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Auch die Rückseite ist kunstvoll mit Ölfarbe bemalt

In der Klosterkirche

Rottenbuch: Votivfahne ist ein „seltener Qualitätsfall“

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Die ehemalige Klosterkirche ist ein Rottenbucher Schmuckstück. „Mariä Geburt“ beherbergt etwas Besonderes: eine alte Prozessionsfahne. Diese beschäftigt nun das Erzbischöfliche Ordinariat in München.

Rottenbuch Die Rottenbucher Pfarrkirche „Mariä Geburt“ mit ihrem markanten Turm ist mehr als nur ein weithin sichtbarer Ort des Glaubens. Als „wesentlichen Teil“ des Dorfes bezeichnet sie Bürgermeister Markus Bader. Das um das Jahr 1085 errichtete und 1700 bis 1770 barockisierte Gotteshauses war das geistliche Zentrum des einstigen Augustinerchorherrenstifts. Die Kirche birgt neben ihrer prächtigen Kombination von Elementen aus Gotik, Barock und Rokoko eine weitere Kostbarkeit: In ihr steht eine alte Prozessionsfahne. Doch diese ist in einem schlechten Zustand und soll restauriert werden.

Kunstvolle Ölmalerei auf Leinwand

Ein Vorhaben, das Rottenbuchs Pfarrer freut. „Das ist keine normale Fahne“, erklärt Josef Fegg. Sondern eine kunstvolle Ölmalerei auf Leinwand. Geschaffen wohl um das Jahr 1745 herum, wie vom Erzbischöflichen Ordinariat zu erfahren ist. Es handelt es sich um „ein künstlerisch als äußerst hochrangig zu bezeichnendes Exemplar“, teilt Hendrik Steffens von der Pressestelle auf Anfrage mit. Die Votivfahne stelle einen „seltenen Qualitätsfall“ dar. Denn in der Regel wurden Fahnen im Gegensatz zum Beispiel zu Gemälden oder Deckenbildern als einfache Gebrauchskunst angesehen. „Sie sind in der Regel auf geringerem künstlerischen Niveau gefertigt worden.“

Fahne wurde von zwei Bruderschaften gestiftet

Nicht so das Rottenbucher Exemplar. Es wurde laut Pfarrer Fegg einst von zwei Bruderschaften gestiftet. Zwar steht derzeit nicht fest, welcher Künstler für die mit einer Ölmalerei geschmückte Fahne verantwortlich ist. Aber im Erzbischöflichen Ordinariat vermutet man „das Umfeld“ von Matthäus Günther. Der bekannte Künstler (1705-1788) stammte aus Tritschenkreuth am Hohen Peißenberg und machte sich als Kirchenmaler des Rokoko einen guten Namen. In der Rottenbucher Stiftskirche hatte sich Günther unter anderem mit einem Freskenzyklus über das Leben des Heiligen Augustinus verewigt.

Das Gewebe ist brüchig, kleine Löcher sind sichtbar

Doch die alte Prozessionsfahne wurde schon lange nicht mehr verwendet, wie Pfarrer Fegg mit Verweis auf deren schlechten Zustand sagt. „Sie stand nur in der Kirche.“ Der Zahn der Zeit hat sichtlich an der Fahne genagt. Das Gewebe ist brüchig, kleine Löcher sind entstanden. Im Ordinariat denkt man schön länger über eine Restaurierung nach. Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Dafür wird die Fahne derzeit untersucht, es gibt ein Schadensgutachten und darauf basierend ein Restaurierungskonzept. Allerdings sind formalrechtliche Hürden zu nehmen: Da die gesamte Kirche „Mariä Geburt“ unter Denkmalschutz steht, gilt dies auch für die Fahne „als integralen Bestandteil der Ausstattung“, so Pressesprecher Steffens. Deshalb musste das Ordinariat bei der Gemeinde einen Antrag auf „Erlaubnis gemäß Denkmalschutzgesetz“ stellen, wie es im Behördendeutsch heißt. Das Ansinnen fiel auf fruchtbaren Boden: Einstimmig und ohne Diskussion segneten die Räte den Antrag ab.

Kosten, betonte Bürgermeister Bader, würden der Kommune durch die Befunduntersuchung keine entstehen. „Die Kirche gehört uns ja nicht.“ Die Untersuchung, heißt es aus München, wird aus dem Etat der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat getragen. Wie es dann weitergeht, ist derzeit noch unklar.

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