Kann sie restauriert werden? Die Untersuchung der Rottenbucher Prozessionsfahne ist abgeschlossen, nun werden die Ergebnisse ausgewertet.
+
Kann sie restauriert werden? Die Untersuchung der Rottenbucher Prozessionsfahne ist abgeschlossen, nun werden die Ergebnisse ausgewertet.

Bedeutendes Stück

Kann die Rottenbucher Votivfahne restauriert werden? Warten auf die „Diagnose“

  • vonKatrin Kleinschmidt
    schließen

Die Untersuchungen sind abgeschlossen, nun wird der Bericht ausgewertet: Erst dann ist abzusehen, ob und wie die Votivfahne aus der Rottenbucher Pfarrkirche restauriert werden kann.

Rottenbuch – Das Gewebe ist brüchig, am unteren Rand fällt sofort ein Loch ins Auge. Auch für den Laien ist erkennbar, dass die Prozessionsfahne nicht im besten Zustand ist. Deshalb wurde sie in der Rottenbucher Pfarrkirche „Mariä Geburt“ auch schon lange nicht mehr verwendet. Doch für ein solch tristes Dasein ist die Votivfahne zu besonders. Das Erzbischöfliche Ordinariat München veranlasste eine Untersuchung, um den genauen Zustand des historischen Stücks zu erfahren. Sie war Anfang des Jahres abgeschlossen.

Viele Erkenntnisse liegen daraus noch nicht vor. „Ein Bericht mit den Befunden zur Machart der Fahne und den daran im Laufe der Zeit entstandenen Schäden wird nun ausgewertet“, sagt Hendrik Steffens von der Pressestelle des Ordinariats. Schon jetzt sei aber davon auszugehen, „dass es sich um ein für Rottenbuch kunsthistorisch bedeutendes Stück mit Bezug zu den dort lange ansässigen Augustiner-Chorherren handeln könnte“. Liegen alle Ergebnisse vor, können genauere Aussagen über die künstlerische und kunsthistorische Bedeutung getroffen werden – und erst dann ist absehbar, ob und wie die Fahne restauriert werden kann.

Im Frühjahr schon berichtete Steffens, dass die Fahne wohl um das Jahr 1745 geschaffen wurde. Das Interesse des Ordinariat liegt an der Besonderheit der Malerei. Früher seien solche Fahnen auf einem geringen, künstlerischen Niveau angefertigt worden – sie waren Gebrauchsgegenstände. Doch das Rottenbucher Exemplar sei mit einer Ölmalerei verziert, deren Künstler vermutlich aus dem Umfeld des Rokoko-Kirchenmalers Matthäus Günther stammt. Auf der Vorderseite ist die Gottesmutter Maria mit dem heiligen Augustinus, der heiligen Monika und – da ist man sich aber nicht ganz sicher – dem Apostel Thomas zu sehen. Auch die Rückseite ist bemalt. Die Fahne stelle einen „seltenen Qualitätsfall“ dar, sagte Steffens im Frühjahr.

Allerdings wurde sie nicht immer entsprechend behandelt. „Bereits jetzt lässt sich absehen, dass frühere, unsachgemäße Reparaturen mit synthetischen Festigungsmitteln an dem Gemälde der Fahne ihrer Substanz zugesetzt haben“, sagte Steffens. „Diese Festigungsmittel sowie größere Übermalungen müssten in aufwändiger Detailarbeit entfernt werden, damit die Fahne ihrem Ursprungszustand entspricht.“ Warum Teile übermalt wurden, kann derzeit nicht gesagt werden.

Bis der genaue Befund – „auf den Menschen übertragen würde man sagen, eine Diagnose wird erstellt“ – steht, wird es noch dauern. Das liegt auch an Corona-bedingten Einschränkungen. Denn das gemeinsame Arbeiten von Experten an der Fahne ist derzeit nicht möglich.

Aktuell liegt das historische Stück in der Werkstatt einer Restauratorin aus dem Landkreis. Ausschlaggebend dafür, dass sie den Auftrag erhalten hat, „war aber nicht die lokale Nähe“, betont Steffens, „sondern die besondere Expertise für die Arbeit an diesem Objekt“. Denn weitere Schäden durch unsachgemäße Reparaturen will niemand riskieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare