Heute vor 90 Jahren: Die Echelsbacher Brücke wird gebaut. Viel Herzblut von Lorenz Utschneider floss damals mit in die Brücke ein.

Kurz vor Kriegsende

Wie Lorenz Utschneider die Echelsbacher Brücke vor der Zerstörung bewahrte

Gerade jetzt, wo die Sanierungsarbeiten an der Echelsbacher Brücke voll im Gange sind, erfährt man viel über dieses einmalige Bauwerk. Nahezu vergessen ist ein Mann, dem es zu verdanken ist, dass es das Bauwerk in seiner heutigen Form überhaupt noch gibt.

Rottenbuch/Bad Bayersoien – Vor 90 Jahren ist mit der Echelsbacher Brücke ein einmaliges Bauwerk entstanden: Mit einer Spannweite von 130 Metern, einer Länge von 183 Metern und 76 Meter über Talgrund ist sie die am weitesten gespannte Melan-Bogenbrücke der Welt.

Mit dieser Brücke wurde eine wichtige Verbindung zwischen dem Pfaffenwinkel und dem Alpenvorland geschaffen. Der Verkehr musste nicht mehr mühevoll über die alte Straße durch die Ammerschlucht geleitet werden. Klar, dass dieses Bauwerk auch strategisch von enormer Bedeutung war.

Lorenz Utschneider ist es zu verdanken, dass es die Echelsbacher Brücke in der Urform noch gibt.

Das zeigte sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges: Im April des Jahres 1945 waren die amerikanischen Truppen aus Richtung Augsburg auf dem Vormarsch Richtung Garmisch-Partenkirchen. Um diesen Vormarsch zu verhindern, wollten fanatische deutsche SS-Truppen durch die Sprengung der Echelsbacher Brücke den Vormarsch der US Armee verzögern.

Dem Straßenoberaufseher Lorenz Utschneider aus Bayersoien war bewusst, was für eine Katastrophe der Verlust der Brücke für die Bevölkerung wäre. Und Utschneider war der einzige, der den Mut aufbrachte, unter Lebensgefahr diese Sprengung zu verhindern. Auf sich alleine gestellt, wagte er das große Risiko gegen die Wachsoldaten der SS.

Dem 1920 in Echelsbach geborenen Hans Greinwald, der Mitglied des Kreistages in Schongau und dort Gründungsmitglied der CSU sowie Kreisheimatpfleger war, ist es zu verdanken, dass das großartige Erbe von Lorenz Utschneider nicht in Vergessenheit geraten ist. Greinwald hat dieses bedeutende Ereignis festgehalten. Durch ihn konnte Hermann Utschneider, der Sohn des „stillen Helden“, viel erfahren.

Lorenz Utschneider war beim Bau der Brücke hautnah dabei

Lorenz Utschneider wurde im Jahre 1894 geboren und musste im Ersten Weltkrieg vier Jahre als Geschützführer bei der Artillerie dienen. Bei dem Bau der Echelsbacher Brücke in den Jahren 1928 und 29 war Lorenz hautnah dabei. Aus diesem Grund hat er die Brückenteile wie seine Westentasche gekannt. Anfang des Zweiten Weltkrieges war er Straßenoberaufseher beim Straßen- und Flussbauamt, dass das Büro in einem der alten Haindl-Häuser in Schongau hatte. „Mein Vater wurde nicht mehr eingezogen, weil er dafür zu alt war“, erzählt Sohn Hermann.

Dann kam der April 1945: Die Amerikaner im Vormarsch Richtung Garmisch-Partenkirchen, und Lorenz Utschneider wollte die Sprengung der Lechbrücke in Schongau verhindern. Das schaffte er aber nicht mehr. Er habe aber damals den Hitlerjungen, die die Brücke bewachen mussten, noch den Rat gegeben, abzuhauen. Denn der alte Hase hatte den Ernst der Lage erkannt.

In Nacht- und Nebelaktion Zünder entfernt

Dann galt sein Einsatz der Echelsbacher Brücke, die unter strenger Bewachung der SS stand. Utschneider hat einen SS-Major gebeten, die Brücke nicht zu sprengen. „Erst war der Major geneigt, dann hat er aber kalte Füße bekommen“, ist es in den alten Aufzeichnungen zu lesen. In einer Nacht- und Nebelaktion hat Lorenz Utschneider erst die Zünder entfernt, dann die Sprengschächte mit Lehm zugeschmiert. Seine Kenntnisse über jedes Teil der Brücke kamen ihm dabei zugute. Hätte ihn die SS erwischt, wäre er sofort erschossen worden.

Straßenoberaufseher Lorenz Utschneider (4. v.l.) mit seinen Mannen auf seinem Einsatzgebiet nahe Echelsbach.

Über den Heimatpfleger hat Sohn Hermann Utschneider erfahren, dass sein Vater bei dieser Aktion mit einer geladenen Pistole auf diese Höllentour gegangen ist. „Hätte die SS ihn entdeckt, hätte er noch sieben Mann mit in den Tod genommen, und die letzte Kugel hätte er sich selbst gegeben“, ist sich Hermann Utschneider sicher.

Lorenz Utschneiders Ein-Mann-Kommando hatte Erfolg: Die Amerikaner fanden bei ihrem Vormarsch eine völlig intakte Echelsbacher Brücke vor. Bis dahin musste sich Lorenz Utschneider verstecken, zu viele „Verräter und Schleimer“ befanden sich in Bad Bayersoien. Ein Auffinden von ihm wäre noch der sichere Tod gewesen.

„Erst ist ein Spähpanzer langsam über die Brücke gefahren, dann rollte der Vormarsch“, ist es in den Aufzeichnungen weiter zu lesen. „Wäre die Brücke gesprengt worden, hätte sich der Vormarsch nur um ein bis zwei Tage verzögert“, erklärt Hermann Utschneider. Denn es gab ja noch die alte Straße. Aber es wäre in Sachen Bauwerk ein unvorstellbarer Verlust gewesen. Wie gesagt, Lorenz Utschneider, ein stiller Held.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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