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Babysprache will gelernt sein: Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen des Schongauer Kindergartens Mariae Himmelfahrt beim Seminar mit Astrid Saragosa – Handeinsatz ist gefragt

Schongauer Krippe macht es vor

Wo Erwachsene die Babysprache lernen

Schongau - Es gibt viele Einrichtungen im Landkreis, die zertifiziert sind. Jetzt kommt eine dazu, die etwas ganz Besonderes aufweisen kann. Ein Novum bei Kindertagesstätten. Die Krippeneinrichtung im Kindergarten Mariae Himmelfahrt in Schongau ist die erste, die in der Babyzeichensprache zertifiziert ist. Sprechen und Zeichen geben – eine Weiterbildung bringt Licht ins Dunkel.

Wer kennt sie nicht, die guten alten Kinderlieder. Egal ob „Häschen in der Grube“, oder „Der Mond ist aufgegangen“: Alle Strophen haben wir doch schon rauf- und runtergeträllert. Auch das bekannte „Schlaf, Kindlein schlaf“ können wir ohne viel nachzudenken auswendig vorsingen. Aber: Das Lied singen und dabei mit den Händen in einer Zeichensprache parallel dazu den Text zu verstehen geben, das ist schon eine andere Klasse.

Zehn Erzieherinnen und Kinder-Pflegerinnen sitzen im leichten Halbkreis. Vor ihnen steht Astrid Saragosa, die Gebietsleiterin für Zwergensprache im Landkreis Weilheim-Schongau. Sie spricht in einer Kombination aus Worten und Gesten. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Sagt sie. Wichtig dabei nur, dass von allen Personen immer wieder die gleichen Zeichen für das jeweilige Wort verwendet wird.

Und das sollen die Babys verstehen, wenn ich schon so meine kleineren Schwierigkeiten habe? Astrid Saragosa klärt mich nebenbei auf. „Babys verstehen schon sehr viel von dem was wir sagen. Sie können es nur noch nicht verbal selbst ausdrücken“, erklärt Astrid. Die Kleinen möchten aber schon von Anfang an verstanden werden. Und es kommt bei ihnen Frust auf, wenn das nicht der Fall ist.

Zwergensprache hilft zu kommunizieren

Und genau deshalb ist die Zwergensprache in den ersten Monaten so wichtig. Sie hilft den Kleinen zu kommunizieren, weit bevor sie sprechen können. Deshalb ist die Kombination aus ruhiger Sprache und langsamen Gesten so wichtig. Verstanden, klingt überzeugend. Aber jetzt die Praxis.

Ein spezieller Crashkurs von Astrid für mich, während die „alten Hasen“ in kleinen Gruppen ihre Vokabeln abhören. 250 Stück sollen sie am Ende können, ich forme meine Hände für das erste Zeichen. „Noch einmal“, soll es bedeuten. Die Finger der rechten Hand zu einem Entenschnabel geformt und auf die flach gehaltene linke Hand geklopft. Haut gut hin, ist auch ein sinnvolles Zeichen für mich.

Wichtig dabei ist, die Zeichen immer in Kombination mit der Sprache bringen. Natürlich dabei auch Blickkontakt halten und langsam sprechen. „Dann geht es wie von selbst“, meint Astrid Saragosa aufmunternd. Bin bei den nächsten Begriffen angelangt: Mama und Papa: Ein liebevolles Streicheln über die Backe bedeutet Mama, ähnlich über das Kinn gezogen Papa. Ganz wichtiger Gesten-Wortschatz für unser „Schlaf, Kindlein schlaf“. Jetzt wird es auch noch gesungen, schlechte Karten für mich. Mir werden meine Grenzen aufgezeigt.

Kombination aus Sprache und Gesten

Babyzeichen sind vor allem für Dinge zu verwenden, für die sich das Baby interessiert und die den Alltag leichter machen. Alles rund um die Familie oder Tiere sind ein wichtiger Bestandteil des Gesten-Wortschatzes. Daumen und Zeigefinger nach vorne gespitzt bedeutet ein Vögelchen, das kann vielfältig eingesetzt werden. Der Vogel singt, der Vogel spricht, der Vogel pickt. Das ist für Mädels. Endlich auch was für die ganz kleinen Buben: Eine Lenkbewegung bedeutet ein Auto, beim Laster sind die Arme breiter zu halten, beim Bus wird dazu noch mit dem Hintern gewackelt und beim Traktor auch noch der Körper geschüttelt.

Wichtig ist: In Sachen Babysprache soll das Krippen-Personal einen Gleichstand in den Gesten der Babysprache haben. Jede Erzieherin oder Kinderpflegerin soll die gleichen Hand- oder Armbewegung für einen Begriff haben. Die so genannten Babyzeichen, die Ähnlichkeiten mit der Gebärdensprache vorweisen, werden parallel zur normalen Sprache benutzt. Sie ersetzen jedoch nicht die eigentliche Sprache.

Immer mehr Eltern wenden mit ihren Babys und Kleinkindern die Babyzeichensprache an. Da die Kleinen heute oft früher außerhäuslich betreut werden, stellen sich viele Eltern die Frage, wie dort mit den Kindern kommuniziert wird. Nicht jede Betreuerin beherrscht die Babyzeichen – viele Einrichtungen begeben sich jetzt deshalb zum „Sprachkurs“.

Hans-Helmut Herold

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