1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau

Mit dem Hanomag nach Santiago

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Mann und sein Bulldog: Josef Gretschmann will seinen Hanomag R45 bis nach Santiago steuern – samt Wohnwagen. foto: ab
Ein Mann und sein Bulldog: Josef Gretschmann will seinen Hanomag R45 bis nach Santiago steuern – samt Wohnwagen. foto: ab

Rottenbuch - Josef Gretschmann (67) hat einen Traum: Mit einem 63 Jahre alten Hanomag R45 samt Wohnwagen will er den Jakobsweg fahren. Der Schönberger erfüllt sich am Sonntag seinen Wunsch.

Josef Gretschmann aus Schönberg ist ein absoluter Bulldog-Fan. Mit seinem Lanz 9506, Baujahr 1951, ein wahres Schmuckstück, gehört er seit Jahren zu den Highlights bei Oldtimertreffen in der Region. Jetzt aber hat der 67-jährige Rentner seinen perfekt restaurierten Hanomag aus dem Stadel geholt und für eine sehr weite Reise klar gemacht. Ziel: Santiago de Compostela im fernen Spanien. Die altehrwürdige Stadt der Jakobsweg-Pilger in Galizien.

Doch Gretschmann will nicht zu Fuß dahin, sondern auf Achse. Eben mit seinem Hanomag R45 aus dem Jahr 1951. „Dahin zu fahren war schon immer mein Traum“, schmunzelt der ehemalige Landwirt. Warum? Einfach Antwort: „Weil es der Jakobsweg ist.“ Seit drei Jahren ist dieser Traum konkret, musste aber immer wieder verschoben werden. Aber jetzt endlich geht es mit 45 PS und dem Wohnwagen hinten angehängt gemütlich bis hinunter an die Atlantikküste.

Rund zwei Monate will der Schönberger unterwegs sein. Seine Strecke hat er nicht geplant. Warum auch. „Der Weg ist das Ziel“, grinst Gretschmann. Nur zwei feste Stationen hat er sich ausgesucht: Am Sonntag will er es bis Salem am Bodensee schaffen, am Montag steht Schaffhausen in der Schweiz an. „Wie es dann weiter geht, ist alles offen.“ Straßenkarten von Frankreich und Spanien hat sich 67-Jährige besorgt, auch ein Campingführer ist mit im Gepäck - doch eine feste Route hat der Schönberger nicht. Es gebe eine Faustregel für die Strecke, meint er: „Man muss halt mit dem Bulldog kleine Straßen nehmen.“

Beim Übernachten hofft er auch auf die spontane Gastfreundschaft der Einheimischen. Gute Erfahrung hat Gretschmann schon bei seinen diversen Touren in die Eifel, nach Thüringen und Sachsen gemacht, wenn er mit seinem Gespann auftauchte: „Die Reaktionen sind super, die Leute schauen schon und helfen gern.“

Beim Gepäck muss sich der Santiago-Fahrer nicht beschränken. Im Wohnwagen, der fast drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist genug Platz. Bett, Toilette, ein Gasherd - alles ist vorhanden. An die Außenwand wird noch eine Karte mit der Route gemalt. Sogar ein Fahrrad nimmt er mit. „Da ist man in den Städten flexibler.“

Auf einen geliebten Lanz als Zugfahrzeug hat Gretschmann aber bewusst verzichtet. Denn der markante Bulldog mit seinem charakteristischen Motorgeräusch ist für solch eine lange Fahrt einfach zu gewaltig. „Der rüttelt so stark, da macht er mir den Wohnwagen kaputt.“ Der Hanomag ist ideal für so etwas, schließlich wurden diese Maschinen einst sogar von Speditionsformen und Zirkussen genutzt. Was sagt eigentlich seine Frau zu dem Abenteuer? Heidi Gretschmann unterstützt das Vorhaben voll. „Ich finde es gut, dass er sich diesen Traum erfüllt.“ Und damit jeder sieht, woher Josef Gretschmann aus Schönberg kommt, hat er vorgesorgt: Am hinteren linken Kotflügel seines Hanomags weht stets die Bayern-Fahne.

ab

Auch interessant

Kommentare