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Ein stimmgewaltiges Publikum sang begeistert bei den gemeinsamen Liedern mit.

Schongauer Brauhaus

Wirtshaussingen vom Feinsten

Schongau - Wer war gleich wieder der „Hirzinger“? In Schongau hieß es am Wochenende „Willkommen im Brauhaus – zum Wirtshaussingen und Musikantentreffen!“ Und die kleine Variante des berühmten großen Bruders musste sich wahrlich nicht verstecken.

Wirtin Marion Albrecht hatte alle Hände voll zu tun, ihr Gasthaus auf den Ansturm der Gäste und Musikanten vorzubereiten. Kurzerhand wichen die meisten Tische und Stühle Bierzeltgarnituren, sonst hätten bei weitem nicht alle Besucher Platz gehabt. Denn nach zwei Jahren Pause strömten die Besucher in Scharen zum Wirtshaussingen, das Kurt Müller vom Schongauer Bergsteigerchor heuer zum zweiten Mal organisiert hatte. Die Rechnung ging auf: Die Auswahl der Musik- und Gesangsgruppen gepaart mit einem stimmgewaltigen Publikum machte diesen Abend zu einem griabigen, lustigen und urbayerischen Erlebnis.

Zu einem solchen gehört natürlich auch ein Fassanstich, den Beatrice Amberg von der Gruppe Schongau belebt vornahm. Nach ein paar festen Schlägen und dem Tausch des kleinen gegen den großen Hammer hieß es dann „O’zapft is“.

Ruhige Lieder und flotte Stücke

Der Bergsteigerchor und der Männerchor des Trachtenvereins Schloßbergler Schongau sorgten mit ruhigen Liedern für eine schöne Atmosphäre im Brauhaus, bevor sie dann mit flotteren Stücken wie dem „Tölzer Schützenmarsch“ oder dem „Fliegerlied“ die Lust der Gäste am Mitsingen weckten. „Auf vielfachen Wunsch haben wir diesmal das gemeinsame Singen mit ins Programm genommen“, erklärte Müller.

Und wer dachte, dass neben den singerprobten Chormitgliedern vielleicht noch eine handvoll passionierte Sänger, versteckt hinter den vierseitigen Liedblättern, leise mitsummen würde, der hatte sich getäuscht. Aus voller Kehle stimmte das gesamte Publikum ab dem ersten Lied mit ein, was vermutlich auch der Liedauswahl des Bergsteigerchors zu verdanken war. Denn wer kann schon bei „Sierra Madre“ oder den „Bergvagabunden“ still bleiben, wenn sie auch noch mitreißend von Heinz Messarosch und Bernd Hänsler an Akkordeon und Gitarre begleitet werden? Und für die verschiedenen Strophen gab es ja die Textblätter.

Das Bild des „singenden und musizierenden Wirtshauses“, wie Moderator Ernst Erhard es beschrieb, machten die zwei geladenen Musikgruppen richtig rund. Die neun Musikanten der Schongauer „Land-Streicher“ hatten anfangs zwar den undankbaren Platz im Obergeschoss, doch die Gäste waren bei deren wunderbaren Stücken so leise, dass man sie auch in der Wirtsstube gut hören konnte. Zu späterer Stunde packten sie noch ihre Geigen, das Cello und den Kontrabass aus und spielten zwischen den Zuhörern auf.

"Kanapee-Musik" sind echter Geheimtipp

Auch etwas erhöht, über den Braukesseln, hatte die junge „Kanapee-Musik“ aus Hohenpeißenberg Platz genommen. Und die spielten mit Ziach, Harfe und Gitarre so schneidig auf, dass manch einer sich die Augen rieb: Denn von den zwei Buben und Mädels hat lange noch keiner die Volljährigkeit erreicht. Ein echter Geheimtipp.

Als echte Stimmungskanone erwies sich auch Bürgermeister Falk Sluyterman, der nicht nur im Gemeinschaftschor kräftig mitsang, sondern auch als Solist die erste Strophe von „Kein schöner Land“ und das Badnerlied intonierte. Mit jeweils einer dazugehörigen Geschichte. Das Brauhaus wurde vor gut anderthalb Jahren als „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ ausgezeichnet. Und wer diesen Abend erlebt hat, der versteht auch warum: Das war gelebte bayerische Wirtshauskultur vom Feinsten.

Christine Wölfle

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