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Der „Ausräumtrupp“ am alten Feuerwehrhaus. Alles muss raus aus dem fast 100 Jahre altem Gebäude. 

Mit Sack und Pack in Sachsenried

Feuerwehr mit Sack und Pack umgezogen

Sachsenried –  Einen Umzug hat bestimmt jeder schon mal hinter sich gebracht. Egal, ob es der erste ist, wenn man flügge wird und aus dem Elternhaus fliegt, oder der dritte oder vierte im Laufe eines Lebens. Einige gute Freunde, kräftig in die Hände gespuckt und der Käs ist gegessen. Eine Nummer größer war der Umzug, der bei der Feuerwehr in Sachsenried anstand. Man hatte in wenigen Stunden das alte Feuerhaus zu räumen und ins neue Feuerwehrgerätehaus umzuziehen. Mit Sack und Pack.

Es ist nur eine unscheinbare Notiz am „Schwarzen Brett“ der Heimatzeitung. „Helfer gesucht für den Umzug der Feuerwehr“. Irgendwie muss den Sinn der Sache kein örtlicher Leser richtig verstanden haben. Gähnende Leere am Treffpunkt im neuen Feuerwehrgerätehaus. Nur die Mitglieder der Sachsenrieder Wehr sind präsent. Inklusive des Bürgermeisters.

„An diesem Tag ist Siegfried Neumann Oberbürgermeister“, wird gescherzt, denn Sachsenried liegt höher als Schwabsoien. Dementsprechend der Auftrag an ihn. Brotzeit und Verpflegung für den ganzen Tag. Vor allem herzhaft soll sie sein. Und nicht zu trocken.

Glockenschlag neun Uhr. Kommandant Johannes Endraß testet schon mal das neue Whiteboard. Er schreibt die Aufträge an seine Mannschaft darauf. Militärisch knapp, nichts wird vergessen. Die Leerlaufzeit nutzt derweil Christian Wohlfahrt, die neue Werkbank auszupacken. Nagelneu, als Aktionsware erworben. Kosten gespart. Der Rest der Truppe teilt sich in zwei Gruppen. Die einen sollen im alten Feuerhaus Inventar und Ausrüstung verpacken, die anderen noch Restarbeiten im neuen Domizil abarbeiten.

Jetzt geht‘s Richtung Feuerwehrhaus

Startschuss. Die beiden Umzugstransporter setzen sich in Richtung Feuerhaus in Bewegung. Thomas Koch steuert das Eicher Dieselross Baujahr 1960, Christian Wohlfahrt klemmt sich hinter das Steuer des moderneren Deutz Bulldogs. Gummiwagen und Pkw-Anhänger im Schlepptau. Die Mannschaft obenauf verteilt. Bitte heute keine Verkehrskontrollen im Dorf. Wäre fatal.

Derweil bringt Kommandant Endraß die letzten Holzbretter im Umkleideraum an. Wie gut, dass er als Schreinermeister alles vorgefertigt hat. Kein Nachschneiden ist notwendig, alles passt wie angegossen. Gleich daneben fummelt Andreas Kirchmayr die schiebbaren Aufhänger für die Schutzanzüge über die befestigten Edelstahlstangen. Alles vom Feinsten. Noch besser: Alles gesponsert. Kirchmayr ist Lehrlingsausbilder beim Zerspanungsbetrieb Kögel in Schwabsoien. Sitzt quasi an der Quelle, durfte richtig aus dem Vollen schöpfen. Der Kommandant setzt noch eins drauf. 80 Designer Kleiderbügel von Gerry Weber zaubert er aus einem Karton. Neuware. Hat er im Modepark Röther in Kaufbeuren einer Verkäuferin abgeschwatzt. Respekt. Der Johannes muss reden können.

Fast schon feierlich steigt Maschinist Alexander Krätschmer in sein Tanklöschfahrzeug. Rufname 46/1. Er karrt das gute Stück ein letztes Mal aus dem alten Feuerhaus. Wenn dieses Geschichte schreiben könnte. 1922 wurde es erbaut, jetzt darf es in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Die neuen Räume warten.

Wäre da vor ein paar Jahren beim Zuschussantrag für den neuen Tragkraftspritzenanhänger von der Regierung nicht eine neue Unterstellmöglichkeit gefordert worden, wer weiß? Dann wäre vielleicht noch eine lockere 100-Jahrfeier in dem alten Gemäuer angestanden.

„Wo Chef draufsteht, ist der Johannes“, hört man den Kögl Walter durch das alte Feuerhaus rufen. Er verpackt mit seinen Mannen die persönliche Schutzausrüstung eines jeden in Transportsäcke. Dann wird noch der Name draufgeschrieben und ab geht´s auf den Gummiwagen. Schlag auf Schlag.

So einfach kann Umzug sein. Ein Gummiwagen, ein Pkw Anhänger und geordnetes Aufladen. Da steckt System dahinter.

Stefan Bielefeld räumt nebendran das Schlauchregal aus. B- und C-Schläuche gesellen sich zur Ausrüstung. Wie heißt es so schön: Ausräumen ist einfacher als einräumen.

Ein weiterer Kommentar von Walter Kögl macht neugierig. „Ein Banker mit Akkuschrauber, was da wohl rauskommt?“ Jungbanker Martin Linder hat einiges vor sich. Er muss die ausgedienten Schuhspanner, die auf einem Brett verschraubt sind, entfernen. 78 Stück an der Zahl, gab es damals bei Ikea im Angebot. Sie dienten all die Jahre bisher als Handschuhtrockner. Ideen muss man haben.

Die Stiefel sind dran. Stück für Stück werden geprüft. Teile, die wie Socken aussehen, aber aus Napoleons Zeiten stammen könnten, werden entsorgt. Sammt ihrer Löcher und Duftmarken. Sondermüll.

Fazit nach nur einer Stunde: Gummiwagen voll beladen, Pkw-Anhänger übervoll. Stephan Gast sieht es nicht so. Seine Transportkästen für Atemluft finden bestimmt noch ein Plätzchen. Kräftig drücken, passt.

Der Banker Martin Linder kämpft immer noch. 78 Kleiderhaken sind jetzt dran. Mit je vier Schrauben befestigt. Richard Demmel unterstützt mit Handarbeit. Löst die schwierigen Fälle.

10.15 Uhr. Der mobile Tross aus Eicher und Deutz verlässt das Schlachtfeld

Warum benötigen andere eigentlich so große Transporter bei ihren Umzügen? Im neuen Haus haben sich junge Wehrmänner dazugesellt. Thomas Wohlfahrt ist hier am Werkeln. Noch nicht so richtig hellwach, muss eine lange Nacht gewesen sein. Aber zum Einräumen der Schläuche ins neue Regal reicht´s. Und die Transportsäcke mit den persönlichen Schutzausrüstungen sind ja leserlich beschriftet. Sack für Sack, Schlag auf Schlag. Gerry Webers Kleiderbügel halten stand. Bestens geeignet.

14 Uhr. Die Messe ist gesungen. Alles auf seinem Platz. Das Löschfahrzeug sauber eingeparkt. Nebendran der Anhänger mit der Tragkraftspritze, die Schläuche griffbereit im Regal. Der Kommandant zufrieden, Bürgermeister Neumann auch. Startschuss für den Pizzadienst.

Hans-Helmut Herold

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