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Informierten über das geplante Video-Reisezentrum: Anja Stiebeling (rechts) und Wolfgang Jakob von der Deutschen Bahn.

Stadtrat Schongau

Weg für DB-Videozentrum geebnet

Schongau - Der Weg für ein Video-Reisezentrum im Schongauer Bahnhof ist geebnet. Bei der Stadtratssitzung am Dienstag gab es zwar etliche Fragen seitens des Gremiums, doch Kritik blieb nahezu aus. Einzig aus Reihen der reichlich vertretenen Zuhörerschaft gab es einen missbilligenden Einwurf, der jedoch quasi im Nichts verhallte.

Angespannt war die Stimmung unter den Zuhörern, als es um das Schongauer Reisezentrum ging. Schließlich droht wieder der Verlust einer lieb gewonnenen Einrichtung. Deswegen hatte sich der Stadtrat mit Produktmanagerin Anja Stiebeling und dem Leiter Verkaufsbezirk, Wolfgang Jakob, auch zwei Vertreter der Deutschen Bahn eingeladen, die die geplante Neuerung vorstellten. Und deren Botschaft war eindeutig. „Immer mehr Kunden wechseln zum Internet und auf mobile Medien“, so Stiebeling, die erläuterte, dass mittlerweile jedes dritte Ticket über Handy oder online gebucht werde. Die Folge sei eine schwindende Resonanz im Reisezentrum, wo heute nur noch etwa 50 Kunden täglich bedient würden. Da dies auch andernorts registriert worden sei, habe man im April 2013 als Pilotprojekt fünf Standorte im Schwarzwald ausgewählt, die sich als stabil erwiesen hätten. Mittlerweile seien sechs Standorte in Nordbayern im Raum Schweinfurt hinzugekommen. Stiebeling: „Die Resonanz der Kunden ist hervorragend, wir registrieren keine Unzufriedenheit. Nicht zuletzt, weil wir die Öffnungszeiten quasi verdoppeln, auch am Wochenende Service anbieten.“

Als positiv seitens der Kunden sei auch die Benutzerfreundlichkeit der Videoanlage, die in Kempten ihr Zentrum hat, eingestuft worden. Über sie kann der Kunde künftig seine Fahrkarten kaufen, aber auch Informationen zu dem jeweiligen Reiseziel und Kosten abrufen. „Auf der anderen Seite sitzt ein Mensch, mit dem man von Angesicht zu Angesicht sprechen kann“, versuchte Anja Stiebeling potentiellen Kritikern die Angst zu nehmen. Und weiter: „All das, was man am Schalter machen kann, ist auch dort möglich.“ Dies sei auch bereits von anderen Gemeinde- und Seniorenbeiräten attestiert worden.

Bettina Buresch (AL) und Paul Huber (CSU) haben bereits die Probe aufs Exempel gemacht, das Videozentrum in Nördlingen angeschaut. Und Buresch zeigte sich sichtlich angetan. „Man steht da einer sehr versierten Kraft gegenüber, ich war angenehm überrascht.“ Auch Bürgermeister Falk Sluyterman, lange ein Kämpfer für den Erhalt des bisherigen Reisezentrums, hat sich im Sommer beim Besuch eines Reisezentrums in Unterfranken überzeugen lassen. Fragen gab es dennoch. Kornelia Funke (CSU) wollte wissen, ob Display und Sprache seniorengerecht seien, Stefan Konrad (SPD) fragte nach, ob der Automat allein übrig bleiben würde, wenn man das Reisezentrum ablehne. Und Friedrich Zeller (SPD) meinte, „dass ich unvoreingenommen an die Sache herangegangen bin und überzeugt wurde“.

Michael Eberle (CSU) hofft derweil auf „nicht zu lange digitale Warteschlangen“ und regte darüberhinaus an, „doch auch mal ein solches Zentrum in einer Kleinstadt wie Schongau einzurichten“, Peter Huber (SPD) wird künftig die telefonische Beratung vermissen, Siegfried Müller (AL) stört die „allumfassende Digitalisierung“. Zudem kann er sich nicht vorstellen, „dass dieser Maßnahme kein Arbeitsplatz zum Opfer fällt“. Und: „Wenn eine Stelle nicht funktioniert, ist dann alles andere auch lahmgelegt?“, fragte er nach. Stiebeling versprach, dass niemand entlassen werde, meinte: „Im Gegenteil, wir suchen sogar noch neue Mitarbeiter.“

Markus Wühr (CSU) wollte schließlich noch wissen, ob das Gelände videoüberwacht werde, um Vandalismus zu verhindern. Doch da konnte Anja Stibeling beruhigen. „Wir hatten bisher an keinem Standort weder Vandalismus noch irgendwelche Schmierereien. Vielleicht schreckt schon der Name Video-Reisezentrum ab.“

Das neue Videoreiszentrum, das im ersten Halbjahr 2016 eröffnen könnte, soll übrigens montags von 7 bis 19, dienstags bis freitags von 7.30 Uhr bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 14 und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet haben.

Stephan Penning

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