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Rottenbucher protestieren gegen Sonnenhof

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Bereits zum zehnjährigen Jubiläum des Sonnenhofs protestierte ein Anwohner (Archivbild). © Hans-Helmut Herold

Rottenbuch - Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren von Anwohnern über Lärmbelästigung der Hunde vom Rottenbucher Sonnenhof geschimpft, meist nur intern. Doch jetzt gehen die Bürger öffentlich auf die Barrikaden.

200 Protest-Unterschriften haben Anwohner des Sonnenhofes nun Rottenbuchs Bürgermeister Andreas Keller überreicht. Sie machten keinen Hehl aus ihren Emotionen und warfen Keller auch vor, er stehe auf Seiten des Sonnenhofs.

Viele Stars und Prominente konnten Sonnenhof- Betreiberin Renate Thyssen- Henne und ihre Tochter Gabriele Inaara Begum Aga Khan kürzlich zum zehnjährigen Bestehen der Hundestation und des Vereins SOS Project für Mensch und Tier begrüßen. Nicht ins Bild passte nur der Traktor mit Anhänger von Friedhelm Lachmayr vor der Einfahrt. „10 Jahre Ruhestörung. SOS uns reicht’s!“ hatte er auf ein großes Plakat geschrieben. Es war der Startschuss für eine Protestaktion in Rottenbuch.

Adventsfeier auf dem Sonnenhof - mit viel Prominenz

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Jetzt haben Bürger Unterschriften an Rottenbuchs Bürgermeister Andreas Keller übergeben. Sie machten keinen Hehl aus ihren Emotionen (oben). Sie werfen Keller auch vor, er stehe auf Seiten des Sonnenhofs. © BO

Denn unter Federführung von Georg Kinker, ebenfalls Anwohner in Hochkreit im Nordwesten von Rottenbuch, wurden innerhalb von zwei Wochen die Unterschriften gesammelt und jetzt übergeben. Dabei wurde deutlich, dass sich offenbar viel Frust angesammelt hat: „Wir haben uns viel zu viel gefallen lassen. Überall wird über Lärmschutz diskutiert, und wir müssen bei schönstem Wetter mit Ohrenschützern in den Garten gehen, weil dauernd gebellt wird“, beschwerte sich Rudolf Angerer. Eine Frau sagte, sie sei deswegen sogar weggezogen. Bei ungünstigem Wind sei das Gebell kilometerweit zu hören, bis nach Rottenbuch und selbst nach Böbing. Kinker sagte, nach Gesprächen im Jahr 2005 sei die versprochene Lärmreduzierung nicht eingetreten. „Die Hunde bellen mal um 23 Uhr, mal um 2 Uhr nachts, stundenlang“, beschwerte sich ein Anwohner. Konkret werde mehr Lärmschutz durch die Gemeinde und die Beschränkung auf 30 Hunde gefordert. „Der Sonnenhof bringt der Gemeinde nichts. Die Frau Thyssen-Henne soll ihre Hunde doch mit zu sich nach Hause nehmen“, forderte Kinker.

Adventsfeier auf dem Sonnenhof bei Rottenbuch

Bürgermeister Keller war überrascht über diese massive Kritik und die Unterschriftensammlung. „Bei mir gab es ewig keine Beschwerden mehr“, sagte er zu den aufgebrachten Bürgern. Zumal die meisten viel weiter weg wohnen und nicht alle sich gestört fühlen. Natürlich müssten die Auflagen – seines Wissens nach dürften am Sonnenhof 50 Hunde gehalten werden – und die vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten werden. „Aber das Landratsamt hat den Betrieb genehmigt, es gab ein Schallschutzgutachten, dass die Lärmgrenzen unterschritten werden – da kann die Gemeinde nicht viel machen, außer die Beschwerden weiterzugeben. Kontrollieren müsste das Landratsamt.“

