Rottenbucher Fohlenmarkt

5300 Euro für schwarzen Lokalmatador

Rottenbuch - Der Rottenbucher Fohlenmarkt boomt. Über 5000 Besucher waren es auch in diesem Jahr. Rund 80 Pferdehalter sind mit ihrem Süddeutschen Kaltblutnachwuchs zur Auktion gekommen. Auktion gekommen.

Der Wettergott hatte es mit dem Veranstalter des Rottenbucher Fohlenmarktes auch in diesem Jahr wieder äußerst gut gemeint. Weit über 5000 Besucher strömten bei warmen 28 Grad und strahlend blauem Himmel auf die Rottenbucher Festwiese. Traumhafter hätten die Bedingungen für Deutschlands größten Kaltblutfohlenmarkt am gestrigen Freitag nicht sein können.

So königlich das Wetter war, so prachtvoll präsentierten sich auch die 83 Stuten mit ihren Fohlen. Bereits um 8 Uhr morgens sind die ersten Pferdehalter mit ihren Süddeutschen Kaltblütern eingetroffen, um sich auf dem Festgelände einen Stellplatz zu suchen. Eine Stunde später ging es für die Fohlen dann zum ersten Mal in den Ring. Über drei Stunden hinweg wurden die rund sechs Monate alten Vierbeiner mit ihrer Mutterstute zunächst einzeln, später in Neuner-Gruppen, vorgestellt. Schließlich müssen sich die Kaufinteressierten schon vor der Auktion ein Bild des Pferdenachwuchses machen können.

Deutschlands größter Kaltblut-Fohlenmarkt in Rottenbuch: Bilder

Dabei helfen auch die wachsamen Augen der sechs Jury-Mitglieder um Florian Schelle, dem Vorsitzenden des Oberbayerischen Pferdezuchtverbandes. Im Zentrum des Ringes stehend, achten er und seine Mitstreiter insbesondere auf drei Dinge: „Gangart in Schritt und Trab sowie die gesamte Körperhaltung, also das G’stell, das ist für uns entscheidend.“ Auf die Farbe nimmt die Jury ganz bewusst keinen Einfluss. „Die Geschmäcker der Käufer sind so verschieden, dass es keine festen Regeln bezüglich der Farbe geben kann“, betont Schelle. Nach drei gelaufenen Runden händigen die Verantwortlichen dem Kaltblutnachwuchs dann die entsprechende Bewertung aus. Das Höchstprädikat lautet „Rosette“, die Stufen darunter Wertigkeit I oder II.

Michael Bertl aus Schönberg sieht das ein wenig anders: „Die Jury bewertet tatsächlich nur die Statur und Gangart des Pferdes. Trotzdem kommt eine schöne Farbe bei den Käufern besser an.“ Dunkelfuchs und Rappe seien besonders gefragt.

Und Bertl hatte recht. Denn sein Stutenfohlen erzielte mit 1860 Euro - ausgerechnet die Lieblingszahl des Auktionators und Fußballfans Michael Walser - den Höchstpreis aller weiblichen Teilnehmer. Obwohl die Jury dem Rappen nur das Prädikat I zugesprochen hat? Der Grund für die zweitbeste Einstufung liegt in diesem Falle bei der Mutterstute „Nelli“. „Sie ist nicht leistungsgeprüft, deshalb kann das Fohlen gar kein Höchstprädikat erhalten“, erklärt Bertl.

Dieses Manko hatte Hermann Mayr nicht zu beklagen. Der Rottenbucher erzielte nämlich für sein Hengstfohlen - ebenfalls ein Rappe - den Tageshöchstpreis. Für seinen Rohdiamant legte der namentlich unbekannte Käufer satte 5300 Euro auf den Tisch. Das übersteigt den Spitzenpreis aus dem Vorjahr um ganze 300 Euro. Laut Bermuth Simone vom Oberbayerischen Zuchtverband könnte dieser Preis sogar neuer Rekord gewesen sein. „Mir ist aus den vergangenen Jahren keine höhere Summe bekannt.“

Weniger überraschend sind dagegen die Durchschnittspreise der 83 verkauften Fohlen (47 Hengste und 36 Stuten). „Die Stuten kosteten im Schnitt 908 Euro, die Hengste 886 Euro“, sagt Bermuth, die dieses Ergebnis als völlig normal einschätzt. Die Stuten seien im Schnitt immer teurer, da sie direkt nach dem Kauf in die Zucht gehen. Bei den Hengsten sei dagegen ein gewisses Risiko mit deren Deckfähigkeit verbunden.

Darin keine Probleme hat offensichtlich „Schneeberg“ aus der Scherenau. Der Rappenhengst ist nämlich der Vater des weiblichen und männlichen Siegerfohlens.

Johannes Schelle

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