Nadine Reis ist mitverantwortlich für die Studie „Den Hunger bekämpfen“. Dazu hielt sie einen Vortrag an der LVHS in der Wies. Foto: sommer

Schluss mit Hunger

Steingaden - Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Studie in Auftrag gegeben zum Thema „Den Hunger bekämpfen - Unsere gemeinsame Verantwortung für das Menschenrecht auf Nahrung“. Im Rahmen der Wieser Bauerntage wurde das jetzt vorgestellt.

„Wir haben heute mehr hungernde Menschen auf der Erde als vor 40 Jahren.“ Es waren keine guten Nachrichten, die Nadine Reis dem guten Dutzend Zuhörern präsentierte. Die junge Wissenschaftlerin von der Uni München hatte selbst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Studie mitgearbeitet. Und hatte das Angebot von Sylvia Hindelang, Bildungsreferentin der Landvolkshochschule, nur zu gerne angenommen, um die Ergebnisse zu präsentieren, aber auch, um die Reaktion der vorwiegend in der Landwirtschaft tätigen Zuhörer kennenzulernen. Die hatten allerdings angesichts des Papiers nur einen Kommentar: Nichts Neues.

Knapp 80 Seiten umfasst die Studie, die Reis in einer guten Stunde vorstellte. Darin wurde versucht, die Fragen zu klären, wer hungert, warum und was man dagegen tun kann.

Die Zuhörer erfuhren, dass bis zur Jahrtausendwende der Hunger in der Welt zurückgedrängt wurde, seitdem aber wieder ansteigt. Mehr als eine Milliarde Menschen, darunter 150 Millionen Jugendliche und Kinder, hungern (dem stehen eine Milliarde fettleibige Menschen gegenüber), weitere zwei Milliarden leiden unter Mangelernährung.

Wobei sich vor allem in Afrika und dort durch die vielen Konflikte die Situation verschlimmert hat. Am schlimmsten betroffen ist die Landbevölkerung, vor allem die, die selbst Nahrungsmittel produzieren. Größtes Problem an sich ist die Verteilung und Teilhabe aller an den Lebensmitteln. Aber auch die Marktkontrolle durch die Industrienationen, allein die USA und die EU beherrschen fast 40 Prozent des Exportes.

Abhilfe könnte hier etwa die Erhöhung des Einkommens der Menschen in den zu entwickelnden Ländern sein, wie Reis folgerte. Ansonsten könnten Hungerrevolten, etwa gegen Agrartreibstoffe, zunehmen. Zudem muss in die Forschung vor Ort investiert werden, insgesamt müssten die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen reformiert werden. Und auch wir könnten einen Beitrag leisten, in dem wir den Konsum zurückfahren und Produkte aus fairem Handel kauften.

In der sich anschließenden Diskussion monierten die Zuhörer, dass die Informationen nicht neu seien. Sie wollten wissen, inwieweit die Bischöfe sich damit auseinandergesetzt hätten und ob etwa auch Agrarpolitiker (der EU) die Ergebnisse kennen würden.

Auch bei uns gebe es die Probleme, müssten sich die Kleinbauern als Schlepperfahrer bei den großen Betrieben verdingen, weil sie nicht genug produzieren können, auch bei uns sei der Trend zu immer größeren Einheiten. Und der Satz „Unsere Kühe weiden am Rio de la Plata“, weil von dort das Soja kommt für die Rindermast, stimme mehr denn je. Was fehlte, erkannten die Teilnehmer, sei die Wertschätzung des Lebensmittels. Meinungen, die sie, sagte Reis, sich überlegen und nochmals in die Studie beziehungsweise bei Präsentationen mit einfließen lassen möchte.

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