Versenkt: Andreas Spengel beim Vergraben der Teebeutel im Blumenbeet. Der Schönberger und seine Frau Stefanie beteiligen sich als Bürgerforscher an einer bundesweiten Aktion zur Bodenforschung.
+
Versenkt: Andreas Spengel beim Vergraben der Teebeutel im Blumenbeet. Der Schönberger und seine Frau Stefanie beteiligen sich als Bürgerforscher an einer bundesweiten Aktion zur Bodenforschung.

„Expedition Erdreich“

Schönberger beteiligt sich an Projekt: Teebeutel vergraben für die Wissenschaft

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
    schließen

Stefanie und Andreas Spengel haben in ihrem Garten in Schönberg Teebeutel vergraben. Was seltsam klingt, dient der Wissenschaft.

Schönberg – Dass Stefanie und Andreas Spengel gerne Zeit im Garten verbringen, ist nicht zu übersehen. Seit 2008 lebt das Ehepaar in Schönberg. Mit viel Liebe zum Detail haben sie sich seitdem ein buntes Paradies aus blühenden Pflanzen aller Art rund um ihr Haus geschaffen. Auch an diesem sonnigen Tag treibt es die Spengels, die eine Reiseagentur führen, raus in den Garten. Während sich in der Ferne die Berge malerisch am Horizont abzeichnen, kniet Andreas Spengel vor einer kahlen Stelle im ansonsten dicht bewachsenen Blumenbeet. Mit einer kleinen Schaufel hat der 54-Jährige sechs rund acht Zentimeter tiefe Löcher in die Erde gegraben. Doch pflanzen wird Spengel darin heute nichts. Stattdessen versenkt der Schönberger unter dem wachsamen Blick seiner Frau nach und nach in jedem der sechs Löcher einen Teebeutel. Vorsichtig bedeckt er sie anschließend mit Erde, bis nur noch die an den Fäden befestigten Etiketten herausschauen. „Müssen wir sie jetzt noch angießen?“, fragt Stefanie Spengel und lacht.

Zugegeben, etwas seltsam sei es ihr schon vorgekommen, als ihr Mann ihr von seinem Vorhaben erzählt habe, Teebeutel im Garten zu vergraben, sagt die 52-Jährige. Doch als der Schönberger seine Frau über den Hintergrund aufklärte, war auch bei Stefanie Spengel das Interesse geweckt. In einer Zeitschrift war der 54-Jährige Anfang des Jahres auf die Citizen-Science-Aktion „Expedition Erdreich“ aufmerksam geworden. Das Bürgerforschungsprojekt, das das erste seiner Art in der Bodenforschung in Deutschland ist, soll dank der Mithilfe von Freiwilligen Daten über den Zustand der Böden in der gesamten Bundesrepublik liefern. Es ist Teil des Wissenschaftsjahres, das jährlich vom Bildungsministerium unter einem anderen Motto ausgerichtet wird. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in nationale und internationale Forschungsprojekte zur nachhaltigen Bodennutzung ein. „Durch diese Aktion bringen wir eine ganze Menge Menschen näher an das faszinierende System Boden und bekommen dabei aus den zahlreichen ‚lokalen‘ Einblicken einen guten Überblick über den Zustand der Böden in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Hans-Jörg Vogel, Leiter des Departments für Bodensystemforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, der die Aktion mit seinem Team begleitet.

Mehr über den Boden im eigenen Garten erfahren und der Wissenschaft einen Dienst erweisen

Die Vorstellung, mehr über den Boden im eigenen Garten zu erfahren und gleichzeitig der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen, begeisterte Andreas Spengel. Wenige Wochen, nachdem er sich für die Mitmach-Aktion angemeldet hatte, trudelte das Aktions-Kit in Schönberg ein. Darin waren neben jeder Menge Utensilien und anschaulichen Infomaterialien die besagten Teebeutel für die Hobby-Forscher.

Sie sind das Herzstück der Aktion, denn mithilfe der sogenannten Tea-Bag-Index-Methode lässt sich wissenschaftlich bestimmen, wie schnell Bodenorganismen Pflanzenreste abbauen. Mit der mitgelieferten Feinwaage hatte Andreas Spengel die einzelnen Beutel deshalb abgewogen, bevor er sie nun an zwei Standorten im Garten vergrub. In drei Monaten werden die Spengels sie wieder aus der Erde holen und erneut wiegen. Aus dem Gewichtsunterschied lässt sich dann die Zersetzungsrate bestimmen.

Eine Spatenprobe soll Aufschluss über die Zahl der Bodentiere und die Durchwurzelung geben

Mit einem speziellen Teststreifen ermittelt das Ehepaar den PH-Wert ihres Bodens. 

Weil diese von zahlreichen Bodeneigenschaften abhängt, warten auf die Hobby-Forscher noch weitere Aufgaben. Eine Spatenprobe soll Aufschluss über die Zahl der Bodentiere und die Durchwurzelung geben, auch Angaben zur Bodenart, -farbe- und feuchtigkeit werden abgefragt. Mit einem Testkit ermittelt Andreas Spengel den PH-Wert des Bodens. „8,0, alkalisch“, liest seine Frau von der Test-Schablone ab. Und bei ihrem Mann geht ein erstes Licht auf. „Wahrscheinlich sind deshalb die Hortensien immer eingegangen, die benötigen einen sauren Boden.“

Sorgfältig trägt der 54-Jährige die Resultate der einzelnen Tests auf einem Datenblatt ein, genau wie auch die exakten GPS-Koordinaten der vergrabenen Teebeutel. Später wird er die gewonnenen Daten auf der Internetseite der Aktion in eine Datenbank übertragen. So lassen sich die Ergebnisse aller Teilnehmer und ihren rund 9000 Standorten miteinander vergleichen. Schon jetzt sind die Spengels gespannt, wie ihr Boden im Vergleich zu anderen in der näheren Umgebung abschneiden wird. In den nächsten drei Monaten heißt es aber erst einmal: Abwarten und Tee trinken.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare