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Vor dem Aus: Das Pächterehepaar Wolfgang und Yvonne Krawietz muss das Hotel verlassen.

Landhotel vor Schließung 

Schlammschlacht um die Moosbeck Alm - dabei fallen harte Worte

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Die Moosbeck Alm in der Gemeinde Rottenbuch kommt nicht zur Ruhe. Nach nicht einmal einem Jahr packt der Pächter des Gasthauses im Ortsteil Moos seine sieben Sachen. Er geht im Streit mit dem Eigentümer Hans Gruber, der den Pachtvertrag nicht verlängert hat. Gruber möchte das Haus jetzt endlich verkaufen.

Rottenbuch – Der Abschied fällt Pächter Hans Krawietz und seiner Frau Yvonne sehr schwer: „Die Gäste lieben uns“, sagen die beiden, die schlecht auf ihren Verpächter zu sprechen sind. Hans Gruber hat den Vertrag auslaufen lassen, er ist höchst unzufrieden damit, was aus seiner Moosbeck Alm geworden ist. Der 73-Jährige hatte das Gasthaus bekanntlich bis Mitte vergangenen Jahres noch selbst geführt. Das idyllisch im Grünen gelegene Anwesen mit bis zu 21 Komfortzimmern war Grubers Lebenstraum. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich jedoch zurückziehen. Krawietz und seine Frau übernahmen das Landhotel. 6000 Euro Pacht zahlten sie nach eigenen Angaben jeden Monat.

Gruber will das so nicht bestätigen. „Ich muss immer meinem Geld hinterherlaufen“, klagt der 73-Jährige. Dabei sei er mit der Pacht schon um ein Drittel heruntergegangen. Gruber hat im Hotel noch ein eigenes Appartement. Und was er bei seinen Besuchen sieht, gefällt ihm überhaupt nicht. Der Verpächter klagt über nicht abgeräumte Tische, mangelnde Hygiene in den Toiletten und einen „vergammelnden Wellnessbereich“. Obendrein sei der Garten ungepflegt, der Weinstock würde vertrocknen, empört sich Gruber über Pächter Krawietz. „Auf gut bayerisch gesagt, er macht das Haus kaputt, und das tut weh“, sagt der 73-Jährige. Eine Bank, die für Gruber die Moosbeck Alm nun verkaufen soll, habe ihm geraten: „Lieber zusperren, bevor noch mehr kaputt geht.“ Krawietz und seiner Frau bleibt jetzt nicht mehr viel Zeit. Schon am kommenden Montag müssen sie die Moosbeck Alm verlassen. Der Pachtvertrag sei eigentlich bereits am 31. Mai ausgelaufen, betont Gruber. Er habe sich kulant gezeigt und wollte noch bis 18. Juni warten, weil Krawietz noch Gäste-Buchungen habe.

Der Pächter, der am vergangenen Montag seinen 65. Geburtstag feierte, spart unterdessen auch nicht mit Kritik an seinem Verpächter. Es seien Versprechen gemacht und nicht gehalten worden. Es seien mehr Zimmer in Aussicht gestellt worden, die Blockhütte habe keine Dusche. Er selbst könne nirgends Hand anlegen. „Ich darf nicht mal ein Loch in die Wand bohren“, beschwert sich der 65-Jährige über Gruber, der nur zum Motzen vorbeikomme.

Krawietz behauptet, mittlerweile Gäste zurückgewonnen zu haben, die Gruber einst „vergrault“ habe. Die Vereine seien wieder da, und die Rottenbucher Bürger empfindet der Pächter als sehr nett. Auch aus Peiting und Schongau habe er Gäste. „Es hat sich halt herumgesprochen, dass der Kuchen jetzt selbst gemacht wird“, sagt der gelernte Konditor und Koch. Über einen Mangel an Übernachtungsgästen will sich der 65-Jährige auch nicht beklagen. Am vergangenen Wochenende hatte er zum Beispiel Besuch aus Holland, vorige Woche sei ein Bus voller Rheinländer angereist. Zudem begrüßt der Wirt viele Pilger und Radfahrer, die auch über Nacht bleiben. Für den Zuspruch sieht das Ehepaar einen einfachen Grund: „Wir sind freundlich.“ Und wer Hunger habe, bekomme auch um 23 Uhr noch etwas zu essen.

Die Hoteliers waren zuletzt allerdings nicht gerade vom Glück verfolgt. Ein Gasthaus in Oy-Mittelberg (Landkreis Oberallgäu) hatten sie ebenfalls räumen müssen, weil der Eigentümer Eigenbedarf angemeldet hatte. Jetzt stehen die zwei auch in Rottenbuch vor dem Nichts. Er habe für die Modernisierung der Küche in der Moosbeck Alm 70 000 bis 80 000 Euro ausgegeben, klagt der 65-Jährige. Trotz allem: Zur Ruhe setzen will er sich jetzt nicht, sondern eine neue Herausforderung in der Gastronomie suchen: „Wenn ich was passendes finde, steige ich gleich wieder ein.“

Mit Bedauern hat Bürgermeister Markus Bader die Nachricht aufgenommen, dass das Landhotel womöglich kommende Woche schließen wird. Er zeigt aber auch Verständnis dafür. „Um es verkaufen zu können, muss man es erst einmal zumachen“, meint der Rathauschef. Zumal „Rottenbuch nicht Oberammergau ist“, so Bader. Den Streit zwischen Verpächter und Pächter will der Bürgermeister nicht kommentieren. Der Vertrag sei ausgelaufen und nicht verlängert worden. „Das ist in meinen Augen ein ganz normaler Vorgang.“

Bader wünscht sich für die Gemeinde, dass das Hotel langfristig erhalten bleibt. Schließlich ist es das einzige, und viele Gasthäuser gibt es im Ort bekanntlich auch nicht. „Das ist ein sehr großes Problem in Rottenbuch“, bedauert Bader. Dass die Gemeinde die Moosbeck Alm kauft, schließt er aus.

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