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Büro-Vergleich: Markus Bader (Mitte) mit Amtskollegen im Zimmer des Tultschyner Rathauschefs

Kommunalpolitischer Kongress in Kiew

Werbung für Rottenbuch in der Ukraine

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Rottenbuchs Bürgermeister war auf einer ungewöhnlichen Werbetour unterwegs: Er sprach auf einem kommunalpolitischen Kongress in der Ukraine.

Rottenbuch – Mehr als 1700 Kilometer Anreise für einen Vortrag. Rottenbuchs Rathauschef Markus Bader (Freie Wählergemeinschaft Rottenbuch-Schönberg) nahm diese auf sich. Für einen Vortrag in der Ukraine. Ziel war die Kleinstadt Tultschyn mit rund 15 000 Einwohnern, knapp vier Stunden Autofahrt südwestlich der Hauptstadt Kiew. Bader sprach dort auf einem kommunalpolitischen Kongress über das kulturelle und gesellschaftliche Leben in seiner oberbayerischen Heimatgemeinde.

Zu der Werbetour war das Dorfoberhaupt über die Deutsche Botschaft in Kiew gekommen. Die Leiterin des Referats für Kultur und Bildung, Andrea Stohr, ist praktischerweise gebürtige Peitingerin. Sie hatte den ukrainischen Veranstaltern zugesagt, einen deutschen Bürgermeister als Referent für deren Kongress zu besorgen. Über Peitings Rathauschef Michael Asam (SPD) kam der Kontakt zum Rottenbucher zustande. Anfang Mai traf die Anfrage bei Bader ein, der sagte sofort zu. Flug, Unterkunft und Transport übernahm die Botschaft. „Das ist eine einmalige Gelegenheit, Rottenbuch und unsere Region in einem nicht alltäglichen Rahmen zu präsentieren.“ Dazu kam eine Leidenschaft des Politikwissenschaftlers: „Osteuropa interessiert mich sehr.“

Lebendige Kultur: Hausfassade in Kiew

Bürgermeister redet in Kiew über Rottenbuch

Mittwochabends ging der Flug von Memmingen nach Kiew. Von dort wurde er nach Tultschyn gefahren. In der einstigen Residenzstadt fand gerade ein Kulturfest statt, inklusive des größten Opernfestivals im Land. „Der Kongress war am Freitag dran gehängt“, berichtet Bader. Hintergrund: In der Ukraine läuft eine Föderalismusreform an, die Kommunen sollen mehr Befugnisse für die Selbstverwaltung bekommen. Der Gast aus dem Oberland sprach im Rathaus vor 150 Teilnehmern. Amtskollegen, Vertreter von Behörden und kommunalen Einrichtungen hörten aufmerksam zu, wie es in Rottenbuch abläuft. Vortrag samt Übersetzung, Präsentation und anschließende Aussprache dauerten mehr als drei Stunden. 

Das neue Logo von Rottenbuch hatte Markus Bader (stehend) für seinen Vortrag natürlich mit im Gepäck

Bader stellte unter anderem die Rottenbucher Bürgerstiftung vor. Und überhaupt das Kulturleben im Klosterdorf – von der Bücherei als Kooperation von Gemeinde und Kirche bis hin zum Weinfest, auf die Beine gestellt vom Verkehrsverein. Wichtige Botschaft: „Es ist alles ehrenamtlich“, erklärte der oberbayerische Lokalpolitiker seinen Zuhörern. „Es ist nicht so, dass die Gemeinde das Füllhorn ausschüttet.“ Aber auch ernste Themen wurden laut Bader angesprochen: Landflucht, Überalterung, Abwanderung der Jugend – und die Korruption in der Ukraine. „Das sind keine kleinen Probleme.“

Rottenbucher Bürgermeister hängt Urlaub an Aufenthalt in der Ukraine dran

Der Rottenbucher hängte nach dem Aufenthalt in Tultschyn noch zwei Tage privat in Kiew dran. Sonntags ging der Flieger zurück nach München. Mit im Gepäck hat Bader viele positive Eindrücke, die sein Bild vom Gastgeberland veränderten. „Die Ukraine liegt viel näher an Europa, als wir wahrnehmen“, sagt er. „Es ist ein zutiefst europäisches Land.“ Von den Gesprächen war der Rathauschef begeistert: „Trotz der vielen Probleme, die sie haben, sind die Menschen optimistisch und der Zukunft zugewandt.“ Vielleicht nehmen sie sich in der Ukraine künftig das kleine Rottenbuch als Vorbild für ein funktionierendes Gemeinwesen.

Lesen Sie auch: Die Anwohner im Baugebiet „An der Rees“ in Reichling sind besorgt: Sie leben direkt an einer Gasleitung – und fürchten daher ein Unglück, wie es jüngst in Rettenbach geschah. Leider ist die Sorge der Reichlinger nicht ganz unbegründet, wie sich jetzt herausstellte.

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