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Mit diesen Kajaks war das Trio am Unglückstag unterwegs. Ein 65-Jähriger hatte sich damit unter einem Baum verfangen, der im Wasser lag, und war ertrunken.

Nach tödlichem Kajak-Unglück

Totholz in Ammer wird fast nie entfernt

Die Ermittlungen nach dem tödlichen Kajak-Unglück in der Ammer nahe Rottenbuch dauern an. Die Frage ist: Kümmert sich jemand um das Totholz, das dem 65-jährigen Kaufbeurer zum Verhängnis geworden ist?

Rottenbuch – Immer wieder fordert die Ammer Todesopfer. Jetzt starb am Dienstag ein 65-jähriger Kaufbeurer, der sich unglücklich mit dem Kopf unter Wasser in einem Baum verfangen hatte (wir berichteten). Laut Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern wird derzeit versucht, anhand der Zeugenaussagen zu rekonstruieren, was genau passiert ist. Der 65-Jährige war vom Kraftwerk der Rottenbucher Ammermühle aus losgefahren, ehe sich nach nur 400 Metern das Unglück ereignete. Die Ermittlungen dauern an.

Der bisher letzte tödliche Unfall mit einem Kajakfahrer passierte im Juni 2012, als ein 70-Jähriger gekentert und ertrunken war. Damals allerdings führte die Ammer Hochwasser und war so gefährlich wie derzeit die Isar, wo der Wasserstand durch die verzögerte Wasserabgabe des Sylvenstein-Stausees immer noch enorm hoch ist – mit entsprechenden Gefahren für Wassersportler.

In der Ammer dagegen herrscht momentan ein völlig normaler Wasserstand, der aber auch seine Tücken hat, wie Bernhard Müller, Abteilungsleiter Bereich Weilheim-Schongau des Wasserwirtschaftsamtes in Weilheim, weiß. „Die Ammer ist ein Wildfluss. Durch Totholz und Geschiebe verändert sich nach jedem größeren Abfluss das Bett.“ Und in den vergangenen Wochen hatte die Ammer aufgrund der ausgiebigen Regenfälle mehrmals einen sehr hohen Wasserstand.

Im Unfallbereich ist der Flusslauf gewunden und weist auch jetzt eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit auf, so Müller. Dazu kommt, dass ein Hangrutsch viel Geschiebe mitbringt, also Feststoffe, die der Fluss an seinem Grund transportiert. Unterhalb der Unfallstelle entstehen auf diese Weise viele neue Kiesbänke.

Laut Müller besteht eine Absprache mit dem Kanuverband: „Wir werden benachrichtigt, wenn sich Totholz an gefährlichen Stellen befindet. Wenn es uns möglich ist, holen wir das raus.“ Aber das sind absolute Ausnahmen, betont Müller. Denn in der Regel sind diese Arbeiten in der Schlucht zu gefährlich. Was den Baum betrifft, an dem der 65-jährige Kaufbeurer verunglückte, lag Bernhard Müller keine Meldung vor. Der Kajakfahrer, der unter dem Baum unglücklich eingeklemmt worden war, hatte selbst von seinen Begleitern, einem Ehepaar (61 und 63 Jahre), nicht mehr aus der tödlichen Falle befreit werden können.

Doch hatten nicht die auf grün stehenden Kanuampeln eine gefahrlose Fahrt signalisiert? „Die Kanuampeln entlang der Ammer dienen nur dem Naturschutz“, sie stellen ausdrücklich keine Warnung vor Gefahr dar, stellt Müller klar. Damit die Ampeln auf Grün gestellt werden, muss an der Messstation in Peißenberg ein Durchfluss von sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunde erreicht sein. Das entspricht einem Pegelstand von circa 72 Zentimetern an der Messstation. Die Aufzeichnungen Müllers vom Zeitpunkt des Unfalles weisen neun Kubikmeter pro Sekunde Abfluss aus – „immer noch eine geringe Abflussrate“, so Müller, im Vergleich zu den Wasserhöhen der Vorwochen.

Franziskus Reich

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