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Supermarkt für Rottenbuch

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Von: Andreas Baar

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Platz für Supermarkt und Feuerwehrhaus: Das ehemalige Gärtnereiareal an der B 23 hat die Gemeinde erworben. © ab

Die Gemeinde Rottenbuch macht einen großen Schritt bei ihrer Dorfentwicklung: Ein 13.000 Quadratmeter großes Grundstück an der B 23 wurde erworben – gedacht für einen Edeka-Markt sowie einen Neubau für Feuerwehr, Bauhof und Musiker.

Update vom 22. September 2017: Die Bürger entscheiden am Sonntag darüber, ob ein Discounter am südlichen Ortsrand in die Gemeinde kommt oder nicht. Hier finden Sie das Ergebnis des Rottenbucher Bürgerentscheids zum Edeka-Supermarkt.

Rottenbuch – Pünktlich zu seiner Halbzeitbilanz nach drei Jahren Amtszeit hatte Rottenbuchs Rathauschef Markus Bader am Montagabend bei der Bürgerversammlung die ganz große Neuigkeit parat: Die Gemeinde baut ihre Nahversorgung kräftig aus. Zudem sollen Feuerwehr, Bauhof und Musiker ein gemeinsames Domizil erhalten. Geplant ist alles auf dem ehemaligen Gärtnereigelände am südlichen Ortsrand, direkt an der B 23.

Rund 13 000 Quadratmeter Fläche in bester Lage zwischen Sportgelände und Ortsrand mit der Fohlenwiese. Da musste die Gemeinde zugreifen. Und zwar schneller als geplant, nachdem das Fohlenhof-Geschäft geplatzt war. Am 27. Dezember war der Notartermin, der Kauf von privater Hand ging im Januar über die Bühne. Doch die Wurzeln des Projekts reichen weiter zurück. Bereits 2015 nahm ein Projektentwickler des Memminger Bauunternehmens Kutter mit der Gemeinde Kontakt auf. Idee: Auf dem Areal einen Supermarkt hinstellen. Im Herbst 2016 fasste der Gemeinderat laut Bürgermeister „mit deutlicher Mehrheit“ einen Grundsatzbeschluss: Eine Fläche für die Gemeinde nutzen, den Rest für die Nahversorgung. Ein Drittel wird für ein neues Feuerwehrhaus bereit gehalten. Das jetzige neben der Gemeindehalle „ist am Anschlag“, machte Bader klar. In dem Gebäude sollen der im Dorf verteilte Bauhof und ein Raum für die Musiker unterkommen. Bader denkt an eine Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Baus.

Der größte Teil des Areals aber, nämlich zwei Drittel, wird gewerblich genutzt. Dies hatte der Gemeinderat in seiner März-Klausur entschieden. In der jüngsten Sitzung standen im nicht-öffentlichen Teil Vertreter von Kutter und von Edeka Rede und Antwort. Mehrheitlich entschlossen sich die Räte für Edeka. Nach Baders Angaben errichtet der Handelskonzern im Klosterdorf einen Vollsortimenter. „Wir wollen keinen Discounter.“ 20 bis 25 Arbeitsplätze seien geplant. Zudem einen Backshop, in den auch die lokalen Bäckereien einsteigen könnten.

Es gibt jedoch noch nichts Schriftliches, gab der Bürgermeister bekannt. „Aber zu 95 Prozent ist sicher, wohin die Reise geht.“ Die nächsten Schritte wären am besten noch heuer ein Raumkonzept und die Planungen zur Flächenaufteilung samt Straßenverlauf. Dann braucht es einen städtebaulichen Vertrag. Parallel dazu müssen ein Bebauungsplan aufgestellt und der Flächennutzungsplan geändert werden. Bader: „Ich glaube nicht, dass vor 2019 die Bagger anrollen.“

