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Im Keller des Jakob-Pfeiffer-Hauses kann ein Raum auch künftig für den Unterricht der Flüchtlinge genutzt werden, zumindest ein Vormittagskurs und ein Nachmittagskurs werden nun wieder angeboten.

Förderung konzentriert sich auf Weilheim

Asyl-Integration: Endlich wieder Kurse

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Schongau - Schulungen für Asylbewerber konzentrieren sich hauptsächlich auf Weilheim, was für Flüchtlinge aus dem westlichen Landkreis großen Aufwand bedeutet. Dies kritisiert Hans Atzenbeck vom Asyl-Helferkreis Schongau. Das Thema ist brisant und kompliziert. Doch nun scheint sich das Vakuum zu füllen.

Ehefrau eines Asylbewerbers aus Syrien und die gemeinsamen vier Kinder sind im August nach Schongau gekommen. Während der Syrer schon seit zwei Jahren in der Stadt lebt und regelmäßig nach Weilheim zum Unterricht fährt, soll die Mutter nun ihren ersten Integrationskurs machen. Sie würde gerne teilnehmen, kann aber nicht. Das Paar hat zwei Kinder im Grundschulalter und zwei im Kindergarten. Eine Betreuung während der kompletten Kurszeit in Weilheim – 600 Stunden plus 100 Stunden Orientierungskurs, eventuell zusätzlich 300 Wiederholungsstunden – ist nicht gewährleistet.

Oft wird Hans Atzenbeck vom Schongauer Helferkreis mit der Frage konfrontiert: Warum müssen Flüchtlinge so weit fahren, warum wird im Raum Schongau nichts oder wenig angeboten, wo doch verhältnismäßig viele Flüchtlinge im westlichen Landkreis untergebracht sind? „Schongau muss mehr berücksichtigt werden“, fordert er.

Einfach ist die Frage nicht zu beantworten, wie sich nach einem Gespräch mit Elvira Thoma von der Agentur für Arbeit in Weilheim herausstellt. „Jeder sollte die Möglichkeit haben, Integration geht über die Sprache“, so die Pressesprecherin. Aus der Praxis weiß sie jedoch: „Man kann nicht in jedem Ort, wo Flüchtlinge sind, eine Maßnahme starten.“ Grundsätzlich gelte: Auch von Arbeitslosen ohne Flüchtlingshintergrund werde ein gewisser Pendelweg erwartet. Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden sei eine Pendelzeit von insgesamt bis zu zweieinhalb Stunden zumutbar.

Eine Ausnahme gebe es auch für die syrische Familie in Schongau nicht. Möglicherweise könne man unterstützen im Bereich Kinderbetreuung, so die Einschätzung Thomas. Sie stellt aber klar: Zuständig ist die Agentur für Arbeit nur für weiterführende Kurse wie „IdA 1000“, „Bayern Turbo“ oder „Perspektiven für Flüchtlinge“, die teilweise schon berufliche Inhalte oder Praktika in verschiedenen Bereichen umfassen. Für die Integrationskurse ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Ansprechpartner. Hier wie dort würden nicht nur Kursträger, sondern auch Räumlichkeiten fehlen. Thoma: „Es ist für alle Beteiligten eine Herausforderung, ein Kraftakt.“

„Organisatorisch ist es nicht leicht, das in Schongau hinzubekommen“

„Uns ist das Problem bekannt, wir arbeiten daran, in allen ländlichen Bereichen diesen Engpass zu beseitigen“, so BAMF-Sprecher Markus Riedl. Das Problem liege tatsächlich teilweise an fehlenden Anbietern für die Integrationskurse. Allerdings müssten die Träger auch dorthin gehen, wo die Nachfrage ist – und Weilheim-Schongau ist ganz aktuell Mitte August als eine von sechs Bedarfsregionen in Bayern ausgewiesen worden. Erstzulassungen von neuen Trägern werden demnach vorrangig in diesen Regionen, also auch im Schongauer Land, ausgesprochen. Bis Ende des Jahres können Anbieter noch Anträge auf Zulassung stellen.

In Schongau wie auch anderen Orten hat es zuletzt wirklich ein Vakuum gegeben. Der bisherige Kursanbieter, die private Sprachenschule Bildungskolleg in Weilheim, kümmert sich als GbR nur noch um Asylbewerberklassen an den Berufsschulen. Seit 2005 hatte man regelmäßig Integrationskurse gegeben, auch in der Lechstadt. 190 waren es insgesamt seit 2005, der letzte Kurs in Schongau, der im Frühjahr startete, läuft dieser Tage aus. Die Bildungskolleg GbR wird von Claudia Fischmann und Dorothea Schumann geführt.

Es gibt einen Lichtblick

Integrationskurse werden ab sofort wieder von der neu gegründeten Weilheimer Bildungskolleg GmbH angeboten, die Monate des Wartens auf Zulassung sind vorbei. Geschäftsführer ist Ulrich Brinkmeier. Acht neue Kurse in Weilheim, Bad Tölz und Geretsried sind gerade gestartet (teilweise noch freie Plätze), derzeit ist Anmeldung für je einen Nachmittagskurs in Weilheim und Schongau, ein Vormittagskurs in Schongau soll in drei Wochen beginnen.

„Organisatorisch ist es nicht leicht, das in Schongau hinzubekommen“, so Hrisovaladis Paliogiannis von der Bildungskolleg GmbH. Dankbar sei man vor allem wegen der Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde. Diese stellt weiter das Jakob-Pfeiffer-Haus zur Verfügung.

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