Bereits im Jahr 1903 traf sich diese Jagdgesellschaft im so genannten Waldhaus inmitten des Sachsenrieder Forstes zu einem gemütlichen Beisammensein. Repro: Helmut Kögel
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Bereits im Jahr 1903 traf sich diese Jagdgesellschaft im so genannten Waldhaus inmitten des Sachsenrieder Forstes zu einem gemütlichen Beisammensein. Repro: Helmut Kögel

"Schade um das Waldhaus im Sachsenrieder Forst"

Sachsenried - Vor 30 Jahren ist das inmitten des Sachsenrieder Forstes gelegene Waldhaus abgebrochen und dem Erdboden gleichgemacht worden. Eine Aktion, die in der Bevölkerung damals kein Verständnis fand, ging damit doch eine lange Tradition zu Ende.

Mit einem Konzert und einer Fotobuchvorstellung soll nun am 3. Oktober an das ehemalige Waldhaus erinnert werden.

„Es ist schade um dieses Haus“, sagt heute noch der Sachsenrieder Ortschronist Martin Geisenberger. Auch er bedauerte den Abriss, der in einer „Nacht- und Nebelaktion“ erfolgt sei. Sonst hätte der Abriss vielleicht verhindert werden können, „denn der damalige Jagdpächter hatte gute Beziehungen zu Franz Josef Strauß“, weiß Martin Geisenberger zu berichten.

Auch Herbert Schnürch aus Denklingen, von 1963 bis 2001 Förster im Revier Dienhausen I, hat das Waldhaus noch in bester Erinnerung. „Dort ist man nach der Jagd oft eingekehrt“, erzählt er. Das Gebäude sei schlicht, aber urgemütlich eingerichtet gewesen.

Im Jahr 1864 war das Waldhaus von der Bayerischen Staatsforstverwaltung vor allem zur Bekämpfung des Wilderertums errichtet worden. Aber die Zeiten, in denen die Jäger im Sachsenrieder Forst einen Stützpunkt benötigten, um Wilderern das Handwerk zu legen, sind laut Förster Schnürch längst vorbei.

So wurde das Waldhaus im Laufe der Zeit zu einer Einkehrstätte umfunktioniert. Aus einer im Jahr 1903 ausgestellten Urkunde geht hervor, dass der damalige Wirt Ludwig Aicher offiziell erklären musste, „dass er kein schlechtes Bier ausschenkt“.

Bereits nach dem Ersten und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg lockten diverse Musik- und Open-Air-Tanzveranstaltungen immer wieder zahlreiche Besucher in dieses idyllisch gelegene Gasthaus. „Das weithin bekannte Waldhaus war über 100 Jahre lang Anlaufstelle und geselliger Mittelpunkt vor allem für Waldarbeiter, Forstleute sowie Pilz- und Beerensammler“, berichtet der Frankenhofener Ortschronist Hemut Kögel. Auch ungezählte Klassen- und Vereinsausflüge, Wandertage und Vatertagspartien sowie der lange Zeit gepflegte „Gang nach Emmaus“ am Ostermontag endeten regelmäßig an dem beliebten Ausflugsziel.

Warum ist das Waldhaus dann am 6./7. Februar 1980 über Nacht abgebrochen worden? „Das hat das Forstministerium angeordnet“, so die Erklärung von Herbert Schnürch. Seitens des Landratsamts lag zu diesem Zeitpunkt bereits keine Ausschankgenehmigung mehr vor, denn das Waldhaus hatte keinen Wasseranschluss (und auch keinen Stromanschluss). „Für eine Sanierung war damals kein Geld vorhanden“, erinnert sich der Denklinger Förster Schnürch. Zuletzt sei das Waldhaus rund ein Jahr lang leergestanden. „An Heiligabend des Jahres 1979 haben Unbekannte noch den alten Kachelofen ausgebaut und gestohlen“, berichtet Schnürch.

30 Jahre nach dem Abbruch der einst im ganzen Umland bekannten Gaststätte in der Mitte des Sachsenrieder Forstes erinnert die Musikkapelle Frankenhofen mit einem „Sonntagskonzert“ am Sonntag, 3. Oktober, an diese beliebte Einrichtung. Von 11 bis 16 Uhr sorgen außerdem Steaks und Würste vom Grill sowie Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl der Gäste.

Erreicht werden kann die Waldhauslichtung - vier Kilometer nördlich von Sachsenried, fünf Kilometer östlich von Frankenhofen und vier Kilometer südwestlich von Dienhausen gelegen - entweder zu Fuß oder per Fahrrad. Parkmöglichkeiten für motorisierte Besucher bestehen an der Verbindungsstraße von Osterzell nach Dienhausen, an der Talsohle beim so genannten Brunnenspitz, erkennbar an seinem Brunnentrog sowie dem vom Heimatverein Kaufbeuren aufgestellten „Römerstein“. Von dort aus bringt ein „Shuttle-Dienst“ die Besucher mit Pferdekutschen und dem ehemaligen Frankenhofener Feuerwehrauto zu der zwei Kilometer entfernten Waldhauswiese und wieder zurück. Ein weiterer „Kutschenzubringerdienst“ ist von Sachsenried aus geplant.

Außerdem ist während des Waldhausfestes ein neu erstelltes Fotobuch mit rund 130 Abbildungen aus der Zeit von 1901 bis 2010 zu besichtigen, welches das Gedächtnis an das Waldhaus aufrechterhalten soll. Bei schlechter Witterung wird die Veranstaltung auf das Jahr 2011 verschoben.

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