Ganz harmonisch verlief die Entscheidung nicht. Bader räumte „kontroverse Meinung“ und lange Diskussionen im Gemeinderat ein. Knackpunkt war vor allem die Sorge um ein Ausbluten des historischen Ortskerns, sollte ein Supermarkt auf die grüne Wiese kommen. „Ein Vollsortimenter wird ziemlich viel durcheinanderwirbeln“, ahnt auch der Rathauschef. Bader sieht dennoch große Chancen für seinen Ort. Der Standort „ist eigentlich nicht außerhalb“, sondern habe eine zentrale Lage. Bader erwartet, dass sich der historische Dorfkern durch die Ansiedlung belebt, auch beim Tourismus. Und: Das gemeindliche und kirchliche Leben verbleibe ja weiter rund um den Klosterhof.

Bader erwartet keine Probleme mit Denkmalschutz

Dass es Probleme mit den Denkmalschutz geben wird, erwartet Bader nicht. Vor einigen Jahren hatte die Regierung ein ebenfalls vor den Toren Rottenbuchs geplantes Gewerbegebiet abgelehnt – mit Verweis auf die Optik mit dem Klosterensemble. Doch das Gärtnereiareal liegt näher an der B 23 und stört nicht, sagt Bader. Er hat die schriftliche Zusage der Regierung, „dass das Gebiet baulich entwickelt werden kann“.

Rottenbuch hätte mit einem Supermarkt ein Alleinstellungsmerkmal an der B 23: Die nächsten sind in Peiting und Steingaden, in Bad Bayersoien gibt es einen Dorfladen. Allerdings existiert im Klosterdorf bereits ein traditionelles Geschäft – der Edeka-Markt Bögle.

Fohlenhof-Kauf scheiterte am Preis

Die Gemeinde Rottenbuch hat schon länger ihre Fühler nach dem östlichen Bereich des historischen Fohlenhofs ausgestreckt. Während der Bereich an der B 23 gewerblich von einem Autohaus genutzt wird, steht dieser leer. Die Verhandlungen mit dem Privatbesitzer waren im vergangenen Jahr weit fortgeschritten, wie Bürgermeister Markus Bader bei der Bürgerversammlung sagte. Es gab einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, den Gebäudeteil zu kaufen - obwohl die Nutzung unklar ist. Bader dachte unter anderem an den Bau einer Turnhalle im eingestürzten Mitteltrakt, weil sich nach seiner Meinung die Sanierung der Gemeindehalle nicht mehr lohnen wird. Für den Fohlenhof-Teil hätte man sich zudem einen Investor suchen können. Nach 2,5 Jahren Verhandlungen setzte sich der Gemeinderat den 31. Dezember als Stichtag für eine Entscheidung. Das Gremium hatte laut Bader eine Kaufsumme genannt, „die durchaus reell war“. Eine Zahl nannte er nicht, machte aber klar: „Wir hätten es nie für einen Euro bekommen.“ Klar, bei einem voll erschlossenen Mischformareal aus Gewerbe und Bauland mit guter Verkehrsanbindung.

Man war kurz vor der Unterschrift, hatte sich mündlich verständigt. Doch dann lag dem Bürgermeister ein schriftliches Angebot vor, „wo ganz andere Zahlen drin waren“ – auch zu Laufzeiten, Pachten und Zinszahlungen. „Letztendlich ist es am Preis gescheitert.“ Bader und seine Räte nahmen Abstand von dem Kauf – und entschieden stattdessen, schon jetzt das Gärtnereigelände für die weitere dörfliche Entwicklung zu erwerben. Doch den Fohlenhof hat der Rathauschef nicht aus dem Blick verloren. Bader will weiter nach Investoren Ausschau halten. Es gebe Gespräche „in Richtung München“ – wünschenswert sei eine Stiftung. „Dann könnte die Gemeinde wieder mit im Boot sein.“ Obwohl die Kommune bei der Entwicklung des Anwesens aus dem Spiel ist, macht Bader deutlich, dass Rottenbuch die Hand drauf halten wird: „Ohne die Gemeinde läuft gar nichts.“

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