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Schnipp, schnapp, ist die Brücke freigegeben: (v.l.) Christoph Prause (Staatliches Bauamt, mit Sohn), Alexandra Bertl (Bezriksrätin), Harald Kühn (MdL), Alexander Dobrindt (MdB), Andrea Jochner-Weiß (Landrätin WM-SOG), Anton Speer (Landrat GAP) und Uwe Fritsch (Leiter Staatliches Bauamt).

Spektakuläre Baustelle

Echelsbach: Hier rollt der Verkehr ab sofort über Deutschlands größte Behelfsbrücke

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Die Behelfsbrücke über die Ammer bei Rottenbuch ist für den Verkehr freigegeben. Die 266 Meter lange Überquerung ersetzt die kommenden drei Jahre die Echelsbacher Brücke. Das 89 Jahre alte Bauwerk wird bis 2021 teilweise abgerissen und neu errichtet. Aber: Der Bau wird teurer als geplant.

Rottenbuch – Samstag, 10.33 Uhr: Motorradfahrer Lorenz Fichtl aus Hohenfurch ist der Erste. Der „Lenz“ mit seiner Ducati „Desmo“ fährt gemächlich über die Behelfsbrücke, die Umstehenden applaudieren. Die B 23-Überquerung über die Ammer zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien, direkt neben der berühmten Echelsbacher Brücke errichtet, wurde soeben von den Mitarbeitern des Staatlichen Bauamts Weilheim offiziell für den Verkehr freigegeben.

Damit kann daneben das eigentlich wichtige Vorhaben starten: der Neubau der Echelsbacher Brücke – inklusive Erhalt des historischen Betonbogens in der Mitte. Wie berichtet, ist die 1929 errichtete Brücke, mit 182 Metern die längste Melan-Bogenbrücke der Welt, nicht mehr auf Höhe ihrer Zeit. Aber weil der denkmalgeschützte Bogen erhalten werden muss, gibt es nur einen Teilabriss samt Errichtung eines leistungsfähigen Überbaus.

Per Tretbulldog wurden die Scheren vorgefahren, zahlreiche interessierte Bürger waren mit dabei.

Es ist ein ebenso kostspieliges wie ehrgeiziges Projekt. Entsprechend schwang bei der Feier Stolz bei den Beteiligten mit. „Unsere derzeit spektakulärste Baustelle“, wie Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts, erklärte, sei bislang einmalig in Deutschland. Fritsch meinte damit die Behelfsbrücke, die seit 10. April 2017 hochgezogen wurde. „SS 80“ – „Schweres Straßenbrückengerät“ mit 80 Metern Regelspannweite – ist nämlich weitaus größer als bei diesem Baukastensystem üblich geworden. Die alternative Echelsbacher Brücke erreicht stolze 266 Meter Spannweite – deutschlandweit die bisher größte Behelfsbrücke dieser Bauart, verdeutlichte Christoph Prause. Der Abteilungsleiter Brückenbau in der Straßenbehörde sparte nicht mit Superlativen. Die sechs Monate Dauer für das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern sei ein „rekordverdächtiger Wert. Die Behelfsbrücke wurde mit rund 70 Lastwagenladungen angeliefert. Etwa 16 000 Schrauben waren für die Montage des Haupttragwerks nötig, weitere 15 000 wurden in den Übersteigschutz der seitlichen Gehwege eingesetzt. Fazit von Prause: „Es war eine logistische Herausforderung.“

Zahlen, die auch Alexander Dobrindt beeindruckten. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag hatte die Finanzierung des Millionenprojekts zu seiner Zeit als Verkehrsminister angeschoben. Dobrindt nannte die Echelsbacher Brücke ein „Baukulturgut“, gar ein „Wahrzeichen für unsere Heimat“. Zudem zeige das Bauwerk einen Einklang von Natur und Technik, meinte er mit Blick auf die 450 Fledermäuse, die unter dem alten Bogen hausen. MdL Harald Kühn (CSU) würdigte den Neubau für die B 23 als „wichtigen Zukunftsbaustein für den Pfaffenwinkel und das bayerische Oberland“ – Infrastruktur sei im ländlichen Raum wichtig, bekräftigte er.

Wie Berühmtheiten sind die ersten Autos von den Schaulustigen fotografiert und gefilmt worden.

Doch es gibt bei allem Stolz einen Wermutstropfen: Das Bauprojekt wird teurer als geplant. Allein rund neun Millionen Euro werden laut Prause für Auf- und Rückbau sowie Wartung der Behelfsbrücke fällig. Für weitere 17,4 Millionen Euro ging erst am 14. Juni der Auftrag für die neue Brücke an die österreichische Strabag. Macht zusammen fast 27 Millionen Euro, bislang waren Kosten von 21,8 Millionen Euro kalkuliert worden. Die Preissteigerung begründete Prause mit der brummenden Konjunktur.

Mit der Freigabe ist es bei der Behelfsbrücke jedoch nicht getan. Alle drei Monate steht eine bautechnische Prüfung an. Sämtliche 16000 Schrauben des Hauptragwerks müssen kontrolliert werden. Aus diesem Grund ist tageweise mit „kleinere Verkehrsbehinderungen“ – nur eine Spur oder Ampel – zu rechnen, hieß es.

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