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Bleibt in der Supermarkt-Frage entspannt: Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader.

Aktuelles Interview mit Markus Bader

„Es wurde mit allen geredet“

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In Rottenbuch wird über den geplanten Supermarkt diskutiert. Ansässige Geschäftsleute sammeln Unterschriften gegen das Projekt auf der grünen Wiese. Sie fürchten um ihre Existenz, das Dorfleben – und kritisieren die Gemeinde für ihre Infopolitik. Bürgermeister Markus Bader weist im Interview die Vorwürfe zurück. Er sagt: Es wurde mit allen geredet. Außerdem ist der Rathauschef überzeugt, dass der Ortskern genug Potential für Geschäfte bietet.

Update vom 22. September 2017: Die Bürger entscheiden am Sonntag darüber, ob ein Discounter am südlichen Ortsrand in die Gemeinde kommt oder nicht. Hier finden Sie das Ergebnis des Rottenbucher Bürgerentscheids zum Edeka-Supermarkt.

Überrascht Sie die heftige Kritik an der Gemeinderatsentscheidung für einen Supermarkt?

Markus Bader: Von heftiger Kritik kann eigentlich keine Rede sein. Es gibt Nachfragen und berechtigte Sorgen. Und natürlich Kritik von Leuten, die ihre Interessen vertreten. Was legitim ist. Die Rückmeldungen, die ich und die Gemeinderäte kriegen, sind Stand jetzt zu 80 Prozent positiv.

War eine solche Reaktion seitens der ansässigen Geschäftsleute nicht zu erwarten? Warum hat man diese nicht vorher ins Boot geholt?

Markus Bader:Das ist schon ein Punkt, der mich ärgert. Es ist mit allen drei Geschäftsleuten geredet worden. Der Hauptbetroffene (Anmerkung der Redaktion: Albrecht Bögle) wurde von mir persönlich schon ein halbes Jahr vorher informiert und vor der Bürgerversammlung noch mal. Wenn man Gesprächsangebote und Alternativen, die der Gemeinderat angeboten hat, nicht diskutieren will und hinterher den gesamten Gemeinderat öffentlich in einem Leserbrief der Korruption bezichtigt, ist das kein guter Stil. Für mich als Bürgermeister gehört das dazu, so etwas auszuhalten. Aber für meine ehrenamtlichen Gemeinderäte, die sich den Kopf zerbrechen und gute Arbeit leisten, tut es mir leid. Wir sind froh, dass es eine Debatte gibt, aber diese soll möglichst sachlich verlaufen.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass die Informationspolitik der Gemeinde bezüglich des Supermarkts schlecht war?

Markus Bader: Diesen Vorwurf weise ich zurück. Wir haben sogar Lob bekommen für die gute Informationspolitik bei der Bürgerversammlung. Auch die Vereine wurden vor der Veranstaltung ins Boot geholt.

Warum wurde die Bevölkerung in der Bürgerversammlung vor vollendete Tatsachen gestellt?

Markus Bader: Das sehe ich nicht so. Die einzige Tatsache, die wir geschaffen haben, ist der Grundstückskauf. Der Grundsatzbeschluss für die Nutzung des Gärtnereigeländes ist keine Tatsache, weil wir bewusst noch keine Verträge unterschrieben haben. Damit haben wir das Heft des Handelns in der Hand. Es wird auf keinen Fall einen Schnellschuss geben und keine Lösung um jeden Preis.

Hätte man die Rottenbucher/Schönberger nicht einbeziehen können, zum Beispiel mit einer Umfrage?

Markus Bader: Umfragen sind immer schwierig. Bei Grundstücksgeschäften geht so was sowieso nicht. Überhaupt ist das Ganze ein komplexes Thema und Umfragen scheitern oft schon bei einfachen Fragen.

Wie gehen Sie mit den Kritikern um?

Markus Bader: Meine Tür steht immer offen. Jeder darf und soll seine Interessen vertreten.

Gab es schon einen Kontakt mit den Geschäftsleuten?

Markus Bader: Seitdem sie die Unterschriftenaktion gestartet haben nicht. Aber sie wollen die Listen ja bald abgeben.

Wieso glaubt der Bürgermeister, dass der Dorfkern nicht verödet und das Ortsbild durch das Gewerbegebiet nicht gestört wird?

Markus Bader: Der Dorfkern lebt, um nur zwei Dinge zu nennen, von Regens Wagner mit über 100 Mitarbeitern und 300 Schülern und den Touristen. Das allein ist genug Potential für die einheimischen Geschäftsleute. Das muss man halt auch richtig anzapfen. Zum Ortsbild: Man muss behutsam vorgehen und es wird keine 08/15-Lösung geben. Schon allein wegen des Denkmalschutzes. Mit dem Totschlagargument „Ortsbild“ hat man seit über 50 Jahren eine Entwicklung verhindert. Ich will nicht in einem Ort leben, über den eine Käseglocke gestülpt wird.

Welche Chancen bietet ein Supermarkt aber auch das geplant Gewerbegebiet für die Gemeinde?

Markus Bader: Die größte Chance ist die Dynamik. Weil sie neue Optionen eröffnet. Rottenbuch hat eine total atypische Siedlungsstruktur. Das Gärtnereigelände liegt in der Mitte, was Verkehrslage und Wohnbevölkerung betrifft. Dort gehört eine zukunftsfähige Nahversorgung auch hin. Ausschlaggebend für den Grundstückskauf war übrigens der Bedarf für Feuerwehr und Bauhof.

Wie ist der Stand der Dinge und wie geht es weiter?

Markus Bader: Wir klären erstmal den gemeindlichen Bedarf für das Grundstück. Dafür haben wir einen Ausschuss, in dem sitzen Gemeinderat, Musik und Feuerwehr. Nächste Woche besichtigen wir zwei neugebaute Feuerwehrhäuser. Parallel dazu führen wir Gespräche mit den Behörden. Dann geht es daran, alle Belange sorgsam zusammenzuführen, am wahrscheinlichsten über einen Architektenwettbewerb. Erst dann kommen die Interessenten für den Supermarkt ins Spiel. Die würden natürlich so schnell wie möglich beginnen, aber wir bleiben bei unserem Zeitplan.

Wie sieht dieser aus?

Markus Bader: Bis Ende des Jahres wollen wir den gemeindlichen Flächenbedarf klären und dann ins Planungsverfahren starten. Am idealsten wird alles miteinander gebaut. Ich erwarte jedoch noch harte und lange Diskussionen um die architektonische Integration der Gebäude. Aber die Zeit nehmen wir uns gern.

Haben Sie Angst vor einem Bürgerbegehren gegen das Projekt?

Markus Bader: Wer Angst vor den Bürgern hat, sollte nicht in einer Demokratie tätig sein. Der Gemeinderat wird sich natürlich mit den Unterschriftenlisten beschäftigen – das ist ja auch das Ziel der Initiatoren.

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