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Ein wilder Schneesturm zog gestern Vormittag durchs Schongauer Land.

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Billiger Winter trotz spätem Schneesturms

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Schongau/Peiting - Vermutlich zum letzten Mal rücken derzeit die Räumfahrzeuge der Straßenmeistereien aus. An der Streubilanz des Winters 2015/2016 ändert der plötzliche Schneefall aber nichts mehr. Für viele war es ein billiger Winter – aber nicht für alle.

Sieben Zentimeter Neuschnee und Minus drei Grad wurden gestern Morgen auf dem Hohen Peißenberg gemessen. Für einige Mitarbeiter der hiesigen Straßenmeistereien bedeutete das noch einmal: Streubehälter mit Salz befüllen und ausrücken. „Vier Räumfahrzeuge waren gestern im Einsatz und sind zur Sicherheit die wichtigsten Straßen abgefahren, auch in der Umgebung von Peiting und Schongau“, sagt Walter Lehner vom Staatlichen Bauamt Weilheim, der an dieser Stelle auch gleich die Räumbilanz 2015/2016 parat hatte.

Obwohl dieser Winter extrem mild war, waren seine Mitarbeiter von Januar bis Ende März nahezu durchgehend im Einsatz. „Es hat zwar wenig geschneit, aber die Temperaturen waren in den Morgenstunden oft grenzwertig, was die Glatteisgefahr betrifft“, sagt Lehner. So verbrauchte man diesen Winter allein im Schongauer Land, für das die Straßenmeisterei Peiting zuständig ist, rund 2000 Tonnen Salz. „Das ist in etwa genauso viel wie im letzten Jahr.“ Und mindestens genauso teuer: „Ich rechne für Personal, Fahrzeuge und Material mit Rund 800 000 Euro Kosten.“ Für eine günstigere Saison war der Winter also nicht warm genug – zumindest aus Sicht der Straßenmeisterei. Denn die Bauhofleiter merkten sehr wohl einen Unterschied.

Trotzdem reichte die Schneemenge aus, die Landschaft in ein kurzes Wintermächren zu verwandeln

Peitings Bauhofleiter Franz Multerer sagt nämlich: „Das war kein Winter.“ Nur 100 Tonnen Streusalz haben seine 14 bis 16 Mitarbeiter von November bis Ende März auf den Peitinger Straßen, Parkflächen und Gehwegen verteilt. Das ist die Hälfte von 2014/2015, obwohl der schon außergewöhnlich mild war. Und auch in Sachen Splitt wurde bei rund 60 Tonnen wesentlich weniger als im Winter zuvor (rund 80 Tonnen)verbraucht.

In Hohenfurch bauten Leser sogar Schneemänner.

Ähnliches hat Schongaus Bauhofleiter Johann Eurisch zu berichten. In diesem „unterdurchschnittlichen Winter“ habe er nur 45 Tonnen Splitt und 125 Tonnen Salz verbraucht. Im Vorjahr waren es immerhin 200 Tonnen Salz und 60 Tonnen Splitt. „Die Rechnung steht zwar noch aus, aber das wirkt sich natürlich positiv auf die Kosten aus“, sagt Eurisch und zählt auf: „Weniger Salz, weniger Splitt, weniger Dieselverbrauch und weniger Personalkosten.“ Seine Mitarbeiter bauten so gut wie keine Überstunden auf, die Hilfe sogenannter Fremdfirmen wurde kaum gebraucht.

Auch Multerer kommt mit knapp 10 000 Euro günstig weg. In einer Sache unterscheiden sich die Schongauer von den Peitingern aber. Während Eurisch an die Bürger „ein dickes Lob aussprechen möchte, weil sich kaum jemand beschwert hat und in Sachen Räumdienst heuer alles tadellos geklappt hat“, stand bei Multerer das Telefon nicht immer still. „Ich habe das Gefühl, dass die Bevölkerung allgemein etwas empfindlicher geworden ist.“

Obwohl diesen Winter wesentlich weniger geräumt wurde, kamen bei ihm trotzdem die üblichen Beschwerden auf. Ein Beispiel: „Warum komme der Schneepflug nicht wie sonst um acht Uhr!?“ Multerers Antwort: „Weil es erst um sieben angefangen hat zu schneien, die Zeiten sich deshalb nach hinten verzögern.“ Einigen Leuten fehle in solchen Momenten das Bewusstsein, gerade, wenn der Winter warm und entsprechend wechselhaft sei. „Je härter der Winter, desto einfacher ist es für uns, weil sich die Leute daran gewöhnen und darauf einstellen.“

Was spektakulär aussieht, war im Grund harmlos. Die Räumfahrzeuge der Bauhöfe Peiting und Schongau mussten nicht ausrücken.

Gewöhnungsbedürftig waren die warmen Wintermonate aber auch für die Bauhofmitarbeiter selbst, die teilweise mitten im Winter mit Frühjahrsarbeiten beschäftigt wurden. „Wir haben so gut wie keine Frostbeständigkeit gehabt, dadurch viele Arbeiten erledigen können“, sagt Eurisch, dessen Leute schon vor einigen Wochen die Spielplätze hergerichtet, Straßengeländer gebaut oder die Kehrarbeit erledigt haben.

Bis es die vergangenen Tage wieder zu schneien begann und nochmals Salz gestreut wurde? „Nein“, sagt Eurisch. Der Schnee sei so nass gewesen und sofort wieder geschmolzen, dass er keinen Bedarf gesehen habe. „Ich habe auch keinen Hinweise von der Polizei bekommen.“ Das sieht Multerer genauso: „Ich habe beobachtet, sobald ein Auto über den Schnee gefahren ist, war er weg.“

Für die Bauhof-Mitarbeiter ist die Wintersaison also abgeschlossen. Einzig die Straßenmeisterei behält laut Lehner die stark befahrenen Bundesstraßen diese Woche noch im Auge. „Dann rüsten auch wir unsere Fahrzeuge für den Sommerbetrieb um.“

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