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Wurden bei "Schongau classic" begeistert gefeiert: Die Gesangssolisten Anna-Magdalena Perwein, Maria Hegele und Michael Etzel.

Open-Air-Konzert auf Marienplatz

"Schongau classics" begeistert gefeiert 

Schongau - Es gibt Abende, für die gibt es nur ein passendes Prädikat: Perfekt! Was Stadtkapellmeister Marcus Graf, seine Musiker und die Solisten des Mozarteums mit „Schongau Classics“ den zahlreichen Zuhörern am Samstagabend auf dem Marienplatz boten, war genau so ein Abend.

Schon am frühen Samstagmorgen trafen sich die Mitglieder der Stadtkapelle auf dem Marienplatz, bauten die Bühne auf, und warfen immer wieder bange Blicke gen wolkenbehangenen Himmel. Hält das Wetter? Kann ein Open-Air stattfinden? Sie blieben optimistisch – und in ständigem Kontakt mit dem Wetterdienst. Am frühen Nachmittag gab es dann endlich die heiß ersehnte Prognose: Für den Abend ist kein Gewitter in Sicht, nicht einmal ein Wölkchen. Die Rahmenbedingungen in „Schongaus schönstem Open-Air-Konzertsaal“ waren also schon perfekt. Blieb die Frage nach der zweiten Unbekannten in der Gleichung: Lockt das erste Klassik-Open-Air in Schongau genügend Zuhörer an? Ja, das tat es. 600 Musikbegeisterte aus Schongau und Umgebung strömten auf den Marienplatz – und sie sollten es nicht bereuen. Schon nach den ersten Klängen des Eingangsstücks, der Ouvertüre aus der Oper „Carmen“, lag ein Zauber über dem Platz, der jeden in seinen Bann zog. Das Programm aus sage und schreibe 25 Stücken, das Marcus Graf zusammengestellt hatte, beschrieben die Moderatoren Markus Wühr und Christian Schamper als „Spaziergang durch die Welt der Oper und Operette“ – doch war es vielmehr ein Lustwandelpfad, auf dem man ununterbrochen staunen, träumen und genießen durfte. Man ließ sich gerne vom ausdrucksstarken Tenor Michael Etzel mitnehmen „Durch die Wälder, durch die Auen“ durchlebte mit ihm Beklemmung, Verzweiflung und Fröhlichkeit, summte sein „La donna è mobile“ mit, schmolz dahin, wenn er Franz Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ intonierte. Und bestimmt hätte die eine oder andere Zuhörerin nichts dagegen gehabt, wenn auch sie nach diesem wunderschönen Liebeslied von ihm eine Kusshand zugeworfen bekommen hätte, so wie seine Freundin in der ersten Reihe. Ähnliche Gedanken trieben wahrscheinlich auch die männlichen Besucher um, als Schongaus bezaubernde Sopranistin Anna-Magdalena Perwein bekannte: „Meine Lippen, sie küssen so heiß.“ Sie kann einfach alles: Sie ist die stolze Csardasfürstin, die spöttelnde Verführerin und die verzweifelte Tochter. Man liebte und lachte und trauerte mit ihr, denn mit ihrer wunderbaren klaren und reinen Stimme nahm sie ihre Zuhörer in einer einzigartigen Leichtigkeit mit in die jeweilige Atmosphäre einer jeden Arie. Dem stand ihre anmutige Kollegin, Mezzosopranistin Maria Hegele, in nichts nach. Wunderbar sanft und weich, aber dennoch mit einer ungeheuren Stimmgewalt schuf sie die lasziv-gleichgültige Carmen ebenso überzeugend, wie die Kneipenatmosphäre von Johann Strauss Fledermaus-Arie „Ich lade mir gern Gäste ein“. Waren die drei Solisten einzeln schon ein Ohrenschmaus, so toppten sie es beinahe noch, wenn sie zu zweit oder dritt auf der Bühne standen und bewiesen, wie unglaublich schön ihre Stimmen harmonieren. Beim „Blumenduett“ von Leo Delibes, gesungen von Anna-Magdalena Perwein und Maria Hegele, blieb kein Auge mehr trocken, so ergreifend ging dieses wunderbar gefühlvolle Lied direkt ins Herz. Ein Höhepunkt war auch „Brindisi“, die bekannte Arie aus Verdis Oper „La Traviata“, intoniert von allen drei Ausnahmetalenten des Mozarteums. Doch was wäre der schönste Gesang ohne die passende Begleitung? Hier zeigte sich einmal mehr, dass Stadtkapellmeister Marcus Graf ein Meister des Arrangements ist. Von pianissimo bis fortissimo boten die Musiker der Stadtkapelle das breite Fundament, auf das die Solisten getrost bauen konnten. Sie bildeten alle zusammen eine Einheit, eine einzigartige Klangwelt, der die Bezeichnung „Laien-Orchester“ eigentlich nicht gerecht wird. Aber nicht nur begleitend bewiesen die 65 Musiker ihr Können, sie eroberten auch mit beeindruckenden Instrumentalstücken wie dem Florentiner Marsch von Julius Fucik, den „Olymp“ der symphonischen Blasmusik, wie es die Moderatoren Markus Wühr und Christian Schamper passend nannten. Die beiden führten wahrlich unterhaltsam und informativ durch den gesamten Abend, und machten das Gesamtbild des Konzertabends noch runder. Musikschulleiter Karl Höldrich, der als Gast-Cellist das Konzert mitbestritt, strahlte vor Freude, als ihn Christian Schamper kurz vor dem Ende „interviewte“. „Danke, dass ihr mich mitmachen lasst“, war er voll des Lobes und fügte an: „Gratulation Schongau für diese Stadtkapelle.“ Das wussten auch alle Besucher dieses einzigartigen Konzerts zu würdigen, und so gab es nach drei Zugaben minutenlange begeisterte stehende Ovationen – so lange, bis auch der letzte Musiker die Bühne verlassen hatte. Das war einfach nur perfekt. Hut ab vor dieser Leistung aller Beteiligten.

cho

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