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Bürgermeister Markus Bader bei der Info-Veranstaltung.

Supermarkt-Ansiedlung

Heißer Schlagabtausch vor Bürgerentscheid in Rottenbuch

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Bekommt Rottenbuch einen Supermarkt oder setzen sich die Gegner des Projekts durch? Die Antwort verspricht, spannend zu werden. Knapp eine Woche vor dem Bürgerentscheid am kommenden Sonntag haben sich Befürworter und Kritiker bei einem Informationsabend einen teils emotionalen Schlagabtausch geliefert.

Update vom 22. September 2017: Die Bürger entscheiden am Sonntag darüber, ob ein Discounter am südlichen Ortsrand in die Gemeinde kommt oder nicht. Hier finden Sie das Ergebnis des Rottenbucher Bürgerentscheids zum Edeka-Supermarkt.

Rottenbuch – Es war um kurz nach 20 Uhr am Montagabend, als Markus Bader durchzählte. Rund 100 Besucher registrierte der Bürgermeister in der Rottenbucher Gemeindehalle und noch immer strömten weitere hinein. Natürlich nahmen mit Reinhard Beck, Georg Schwaiger und Albrecht Bögle auch die Wortführer des Supermarkt-Protests an den Tischen in der Halle Platz – in unmittelbarer Nähe des komplett versammelten Gemeinderats. Die Unterschriftensammlung der drei Einzelhändler hatte das Gremium erst zum Ratsbegehren bewogen, das nun am Sonntag in den ersten Bürgerentscheid in Rottenbuchs Geschichte mündet. „Dieser Schritt war richtig“, betonte Bader am Montag noch einmal. Nach der Bürgerversammlung habe sich herausgestellt, dass noch viel Diskussionsbedarf vorhanden sei. Das sollte sich auch an diesem Abend zeigen.

Als erstes war es jedoch an Bader, noch einmal aus Sicht des Gemeinderats die Gründe für die Ansiedlung des Supermarkts darzulegen. Ausgangspunkt für den Kauf des rund 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks an der B23 im Januar sei die Suche nach einem neuen Standort für Feuerwehr, Bauhof und Musikkapelle gewesen, die seit Jahren unter Platzmangel leiden. Deren Umzug auf das ehemalige Gärtnereigelände wolle man auch ungeachtet des Ausgangs des Bürgerentscheids vorantreiben, betonte Bader. Die übrigen Flächen habe man von Beginn an für die Nahversorgung reserviert. „Für Rottenbuch ist das eine große Chance, die Nahversorgung auf Jahrzehnte hinaus zu sichern“, warb der Bürgermeister.

Landesamt für Denkmalpflege hatte Bedenken angemeldet

Natürlich sei man sich bewusst, dass die Lage mit Blick auf den Ort eine sensible Herangehensweise erfordere. „Das kann keine 08/15-Planung werden.“ Die Regierung von Oberbayern habe aber bereits grundsätzlich ihre Zustimmung signalisiert, solange man dies berücksichtige. Nicht verschweigen wollte Bader, dass das Landesamt für Denkmalpflege Bedenken angemeldet habe und eine Beeinträchtigung des Ortsbildes befürchte. Die Planung wolle man daher nicht mit der Brechstange durchsetzen, sondern auch im weiteren Verlauf die Bürger beteiligen.

Bei Albrecht Bögle und seinen Mitstreitern verfingen die Argumente erwartungsgemäß nicht. Die Einzelhändler sorgen sich um ihre berufliche Zukunft, sollte der Supermarkt verwirklicht werden. „Hier werden Familienbetriebe gegen Großkonzerne ausgespielt“, sagte Bögle, der vor einer Verödung der Ortsmitte warnte. Wenn dort schon Flächen bebaut würden, sollte man sie lieber für Kleingewerbe nutzen, denn Gewerbegrund in Rottenbuch sei rar. Bögle warnte außerdem vor „enormen Lärmbelastungen“ durch Park- und Anlieferverkehr für die Anwohner.

Natürlich sei es immer eine schwierige Entscheidung, wenn sie Einzelpersonen betreffe, entgegnete Bader. Ob der Supermarkt eine Gefahr für die Läden im Dorfzentrum darstelle, seien jedoch allenfalls Vermutungen. „Wir haben dort genügend Potential – auch für Neues.“

Das sah in der folgenden Diskussion freilich nicht jeder so. Die meisten Wortmeldungen rief jedoch die Sorge um das pittoreske Ortsbild hervor. „Muss an dem schönen Fleckchen Gewerbe entstehen?“, fragte sich nicht nur Altbürgermeister Andreas Keller, der auch die geplante Bebauung für Bauhof und Feuerwehr an dieser Stelle für einen Fehler hält. „Lieber keine Entwicklung als eine falsche.“ Bader gab zu bedenken, dass es an Alternativen mangele. „Wir haben sonst kaum Raum für Entwicklung.“

Es gab auch Stimmen für den Supermarkt

Hitzig wurde die Debatte, als mehrere Bürger den leer stehenden Fohlenhof als Alternative ins Spiel brachten. Der Erwerb durch die Gemeinde sei Ende vergangenen Jahres am Preis gescheitert, sagte Bader. Außerdem sei das Gebäude weder für Feuerwehr noch Bauhof geeignet und nur bedingt für einen Supermarkt.

Doch es gab auch Stimmen pro Supermarkt. Die Gefahr, dass die Geschäfte im Dorf in den nächsten 20 Jahren verschwinden, sei sehr real, sagte ein Bürger. „Dann sind wir alle froh, wenn wir so einen Markt haben.“ Dem stimmte auch Gemeinderat Alfred Speer. Allerdings müsse man deshalb die Läden „nicht mit Gewalt kaputt machen“ und die Ansiedlung forcieren. „Die Märkte wollen hierher, die Chance ist auch in zehn Jahren noch da.“

Am Sonntag wird sich zeigen, ob das die Mehrheit der Rottenbucher ebenso sieht. Eines sei jetzt schon sicher, sagte Bader am Ende der knapp dreistündigen Veranstaltung: „Das wird spannender als die Bundestagswahl.“

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