigener Aussage Familien mit geringem Einkommen, insbesondere Alleinerziehende. „Wir sind keine Ferienanlage mit Unterhaltungsprogramm“, ist auf der Internetseite zu lesen.

Münchner Verein „Muck“ will Schäferwagen für Kinder aufstellen

Die gemeindeeigene Fläche, wie das Sportgelände gepachtet vom örtlichen Sportverein, sollte eigentlich gemäß Bebauungsplan mit fünf Tennisplätzen erschlossen werden, wovon jedoch nur zwei Plätze realisiert wurden. So bot sich mit der Planbefreiung „eine elegante Lösung“, wie es Bader formulierte, um dort das bis Jahresende angelegte Schäferwagendorf zu ermöglichen. Laut Verein soll es eigentlich im Mai nach Rottenbuch gehen. Wie der Bürgermeister berichtete, sei sich „Muck“ einig mit dem TSV und zahle diesem „ein bisserl an Miete“. Was dem Sportverein gut tue, schließlich musste dieser wegen der Coronakrise seinen Milchweglauf am 2. Mai absagen. Bader zufolge sollen fünf Schäfer- plus ein Gemeinschaftswagen aufgestellt werden. Er rechnet mit um die 20 Kindern. Die Belegung sei für die Wochenenden und in den Ferien geplant. „Das ist ein kleines Projekt.“

Unterstützung kam von Vitus Gansler (Schönberger Wählergemeinschaft): Er sah das Vorhaben mit den jungen Gästen als „nicht so dramatisch“ – man soll es mal ausprobieren. Doch es gab Kritiker. Alfred Speer (CSU) lehnte es grundsätzlich ab. „Ich bin strikt dagegen.“ Er habe „Bauchweh“ und warnte vor Problemen wegen der Nähe von Wald und Ammer. Überhaupt: „Es gibt bessere Möglichkeiten, wo Kinder aufs Land raus können.“ Speer lehnte den Bauantrag genauso ab wie Christoph Echtler (Freie Wählergemeinschaft), der die Lage bemängelte. Der Rest stimmte dem Bauantrag für das „Entdeckerdorf“ zu.

Die Schäferwagensiedlung soll laut Bürgermeister Bader allerdings nur eine Übergangslösung sein. Es gebe Überlegungen, „dauerhaft einen Standort in Rottenbuch zu suchen“, sagt er auf Nachfrage.

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Der Bau des neuen V-Bau- und Gartenmarkts in Peiting rückt näher. Der Ferienausschuss des Gemeinderats hat in nichtöffentlicher Sitzung dem notariellen Vertrag für den Verkauf des Grundstücks an den Investor zugestimmt. Für das Bürgerbegehren der Baumarkt-Gegner ist das keine gute Nachricht.

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