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Das Bücherei-Gebäude wollte die Firma Haseitl abreißen und stattdessen ein großes Wohngebäude mit öffentlicher Tiefgarage hinstellen. Die Bücherei hätte ins Gonizianer-haus von Klaus Kirstein umziehen sollen (siehe Bericht unten). 

Debatte um Bücherei-Abriss

Nichtöffentlicher Bumerang

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Schongau –  Vor Monaten hat die Stadt ein großes Bauprojekt abgelehnt – in nichtöffentlicher Sitzung. Jetzt ist das Thema plötzlich hochgekocht und sorgt seit Tagen für Diskussionen. „Typisch Schongau“ und „Die verhindern alles“ sind Schlagwörter der Debatte. Bürgermeister Falk Sluyterman nennt Gründe für die damalige Entscheidung.

Die Nachfrage war groß: Schongaus Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt hatte vor einigen Wochen zum Thema Leerstandsmanagement alle Hausbesitzer der Altstadt angeschrieben, die betroffen sind, und viele sind zu einem Info-Abend gekommen. In der Diskussion um Strategien und Maßnahmen kam auch das Thema auf, dass die Bücherei am Münztor viel Publikumsverkehr in die Altstadt bringen würde. Darauf antwortete Klaus Kirstein – verkürzt wiedergegeben –, dass er genau das versucht, aber die Stadt abgelehnt habe. Rumms, das saß.

Kirstein tut es nachträglich leid, dass er das Thema aus Versehen an die Öffentlichkeit gebracht hat, und will dazu nichts mehr sagen. Das machen dafür andere. „Was wird da gemauschelt? Warum wird das unter der Decke gehalten?“, regt sich Rosmarie Wörnle-Giehl auf. Sie war auch auf der Info-Veranstaltung, weil sie in der Weinstraße ein Haus besitzt, dessen Laden länger leer stand. Von den Gerüchten über das abgelehnte Projekt hatte sie schon vorher gehört, sagt sie. „Ich bin dafür, dass die Altstadt belebt wird, und nur wegen der Fußgängerzone passiert das nicht.“ Die Bücherei habe 20 000 Besucher pro Jahr, das würde der Altstadt gut tun.

Stadträte mussten Stillschweigen bewahren

Doch was war eigentlich geplant? Die Firma Haseitl hatte der Stadt vorgeschlagen, die Bücherei abzureißen und stattdessen ein vierstöckiges Wohngebäude hinzustellen, inklusive öffentlicher Tiefgarage. Die Bücherei könnte integriert werden oder nicht – und letztere Variante war für Kirstein interessant, der die städtische Bücherei gerne als Mieter in seinen leerstehenden Räumen im Gonizianer-Haus an der Weinstraße gehabt hätte (siehe unten).

Weil das Thema im Sommer nichtöffentlich diskutiert wurde, blieb alles ein Geheimnis, was Wörnle-Giehl mächtig ärgert: „Durch so etwas kommen Verschwörungstheorien auf“, schimpft sie. Doch die Nicht-Öffentlichkeit hat andauernden Bestand – mit der Folge, dass sich weder Voigt auf der Info-Veranstaltung dazu äußern wollte und durfte, genauso wie Stadträte, die danach mit Fragen gelöchert wurden.

Zwischen allen Stühlen saß Kornelia Funke (CSU) als Stadträtin und Bücherei-Leiterin. Als sie vor einigen Tagen bei einer Versammlung von Schongau belebt aufgefordert wurde, mehr zu dem Projekt zu erzählen, verwies sie auf die Stillhaltepflicht und musste sich dafür einige Kritik anhören. Auch auf SN-Nachfrage sagte sie nichts zur Sitzung, nur soviel: Ihr großes Ziel sei eine räumliche Verbindung von Bücherei und VHS möglichst in der Altstadt. Deshalb habe sie tatsächlich einmal mit VHS-Leiterin Ursula Diesch die Räume bei Kirstein angeschaut. „Da müsste viel umgebaut werden, aber von der Größe würde es passen“, sagte sie, betont aber gleichzeitig: „Wir fühlen uns sehr wohl im derzeitigen Gebäude.“

Licht ins Dunkel bringt schließlich Bürgermeister Falk Sluyterman. Er hatte erst vorgestern durch eine Mail des Vereins Schongau belebt, der um Informationen bat, überhaupt erfahren, dass das Thema seit längerem in der Stadt gärt. Das Projekt sei damals nichtöffentlich behandelt worden, weil man unter anderem die mögliche Miete für die Bücherei im Gonizianer-Haus besprechen und sich darüber klar werden musste, ob man das Bücherei-Grundstück überhaupt verkaufen will und wenn ja, zu welchem Preis.

Leerstand beseitigen ist wichtig - aber nicht um jeden Preis

„Es war eine der Stadt aufgedrängte Planung, die wir nicht beauftragt haben, eine Idee mit zu vielen Unbekannten“, sagt Sluyterman. Hätte man gesagt, man verfolge das weiter, wäre es im nächsten Aufschlag sicher öffentlich diskutiert worden. Aber es sei danach nichts mehr gekommen. „Zudem waren wir uns alle einig: Das passt von der Größe her dort nicht hin.“

Leerstand in der Altstadt zu beseitigen sei wichtig, doch es könne nicht Aufgabe der Stadt sein, selbst als Mieter dafür zu sorgen. Das mache man schon bei der Musikschule, und außerdem besitze man mit dem Münzgebäude selbst eine Immobilie, die man mit Leben füllen müsse.

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