+
Solche Zustände am Schongauer Erholungsidyll Lido möchten weder Stadt noch Lido-Pächter in der Zukunft sehen.

Schongau belebt

Kippen-Alarm am Schongauer Lido

  • vonStephan Penning
    schließen

Schongau - Erst kürzlich hat ein Unfall am Schongauer Lido für Gesprächsstoff gesorgt. Dabei hatte sich ein Schüler schwer an einer gesplitterten Flasche verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Aber auch für die übrigen Badegäste ist die zunehmende Verschmutzung am Stausee ein häufiges Ärgernis.

Bei dem Versuch, einen Handstand zu machen, hatte sich der Junge schwer am Arm verletzt, weil er direkt in eine kaputte Flasche gestürzt war, die in Ufernähe gelegen hatte. Womit sich die Sommerferien für ihn früh erledigt hatten. Bereits ein Jahr zuvor war es ebenfalls am Lido auch schon zu einem Badeunfall gekommen, als sich ein junger Schongauer an Scherben verletzte.

Seitens der Stadt wurde bereits reagiert. Kurz vor Ferienbeginn ließ Bürgermeister Falk Sluyterman einen Brandbrief an die Schulleiter los, appellierte an die Jugendlichen, bei ihren Festen zum Schulabschluss auch Rücksicht auf die übrigen Badegäste zu nehmen. Das las sich dann so: „Unmengen an Müll (überwiegend alkoholische Genussmittel) blieben am Lido liegen, und es wurde sogar ein dieselgetriebenes Notstromaggregat eingesetzt, das Strom für eine Musikanlage lieferte.“

Er bat deshalb die Lehrerschaft, die Schüler zu sensibilisieren, damit sie sich so verhalten, dass andere Badegäste nicht über Gebühr beeinträchtigt würden. Zudem machte er deutlich, dass der bei den Feiern produzierte Müll entweder in den Abfallcontainern oder – noch besser – daheim entsorgt werden solle. Nur so könne der Lido ein Ort bleiben, wo sich Jung und Alt auch künftig ungezwungen aufhalten könnten.

Ein Appell, der nicht unbedingt die gewünschte Wirkung zeigte. Denn es wird nicht nur weitergefeiert, sondern auch Müll fabriziert und nicht entsorgt. Das rief auch die Aktionsgruppe „Schongau belebt“ auf den Plan. Die Männer und Frauen rund um Beatrice Amberg gaben Kippenalarm, erklärten, dass Zigarettenkippen am Lido dichter beieinander lägen als Badegäste. Und auch sonst nehme die Vermüllung üble Formen an. Und damit der Lido nicht zu einem zweiten Flaucher wird, will die Aktionsgruppe jetzt tätig werden.

In der Woche nach dem Schongauer Volksfest – also ab 15. September – ersatzweise eine Woche später, will man eine Säuberungsaktion am Lido starten und auch Bürger einbeziehen. „Wir möchten dabei mit einigen Helfern auch als freundliche Störer mit Badegästen in den Dialog treten und sie um Unterstützung unserer Aktion bitten“, erklärt dazu Beatrice Amberg.

Bei dieser Gelegenheit sollen auch Einweg-Handschuhe und Behälter ausgegeben werden. „Jeder soll um seinen Liegeplatz herum die Kippen aufklauben“, fährt Amberg fort und hofft auf Verständnis der Bevölkerung. Darüberhinaus sucht man auch noch Helfer, die als Aufmerksammacher motivieren und auch selbst mit Hand anlegen.

Eine Aktion, die im Übrigen auch Lido-Pächter Günther Schultz für gelungen hält. „Man darf nicht alle jungen Leute verteufeln, die da unten feiern“, sagt er, fügt dem aber auch hinzu, „dass es manchmal schon Formen annimmt, die nicht mehr schön sind“.

Gemeint sind damit Ballermann-ähnliche Partys, bei denen die Feiernden schon in den Nachmittagsstunden einen solch hohen Alkoholspiegel hätten, dass sie sich nur noch laut schreiend akzentuieren würden. Vor allem nach den Abschlussfeiern der Schulen sei dies mit schöner Regelmäßigkeit so. Dass sie in diesem Stadium für Argumente nicht mehr sehr aufgeschlossen seien, ist sowohl Schultz wie auch Schongaus Rathauschef klar.

Letzterer, der sich vergangene Woche noch mal ein Bild vor Ort machte und einen Dialog mit Schulz suchte, will jetzt auch noch ein Gespräch mit der Sicherheitswacht führen und vorschlagen, dass diese bei Rundgängen auch den Lido mit einbezieht und ein Auge auf Umweltfrevler hat. „Das sollte aber nicht dazu führen, dass sich die Stimmung noch mehr aufheizt“, sagt Sluyterman. Ein weiteres Mal will man sich dann während der Ramadama-Aktion von „Schongau belebt“ kurzschließen.

Auch interessant

Kommentare