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Bürgermeister Andreas Keller mit Renate Thyssen-Henne (re.) und ihrer Tochter Gabriele Inaara Begum Aga Khan. © Hans-Helmut Herold

Doch so leicht ließen die Bürger ihn nicht aus der Verantwortung. „Das ist doch lachhaft. Wir brauchen die Unterstützung der Gemeinde, da muss täglich einer rausgehen, da soll die Polizei mal Druck machen“, forderte Lachmayr. Er warf dem Bürgermeister auch vor, auf der Sonnenhof-Seite zu stehen: „Du gehst da doch zum Essen hin, posierst auf Fotos und bringst noch Geschenke mit.“

Das wollte der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen: „Das mache ich bei jeder Einrichtung, die Jubiläum feiert“, verteidigte sich Keller, der auch von einem gewissen Neidfaktor sprach und erwähnte, dass der Lärm von der Bundesstraße weitaus höher sei und auch Landwirte manchmal nachts auf den Wiesen unterwegs seien und Lärm verursachen. „Aber doch nicht 365 Tage im Jahr“, entgegneten die Anwohner. Renate Thyssen-Henne war erschüttert, als sie von den Vorwürfen erfuhr. Das Personal sei beim Thema Lärm sehr sensibilisiert, betonte sie. „Sobald es zu Gebell kommt, unternimmt das Team sofort alle möglichen Beruhigungsmaßnahmen“, sagt sie. In den vergangenen Monaten sei es jedoch öfter vorgekommen, dass nachts offenbar mit Absicht auf der Bundesstraße vor dem Sonnenhof gehupt werde, was nicht nur die Mitarbeiter aus dem Schlaf reiße, sondern auch die Hunde zum Bellen provoziere.

Weihnachtsmarkt auf dem Sonnenhof

Thyssen-Henne betont auch, dass die zehn Vollzeit- Mitarbeiter am Sonnenhof qualifiziert seien und außer Ehrenamtlichen keine Praktikanten oder Ein-Euro-Jobber dort arbeiten, wie von den Anwohnern behauptet werde. „Wir haben uns einen Ruf als einmalige Begegnungsstätte für Mensch und Tier mit einem bundesweiten Qualitätsstandard erworben.“ Im übrigen dürfe sie 70 Hunde auf dem Sonnenhof halten, das habe das Veterinäramt genehmigt.

Dieses Schreiben liegt der Redaktion vor. Doch Landratsamts- Sprecher Hans Rehbehn spricht nur von 50 Hunden – nach dem Baurecht wegen des Nachbarschaftsschutzes. Die 70 Hunde seien nur eine theoretische Möglichkeit, aus tierschutzrechtlicher Sicht, sagte er. Zwei Bescheide mit unterschiedlichen Hundezahlen? Das wiederum ruft bei Thyssen-Henne Kopfschütteln hervor.

Laut Rehbehn habe man bisher nicht kontrolliert, ob die vorgeschriebenen Ruhezeiten von 12 bis 14 und 21.30 bis 8 Uhr, in denen die Hunde in geschlossenen Hütten untergebracht sein müssen, eingehalten werden. „Weil es bei uns keine Beschwerden gab.“ Wenn sich Nachbarn berechtigt beklagen, könne man dem nachgehen. „Die Anwohner können sich die Zeiten des Gebells notieren oder Fotos machen“, schlägt er vor.

Bürgermeister Keller wäre eine einvernehmliche Lösung am liebsten. „Frau Thyssen- Henne ist jederzeit bereit für ein Gespräch. Sie will keinen Ärger, das hat sie immer betont.“ Das bestätigte sie im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten. Sie hat Kinker und Lachmayr bereits einen Brief geschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten.

Doch der Ärger der Anwohner ist so groß, dass unklar ist, ob sie sich darauf einlassen: „Wir lassen uns nicht mehr abspeisen“, sagte Angerer. „Wir waren viel zu lange ruhig. Aber jetzt geben wir keine Ruhe mehr.“

Von Boris Forstner

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