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Er kämpft um die Moosbeck-Alm: Unternehmer Bernd Häder fühlt sich beim Verkauf des Hotels ungerecht behandelt und möchte jetzt gegen die Bank vorgehen.

Hotel verkauft? Ein Interessent ist sauer

Das nächstes Drama um die Moosbeck-Alm

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Um die Moosbeck-Alm ist ein neuer Streit entbrannt. Für das leer stehende Hotel im Rottenbucher Ortsteil Moos ist augenscheinlich ein Käufer gefunden. Ein Interessent, der leer ausgegangen ist, will allerdings gegen den Verkauf vorgehen. Er kündigt auch rechtliche Schritte gegen die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel an.

Rottenbuch– Kaufinteressent Bernd Häder trägt sein Herz auf der Zunge. Der aus Oberau bei Garmisch kommende Unternehmer macht keinen Hehl daraus, dass er ein paar Euro mehr auf der hohen Kante hat als andere. Einen Bentley, einen Ferrari und einen Tesla nennt der 71-Jährige sein Eigen. Und sein Faible für Nobelkarossen brachte ihn auf eine Geschäftsidee. „Ich wollte zehn Luxusautos kaufen und sie dann vermieten“, verrät Häder. Doch dann stand er vor der Moosbeck-Alm, und es war um ihn geschehen. Er wollte das brach liegende Hotel sofort kaufen und etwas Soziales anstoßen, sagt er.

Zunächst schwebte dem Unternehmer eine Art Seniorenresidenz vor, zu der die Moosbeck-Alm hätte umgebaut werden können. Die Illusion nahm ihm die Gemeinde aber schnell. Von der Hotel- und Gaststättennutzung will man im Rathaus nicht abkommen. Schließlich gibt es außer der Moosbeck-Alm keine weiteren Hotels in Rottenbuch.

Auge auf den Fohlenhof geworfen

Entmutigen ließ sich Häder davon nicht. Nach einem Treffen mit Bürgermeister Markus Bader hat er ein Auge auf den Fohlenhof in Rottenbuch geworfen und denkt laut über ein Seniorenheim im Ort nach, an dem er die Gemeinde beteiligen möchte. Die älteren Herrschaften könnten dann mit einem Kleinbus zur Moosbeck-Alm gebracht werden, wo sie die Natur und das Angebot des Gasthauses genießen.

Mit Feuereifer schmiedet Häder seine Pläne: In und an der Moosbeck-Alm möchte er eine Kneipp-Anlage verwirklichen, eine Gegenstromanlage ins kleine Schwimmbad einbauen, Ponys halten und einen Kindergarten einrichten. „Eltern, die auf dem Jakobsweg wandern, könnten dann dort ihre Kinder abgeben“, meint der 71-Jährige. 

Unternehmer erwartet großes Geschäft während der Passionsspiele

Mit der Finanzierung seiner Vorhaben sieht der Oberauer überhaupt keine Probleme. Abgesehen von seinem Privatvermögen, das er als Sicherheit einbringen könne, erwartet er schon im kommenden Jahr das große Geschäft: wenn im nicht weit entfernten Oberammergau die Passionsspiele beginnen. 1,5 Millionen Euro Umsatz verspricht sich Häder von Mai bis Oktober in der Moosbeck-Alm mit den Hotelgästen, die nach Oberammergau fahren.

Seinen Lebenstraum inklusive Neuschwanstein-Nachbau hatte sich Hans Gruber mit der Moosbeck-Alm erfüllt.

Obwohl die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel vom Eigentümer mit dem Verkauf der Moosbeck-Alm beauftragt war, machte sich der 71-Jährige direkt auf den Weg in die Steiermark. Hans Gruber, der die Alm vergangenes Jahr noch verpachtet hatte (wir berichteten), lebt mittlerweile dort. Laut Häder war man sich schnell einig, dass er das Hotel für die veranschlagten 1,39 Millionen Euro bekommen soll. Letztlich entschied sich der Eigentümer dann aber doch für einen anderen Käufer.

Hans Gruber ist in diesen Tagen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Von seinem Lebensgefährten ist lediglich zu erfahren, dass der Zug für Häder wohl abgefahren ist. Auch die Raiffeisenbank hüllt sich in Schweigen, weil sie dazu verpflichtet ist. Vorstand Mario Lindauer verweist auf das Bankgeheimnis, lässt aber immerhin durchblicken, dass es wohl mehrere Interessenten gegeben hat. „Es gibt wenige Objekte auf dem Markt und sehr viele Kaufinteressenten. Wenn jemand nicht zum Zug kommt, ist er enttäuscht“, kommentiert der Vorstand den Vorgang.

Unternehmer Häder ist allerdings nicht nur enttäuscht, er ist hochgradig wütend. Er wirft der Bank vor, Gruber von einem Verkauf an ihn abgeraten zu haben. „Die haben sich mit dem Falschen angelegt“, erklärt Häder wild entschlossen und kündigt an, rechtlich gegen den Verkauf und die Bank vorgehen zu wollen. Er hat die Moosbeck-Alm noch nicht aufgegeben, deren bewegte Geschichte jetzt um ein Kapitel reicher ist.

Schlusspunkt im jahrelangen Streit?

Die Moosbeck-Alm sorgte in der Vergangenheit schon mehrmals für Schlagzeilen in der Heimatzeitung. Eigentümer Hans Gruber stritt sich jahrelang mit der Gemeinde über bauliche Erweiterungen. Und offenbar waren nicht alle Rottenbuchener begeistert über das Klientel, das in dem Hotel über Jahre ein- und ausging. Unter Schwulen war die Moosbeck-Alm lange Zeit eine angesagte Adresse. 

Chaoten, die das wohl störte, zerstörten Hinweisschilder zu dem Hotel und deren Beleuchtung. Letztlich fehlte dem damals 72-jährigen gesundheitlich angeschlagenen Gruber die Kraft, das Hotel weiter zu betreiben.1,7 Millionen Euro wollte er zunächst für die Immobilie haben. Den Käufer erwarteten 21 Komfortzimmer, davon drei Suiten: Die König-Ludwig- und die Sisi-Suite sowie die Luitpold-Suite. Zwei Restaurants mit insgesamt 70 Plätzen gehören zur Moosbeck-Alm. 

Hinzu kommt noch eine Gartenterrasse davor. Ein beheizbares Außenschwimmbecken, eine nicht einsehbare Liegewiese und ein Blockhaus sind weitere Attraktionen. Obendrein verfügt das Hotel über einen Wellnessbereich samt Sauna. Käufer fanden sich zunächst nicht. 

Dafür aber ein Pächter. Nach einem Streit mit dem Eigentümer wurde dessen Vertrag im Juni 2018 jedoch nicht mehr verlängert. Seitdem steht das Hotel leer. 

Jetzt wurde es offenbar für 1,39 Millionen Euro verkauft. Ob damit der Schlusspunkt im jahrelangen Zoff um die Moosbeck-Alm gesetzt ist, dürfte sich bald zeigen.

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