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Bulldog-Fans: Josef Gretschmann (links) und Hans Frech mit ihren treuen Gefährten.

Tour mit dem Bulldog

Ein Schönberger auf Rügen

Rottenbuch - Josef Gretschmann (68) aus Schönberg war 3200 Kilometer unterwegs. Es ging hoch nach Rügen und wieder zurück. Alles mit seinem 64 Jahre alten Hanomag-Bulldog.

Josef Gretschmann ist ehemaliger Landwirt und vor allem Bulldog-Fan. Mit seinem alten Lanz ist er Gast auf so manchem Oldtimertreffen. Doch der 68-Jährige aus dem Rottenbucher Gemeindeteil Schönberg ist auch ein echter Reiseexperte. Mit seinem Hanomag R45, Baujahr 1951, hatte er sich im vergangenen Jahr auf eine 6000-Kilometer-Tour auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gemacht (wir berichteten), nun stand eine Fahrt an die Ostsee auf die Insel Rügen an.

Für den Mann aus dem Pfaffenwinkel war der deutsche Norden eine Premiere. 40 Tage und 3200 Kilometer später ist er wieder da – und hat viel zu erzählen. Gretschmann war diesmal nicht allein unterwegs. Start war bei Hans Frech aus Schömberg bei Balingen im Schwarzwald, den 74-Jährige und seinen Fendt 201 S hatte der Oberbayer natürlich bei einem Treffen kennengelernt. Von der Nähe von Rottweil ging es über Ahlen, an Würzburg und Erfurt vorbei, bis Magdeburg. „Da haben wir uns durchgepflügt, schmunzelt Gretschmann. „Aber es hat super funktioniert.“ Der Schönberger zeigt auf der Karte die fein säuberlich eingezeichnete Route: Plau am See in der Mecklenburgischen Seenplatte, Rostock, Stralsund und über den Damm nach Rügen. Dort hielten sich die Süddeutschen vier Tage lang auf, stellten ihre Wohnwagen auf dem Hof von Frechs Bekanntem ab und rollten mit ihren Bulldogs über die Insel. Auf dem Programm standen natürlich die berühmten Kreidefelsen. „Die haben wir uns vom Schiff aus angesehen, da sieht man sie besser.“ Auch Prora und Binz wurden angesteuert. Der Schönberger grinst: „Ganz Rügen haben wir abgegrast.“ Einziger Wermutstropfen: Das Wetter spielte nicht mit. „Es hat bloß 13 Grad gehabt und es ging ein kalter Wind.“

Zurück ging es über Usedom, Neubrandenburg, wieder Plau samt Oldtimer-Treffen, Hoyerswerda bis Dresden. Klar, dass Gretschmann sich „Elbflorenz“ unbedingt anschauen wollte. War das ein Bild, als die beiden Bulldogs friedlich über die vierspurige Straße tuckerten. Das Oldtimer-Treffen schließlich in Leipzig „war riesig“, schwärmt der Schönberger. „Das standen allein 1200 Bulldogs.“

Drei Tage verbrachten das Duo in Leipzig, dann fuhren sie über Plauen, Bayreuth, Bamberg, Rothenburg ob der Tauber und Heidenheim wieder heim. Es ging vor allem über Landstraßen. Doch nicht immer war es ein Spaß, wie Gretschmann erzählt: „Im Osten haben wir noch einige Kopfsteinpflaster gehabt. Das ist nicht mehr als Tempo fünf bis zehn an Geschwindigkeit drin.“ Gerade die Alleen fielen ihm auf. „Die werden da noch erhalten.“ Doch insgesamt konnte sich der Oberbayer nicht mit der Landschaft im Norden anfreunden. „Das ist schon eintönig mit den riesigen Feldern. Du kannst nur Getreide und Raps fotografieren.“ Dafür aber sei die Reaktion der Menschen positiv gewesen.

Auch technisch funktionierten der alte Hanomag und der Wohnwagen tadellos. Bis auf den einen Marderbiss im Dieselschlauch. Und die Sache mit dem kaputten Kabel: Am vorletzten Tag stand Gretschmann plötzlich ohne Strom im Bulldog da. Mitten während der Fahrt. Weil er den Fehler nicht ohne Gerät finden konnte, rief er den ADAC zur Reparatur. Für Gretschmann ist jetzt klar: Die Ostseeküste kommt an seine geliebten Jakobsweg nicht heran. Der 68-Jährige denkt derweil schon an eine nächste Tour: „Vielleicht geht es in Richtung Gardasee.“

Andreas Baar

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