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24 Meter hohe Kunst am Kirchturm: Die Himmelsleiter“ ist installiert und steckt voller Symbolik.

Kunst an Schönberger Kirche

Eine „Himmelsleiter“ für den Glauben

Schönberg - Die Schönberger Kirche ziert bis Jahresende ein 24 Meter hohes Kunstwerk: Die „Himmelsleiter“ des Künstlers Erwin Wiegerling wurde am Turm installiert. Am Sonntag leuchtet sie das erste Mal weit ins Land.

Wer dieser Tage an der schmucken Kirche Mariae Himmelfahrt in Schönberg hochblickt, entdeckt dort ein Kunstwerk. Vergangenen Freitag wurde dort mit einem Kran die „Himmelsleiter“ angebracht. Sie ist ein Werk des in Benediktbeuern lebenden Künstlers Erwin Wiegerling – und ist erstmals im Landkreis zu bewundern.

24 Meter hoch, zwölf Sprossen, sieben goldfarbene Engelflügel rechts und links: Das Kunstwerk steckt voller Symbolik. Pastoralreferent Georg Jocher nennt die zwölf Apostel, die zwölf Stämme Israels sowie die sieben Engel und die sieben Sakramente als Beispiel: „Die Zahlen stehen für die Gesamtheit der Christenheit auf ihrer Sehnsucht nach dem Himmel“, sagt er. Der Clou: Die Leiter wird Tag und Nacht mit LED-Licht erleuchtet. Die von Wiegerling dafür bewusst verwendeten Farben Rot und Blau haben laut Jocher eine tiefe Bedeutung: Blau für Himmel und Rot „als Farbe der Liebe und Hingabe“.

Wiegerling, Künstlername „e.lin“, hatte sein Projekt „Himmelsleiter“ zur Milleniumswende 2000 als „Positives Zeichen für die Menschheit“ geschaffen. Sein Motiv: Kunst solle nicht nur in Museen und Galerien zu bewundern sein, sondern auch an öffentlichen Plätzen. Premiere war an der Klosterkirche St. Mang. Seitdem wandert das Projekt durch Deutschland, stand an der ehemaligen Karmeliterkirche in München, im Kloster Seeon, aber auch in Ratingen und Essen. Letzte Station war 2015 St. Michael in Gaißach. Dass Schönberg den Zuschlag erhielt, freut den dortigen Pastoralreferenten besonders. Schließlich sei auch die wesentlich bekanntere Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg auf der Liste gestanden, berichtet Jocher. Doch der enge Kontakt Wiegerlings zur Schönberger Kirche gab mit den Ausschlag: Der Künstler war wesentlich an der Restaurierung von Mariae Himmelfahrt im Jahr 2009 beteiligt gewesen.

Offizielle Eröffnung ist am Sonntag

Wiegerling sei auf Kirchenpfleger Markus Angerer zugekommen, so Jocher, und habe den Schönbergern ein Angebot gemacht. Angerer brachte das Ansinnen in die Gremien ein. Es folgte eine breite Zustimmung. Jocher war „sofort angesprungen“, auch Dekan Thomas Gröner aus Oberammergau war mit der Kunst am Gottesdienst einverstanden. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat trugen das Projekt ebenfalls mit.

Jocher ist sichtlich angetan von der Konstruktion. Der Pastoralreferent hatte das Werk selbst in Gaißach gesehen. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es mal nach Schönberg kommt.“ Nun ist die „Himmelsleiter“ da – und zieht schon vor ihrer offiziellen Eröffnung am Sonntag die Blicke auf sich. Der Termin am 29. Mai, dem Schönberger Fronleichnam, wurde bewusst gewählt: „Das ist ein Fest, wo wir mit unserem Glauben an die Öffentlichkeit gehen“, sagt Jocher – da passe ein öffentliches Kunstwerk nun mal perfekt dazu. Jocher blickt hinauf zum Turm: Die geschwungene Linie der Leiter, erklärt er, entspreche dem menschlichen Leben. „Ein Leben, dass nie ganz geradlinig geht.“

Die Kunstaktion läuft bis Jahresende – und ist für die Pfarrgemeinde finanzierbar, wie Jocher betont. Der Künstler nach seinen Angaben die „Himmelsleiter“ zur Verfügung, die Kuratie trägt nur die Unkosten. „Das ist für uns machbar.“ Die Schönberger setzen damit ein deutlich sichtbares Zeichen des Glaubens: Mit leuchtenden Farbe, die weit Richtung Süden ins Ammertal hineinstrahlen.

Andreas Baar

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