Die Schönach verbindet auch die Hobby-Forscher aus den Schönach-Orten. (v.l.) Herbert Hör, Wolfgang Kopp, Dieter Marczinek, Juditha Wolf, Walter Ott, Renate Seelig, Konrad Socher, Dr. Manfred Müller, Heinz Dobija, Jochen Trumm, Rolf Wieland und Bartl Kees. foto: uf

Die Schönach: Viele Geschichten über den 13 Kilometer langen Fluss

Altenstadt - 13 Kilometer lang windet sich die Schönach von der Quelle bis zur Mündung. In einer Ausstellung ist jetzt viel Wissenswertes über die Schönach zusammengestellt worden.

13 Kilometer lang windet sich die Schönach von der Quelle bis zur Mündung und trifft dabei auf fünf Ortschaften: Schwabsoien, Schwabbruck, Altenstadt, Schwabniederhofen und Hohenfurch. Die Geschichte des idyllischen Gewässers von der Entstehung bis heute haben zwölf Hobbyforscher und Anwohner in zwei Jahre langer Arbeit zusammengetragen. Die Bilder, Karten, Dokumente und Schaukästen sind an den kommenden drei Wochenenden jeweils von 14 bis 18 Uhr in der Grundschule Altenstadt zu sehen.

Trinkwasser ist eines der wertvollsten Güter des Menschen, Wasserkraft bringt Energie und schafft Arbeitsplätze. So ist es nicht verwunderlich, dass sich schon zu Urzeiten Siedlungen an Bachläufen bildeten. Als sich vor rund 18 000 Jahren die Gletscher zurückzogen, blieb im Voralpenland ein Gewässernetz, aus dem sich die heimischen Flüsse, Seen und Bäche herausbildeten. Die Schönach bildete einst zwischen Schwabsoien und Schwabbruck einen See, der längst verlandet ist, an dem sich aber im 9. Jahrhundert eine fränkische Befestigung und im 12. Jahrhundert ein Burgstall der Welfen befand. Im weiteren Verlauf mündete sie bei Altenstadt in einen Nebenarm des Lechs, dessen Bett sie nach und nach übernahm bis hin zum heutigen Flusslauf, der bei Schwabniederhofen sogar eine bewohnte Insel umfließt.

Entlang des Gewässers siedelten sich verschiedenste Handwerksbetriebe von der Hammerschmiede, Getreide und Sägemühlen bis hin zum Schleifwerk an, die allesamt durch Wasserkraft betrieben wurden und in der industriearmen Region wertvolle Arbeitsplätze boten. Dazwischen liegen viele Geschichten und persönliche Schicksale, die sich im Laufe der Jahre zugetragen haben. Wie die von der alten Hammerschmiede Möhrle, die vom Schriftsteller Martin Walser in seinem Roman „Der Sturz“ verewigt wurde, die von den tatkräftigen Frauen, die vor rund 100 Jahren nach dem Tod ihrer Männer drei Mühlen an der Schönach eigenständig führten. Oder die Geschichte, wie sich die Altenstadter mit dem Hinweis auf ihre Brunnen im Jahre 1860 einem Trinkwasseranschluss verweigerten, bis im Jahre 1897 mehrere Menschen an Typhus starben.

Das erste Bad an der Schönach befand sich in Schwabniederhofen und wurde damals vom TSV gebaut. Fische, Frösche und Blutegel tummelten sich damals mit den Schwimmern in einem Becken. Doch auch die andere Seite der Schönach bleibt nicht unerwähnt. So sorgten Schönach-Hochwasser in regelmäßigen Abständen, zuletzt 1966 und 1999, für persönliche Katastrophen, was dazu führte, dass der Bach im Zuge des Hochwasserschutzes tiefergelegt wurde. Die Begradigung durch die Flurbereinigung tat ein Übriges, den ursprünglichen Charme der Wasserader zu zerstören. Dieser wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch aufwändige Renaturierungsarbeiten zumindest teilweise wieder hergestellt.

Alle diese Themen haben Arbeitsgruppen in den fünf Schönachorten unabhängig voneinander herausgearbeitet und Schautafeln mit viel Bildmaterial gestaltet, die jetzt im neuen Bürgerzentrum in der Grundschule Altenstadt zu einer Ausstellung zusammengefügt wurden. Jede Gemeinde hat dabei ihre persönliche Note. Im historischen Archiv in München wurden sogar Dokumente in lateinischer Schrift aufgespürt.

Ergänzt wird alles durch eine von Manfred Müller erarbeitete geologische Ausstellung, zu der drei Schulklassen Schaukästen mit dem historischen Verlauf der Schönach durch ihre Ortschaften gebastelt haben. Zusätzlich gibt der Fischereiverein mit einem Aquarium einen Überblick über das mannigfaltige Leben in der Schönach vom Fisch bis zum Flusskrebs.

Außerdem wird ein Film gezeigt, den Stefan Port in einem genehmigten Tiefflug über der Schönach vor wenigen Wochen vom Flugzeug aus aufnahm.

Die Ausstellung ist geöffnet am 22./23. und 29./30. September sowie am 6./7. Oktober von 14 bis 18 Uhr. Manfred Müller bietet begleitend am 6. und 13. Oktober um 13 Uhr eine vierstündige landschaftskundliche Exkursion von der Quelle bis zur Mündung an. Anmeldung dafür in der Ausstellung.

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