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Karl Heinz Stoll (l.) vom Museum Bad Bayersoien nahm den Absperrhan als neues Exponat mit der schier unglaublichen Geschichte von Michael Gruner entgegen.

Unglaublicher Zufall

Wie ein Wasserhahn zum Lebensretter wurde

Das Leben selbst schreibt manchmal so unfassbare Geschichten, dass man sie fast nicht glauben kann. Michael Gruner aus Peißenberg kann so eine Geschichte erzählen: Es geht um einen Wasser-Absperrhahn an der Echelsbacher Brücke, der gewissermaßen zum Lebensretter wurde und den er jetzt dem Bad Bayersoier Museum übergeben hat.

Rottenbuch – Die Echelsbacher Brücke, die längste Melan-Bogenbrücke der Welt, wir bekanntlich derzeit saniert. Bis auf die denkmalgeschützuten Bögen der vor mehr als 90 Jahre alten Brücke ist bereits alles abgerissen und wird neu aufgebaut. Karl Heinz Stoll aus Bad Bayersoien, ehemaliger Mitarbeiter des örtlichen Museums, und Michael Gruner aus Peißenberg, der über 55 Jahre lang Dorfschmied in Bad Bayersoien war, haben jetzt ein Eisenteil ausfindig gemacht, das Jahrzehnte lang an der Brücke angebracht war und eigentlich verschrottet werden sollte. Doch die Geschichte, die Gruner über dieses Teil weiß, ist so bedeutungsvoll, dass eben dieses Eisenteil gesichert werden konnte und dem Museum übergeben wurde.

Amtsschimmel wieherte 

Viele Jahre hat Gruner als Dorfschmied Hufeisen zum Glühen gebracht und geformt. „Aber irgendwann war diese Zeit zu Ende und ich musste umsatteln.“ Eine Spenglerei im Dorf wurde sein neuer Arbeitsplatz. „Wir machten alles, wo Wasser durch ein Rohr läuft“, erzählt Gruner. Zu dieser Zeit gab es schon den Kiosk am Parkplatz vor der Brücke auf Rottenbucher Seite. Der Besitzer hatte jedoch keinen Wasseranschluss aus der Gemeinde. Er benutzte das Wasser aus seinem eigenen Brunnen. Irgendwann jedoch griff der Amtsschimmel ein. „Es darf nur geprüftes Trinkwasser verwendet werden, kein Privatwasser“, hieß es.

Wasserleitung unter der Brücken-Fahrbahn verlegt

Da es zu diesem Zeitpunkt technisch nicht möglich war, eine kostengünstige Leitung von Rottenbuch bis hin zum Kiosk zu legen, wurde eine andere Variante bevorzugt. „Auf der Bayersoier Brückenseite befand sich ein Anschlussschacht, von dem aus Schönberg versorgt werden sollte“, erinnert sich Gruner. Da diese Idee nicht umgesetzt wurde, der Schacht aber anschlussbereit vorhanden und zu diesem Zeitpunkt die Brücke teilweise wegen Reparaturarbeiten eingerüstet war, hatte Gruner eine Idee. Der Kiosk soll sein Wasser aus Bayersoien bekommen. „Wir verlegen unterhalb der Fahrbahn die Rohre, dann benötigen wir nur gute 140 Meter Eisenrohr“, so Gruners Vorschlag.

Sechs Absperrhähne mussten eingebaut werden

Gesagt, getan. In vier Tagen hat er damals um die 23 Rohre verlegt. „Da das Wasser in den Wintermonaten aus dem Rohr entfernt werden musste, damit dieses nicht platzt, habe ich wegen der gekrümmten Fahrbahn sechs Absperrhähne eingebaut“, erklärt Gruner. So konnte das Wasser Stück für Stück mit Pressluft aus dem Rohr geblasen werden.

Wegen Salz im Winter: Michael Gruner bestand auf Edelstahl

Der Seniorchef der Installationsfirma wollte unbedingt Wasserhähne aus Messing verwenden. Doch er hatte die Rechnung ohne seinen Mitarbeiter Michael Gruner gemacht. Der wollte die Hähne aus Edelstahl. Er brachte die Begründung vor, dass Messing durch das Salz, das im Winter auf die Fahrbahn gestreut wird und als Wasser an den Rohren herunterläuft, die Hähne zerfrisst. Gruners Version wurde auch vom Straßenbauamt bevorzugt. Edelstahl wurde genehmigt.

Frau will von der Brücke springen

Viele Jahre später. Eine Frau will, um ihr Leben zu beenden, von der Brücke springen. Sie übersteigt das schräg nach innen laufende Geländer und will darauf Richtung Abgrund rutschen. Das passiert genau an der Stelle, an der einer der sechs Absperrhähne an der Rohrleitung montiert ist. Dazu kommt, dass Gruner wenige Tage zuvor die Rohrleitung mit Druckluft durchgeblasen hat. Aus diesem Grund zeigt der Hahn senkrecht nach oben.

Ledergürtel verhängt sich zwischen Ventil und Absperrhahn: Die Frau überlebt

Es klingt unglaublich: Beim Abrutschen verhängt sich der Ledergürtel ihrer Hose genau zwischen Ventil und Absperrhahn. Das Ganze gute 70 Meter über dem Talgrund. Die Frau kann mit Mühe und Not ihr Handy aus der Hosentasche fingern und wählt den Notruf. „Es war eine sehr schwierige Aktion“, erinnert sich Gruner. Aber die Feuerwehr aus Rottenbuch hat es geschafft. Die Frau wird gerettet. Vor allem auch, weil der Hahn aus Edelstahl gehalten hat. Wäre er aus Messing gewesen – keine Chance. Darüber sind sich alle Beteiligten sicher.

Absperrhahn Nummer 3 ist jetzt ein Museumsstück

„Es war der Absperrhahn Nummer 3“, erinnert sich Gruner, der den Hahn unbedingt erhalten wollte. Dank der Hilfe von Wolfgang Rieger vom Staatlichen Bauamt Weilheim, der das Stück nach der Demontage rettete, ist das Erinnerungsstück jetzt im Museum gelandet.

HANS-HELMUT HEROLD

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Gerade jetzt, wo die Sanierungsarbeiten an der Echelsbacher Brücke voll im Gange sind, erfährt man viel über dieses einmalige Bauwerk. Nahezu vergessen ist ein Mann, dem es zu verdanken ist, dass es das Bauwerk in seiner heutigen Form überhaupt noch gibt.

Der Teilneubau der Echelsbacher Brücke ist um rund zehn Wochen in Verzug. Dennoch zeigt sich das Staatliche Bauamt Weilheim optimistisch, dass der Fertigstellungstermin (im Herbst 2021) doch noch eingehalten werden kann.

Die Frequenzen von Kran und neuer Ampelanlagen hatten sich nicht vertragen, das Gerät „hat schlichtweg gesponnen“, heißt es vom Staatlichen Bauamt. Deshalb kam es an der Behelfsbrücke der Echelsbacher Brücke zu langen Staus.



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