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Es gehört zur Tradition des Dinner in Weiß, zu Beginn mit den weißen Stoffservietten zu winken. 

Aktion von Schongau belebt

Traum in Weiß auf dem Marienplatz

Schongau - Vor einem Jahr hatte die Gruppierung Schongau belebt am Schwanenweiher erstmals ein „Dinner in Weiß“ organisiert. Die Veranstaltung wurde begeistert angenommen.  Am Mittwochabend wählten die Organisatoren Beatrice Amberg und Martin Kayser den Marienplatz als Treffpunkt aus.

Ein strahlender Sonnentag in der Lechstadt geht zu Ende. Der Feierabend kann kommen. Der Marienplatz fast leergefegt. Noch. Irgendetwas liegt in der Luft. Plötzlich tauchen sie auf. Aus allen Himmelsrichtungen. Kleine Gruppen bewegen sich in Richtung Marienplatz. Alle in Weiß gekleidet. Von Kopf bis Fuß, vom Scheitel bis zur Sohle. Bewaffnet mit Körben, Taschen, Kühlboxen. Autos fahren vor. Aus den Kofferräumen werden Stühle und Tische gezaubert. Klapptische in allen Variationen. Einige Bierbänke sind auch dabei, natürlich umgepinselt in leuchtendes Weiß. Es wirkt wie ein sommerliches Theaterstück. Alles einstudiert, alles läuft wie am Schnürchen.

Doch weit gefehlt. Improvisation ist angesagt. Johanna schmückt in Windeseile den Marienbrunnen. Windlichter, Kerzenständer, Blumenschmuck. Ratzfatz geht das. Tücher werden über Tische geworfen, Geschirr klappert. Der Marienplatz ist nicht wiederzuerkennen. Toll der Anblick, beeindruckend, faszinierend. Einige Männer tragen Hosen mit Bügelfalte, messerscharf. Das Jacket locker sitzend, der Schal lässig um den Hals getragen. Und dann noch der Hut. Die Damen haben alle Register in punkto Dresscode gezogen. Von hauteng und körperbetont bis hin zu locker leicht.

Dabei vergisst man fast, auf die Mitbringsel für den Gaumen zu sehen. Leckerli an Leckerli, die mediterrane Küche hat an diesem Abend Hochkonjunktur. Salate bis zum Abwinken. Zum Großteil das Gemüse aus eigenem Garten. Ganz selbstverständlich bei Hedwig Engler, wie könnte es auch anders sein. Mit ihren 94 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin an diesem Abend. Sechs verschiedene Sorten Tomaten und viererlei Basilikum sind in ihrem Salat zu finden. Ein Heimspiel für die Gärtnermeisterin.

Gern wird auch bei den Köstlichkeiten des Nachbarn zugegriffen – ein Vorteil der lückenlos aneinanderstehenden Tische. Das gilt natürlich auch für die Getränke. Da bietet Franz einen Neu-Bamberger Rheingrafenstein von 2007 an, im Tausch bekommt er von Saskia einen Grünen Veltliner von 2013. Dazwischen fast schon Stilbruch. Da stehen doch glatt zwei Flaschen Becks Lemon neben dem Silberleuchter. Und am Nachbartisch vier Krombacher. Naja, die Jugend. Und noch einer fällt aus dem Rahmen. Zwar serviert er seiner Cordula galant den Mumm-Sekt, selbst labt er sich aber am Badischen Weißbier. Wenigstens im Originalglas. Das muss das nächste mal besser werden, Herr Bürgermeister!

Schongau genießt: "Dinner in Weiß" auf dem Marienplatz

„Wir wollen ein Zeichen setzen, wie schön dieser Platz ist“, erklärt am Rande Martin Kayser von Schongau belebt. Wenn dieser Teil des Marienplatzes verkehrsfreie Zone ist. Vier Projekte wurden hier durch Schongau belebt bereits ins Leben gerufen: Die Bücherzelle, der ganzjährige Fahnenschmuck am Ballenhaus, der W-LAN-Empfang und das Dinner in Weiß. Dass diese Veranstaltung keine Eintagsfliege ist, zeigt ihre Beliebtheit in Zahlen. Nahmen im vergangenen Jahr am Schwanenweiher noch gute 50 Personen teil, wurde in diesem Jahr die Anzahl fast verdoppelt. Und im nächsten Jahr? „Da werden wir bestimmt wieder einen neuen Platz für unser Vorhaben aussuchen und finden“, verrät Beatrice Amberg.

Hans-Helmut Herold

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